Serie Böddiger Berg  

Besuchsverbot für Patienten: Das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Fachklinik Böddiger Berg

Besucherstopp an der Fachklinik: Nur Minderjährige dürfen noch Besuch erwarten.

Die Fachklinik Böddiger Berg ist eine Institution in Felsberg. Sie bietet Menschen einen Arbeitsplatz und Hilfe für Suchtmittelgefährdete oder -abhängige. In loser Reihe stellen wir die Fachklinik und ihre Mitarbeiter vor. Heute geht es um die Auswirkungen des Coronavirus.

Felsberg – Am Böddiger Berg gelten seit dem Ausbruch der Coronakrise andere Regeln, erklärt Annette Wenzel. Sie ist die Therapeutische Leiterin der Fachklinik. Personal und Patienten würden zunehmend auch die negativen Auswirkungen der Krise spüren. „Selbst als Fachklinik ist es einfach schwer, an Desinfektionsmaterial heranzukommen“, sagt Anette Wenzel. Noch seien die Mitarbeiter gut mit Hygienematerialien ausgestattet, „aber wir wissen ja alle nicht, was noch kommt“, sagt sie.

Die Fachklinik am Böddiger Berg existiert seit fast 40 Jahren und gehört zur Drogenhilfe Nordhessen. Die Aufgaben reichen von Beratung, Betreuung und Unterstützung, Therapie und Nachsorge bis hin zu Präventionsangeboten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien. Insgesamt arbeiten an der Fachklinik am Böddiger Berg 70 Menschen. Auf jeden Mitarbeiter kommt dort ein Patient.

Die Vorgaben

Die Fachklinik nimmt wegen der Epidemie derzeit nur noch Patienten auf, bei denen feststeht, dass sie vorher mindestens 14 Tage in einer Institution gewesen sind. „Damit wir ausschließen können, dass ein neuer Patient das Virus in der Fachklinik verbreitet“, sagt sie. Das sei bislang noch nicht der Fall gewesen.

Die Ausgangssperre

In Zeiten von Corona werde in der Fachklinik penibel auf den Kontakt untereinander geachtet. Dafür hat das Personal einige Hygienevorschriften aufgestellt: „Momentan haben wir die Räume so aufgeteilt, dass die Patienten nicht zu eng beieinander sitzen müssen“, sagt Wenzel. Jeweils zwölf Menschen leben in einer Wohngruppe am Böddiger Berg zusammen. Dort wird auch gemeinsam gegessen. „Die Tische und Stühle sind weit auseinander gestellt“, sagt sie.

„Menschen mit einem Drogenproblem gehören wegen ihrer Sucht und ihres häufig schlechten Allgemeinzustands zur Gruppe der Menschen, die besonders geschützt werden müssen“, sagt Wenzel. „Deshalb hat die Rentenversicherung für unsere Patienten eine komplette Ausgangssperre verhängt“, sagt Wenzel. Die Patienten dürfen die Fachklinik nicht mehr verlassen. „Das stellt uns auf die Probe“, sagt Wezel. Denn die Patienten würden sich zum Teil selbst versorgen. „Sie gehen beispielsweise gemeinsam in die Stadt und kaufen ein – das dürfen sie nun nicht mehr“, erklärt Wenzel. Das muss nun das Personal übernehmen.

Nur einzeln ist der Eintritt erlaubt: Die Hauswirtschafterin Beatrix Prawda und die Therapeutische Leiterin Annette Wenzel. Fotos: Fachklinik böddiger berg

Dass die Patienten die Klinik nicht mehr verlassen dürfen, bedeutet auch, dass sie keinen Besuch empfangen dürfen. „Bis auf unsere minderjährigen Patienten“, erklärt sie. Für sie gilt: „Ein Angehöriger darf den Patienten für eine Stunde am Wochenende in einem separaten Raum besuchen.“ Hinterlassen muss er dafür alle Kontaktdaten.

Für die Ausgabe von Medikamenten nutzt das personal eine Klapptheke. „Somit können wir als Personal den direkten Körperkontakt vermeiden, da wir ja anders als sie noch einkaufen gehen beispielsweise“, sagt sie. Alle Veranstaltungen sowie Teamsitzungen sind ohnehin erst einmal gestrichen.

Der Zutritt

Die Mitarbeiter der Hauswirtschaft hätten viel zutun. „Das Personal ist gefordert“, so Wenzel. Im hauseigenen Kiosk werden jetzt die Waren verkauft, die die Patienten eigentlich selbst eingekauft hätten. Natürlich gelten auch dort besondere Maßnahmen: „Zutritt haben die Patienten nur nacheinander“, sagt Wenzel. Die Fachklinik werde weiterhin mit Essen beliefert. „Wir haben auch einen Notfallplan, falls das Essen nicht mehr geliefert werden kann oder darf“, sagt Wenzel. Dann wird die Hauswirtschaft die Verpflegung der Patienten übernehmen müssen. „Aber das schaffen wir auch“, sagt sie.

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