Ursula Knieß gibt Leitung der Bücherei ab

Die Bücherfee von Gensungen hört nach mehr als 30 Jahren auf

Ursula Knieß mit Büchern in der Bücherei
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Bücher sind ihre große Leidenschaft: Ursula Knieß hat in Gensungen mehr als 30 Jahre die Stadtteilbücherei geleitet.

Ursula Knieß hat einen großen Teil ihres Lebens den Büchern gewidmet: Mehrere Jahrzehnte hat sie die Gensunger Stadtteilbücherei immer weiter ausgebaut. Nun gibt sie die Leitung ab.

Gensungen – Selbst beim Knipsen der Fotos für den HNA-Artikel möchte Ursula Knieß eigentlich lieber zu ihren Büchern schauen als in die Kamera. Die Gensungerin hat mehr als 30 Jahre die Stadtteilbücherei in Gensungen geleitet – und ihre ganze Liebe für das geschriebene Wort in die Bücherei gelegt. Dass sie die Leitung abgibt, bedeutet für sie jedoch noch lange nicht, dass sie sich von den Büchern verabschiedet.

Die gebürtige Bremerin ist selbst ein lebendes Buch. Zwar hat sie noch keine Biografie geschrieben, doch die 81-Jährige reimt sehr gern. „Ich habe mal einen Vortrag über Mineralien auf einer 3,20 Meter langen Schriftrolle nur in Versen verfasst. Das war ein großer Spaß“, berichtet sie lachend. Sie sei gern einfach mal albern.

Büchereileiterin wollte schon vor Einschulung Lesen lernen

Schon bevor sie in die Schule ging, wollte Ursula Knieß wissen, was die Wörter in den Märchen der Brüder Grimm bedeuten. „Meine Eltern brachten mir vor der Einschulung das Lesen bei. Das war damals auch gar nicht so einfach mit der Schnörkelschrift.“ Die Begeisterung für Bücher hat sie bis heute behalten.

Im Jahr 1975 nahm das Thema Bücherei für Ursula Knieß im Elternbeirat der Gesamtschule Felsberg erste Formen an, als sie sich dort als Verantwortliche für die Schulbücherei meldete. „Lesen ist doch eine gute Sache“, dachte sie sich. 1988 übernahm sie dann die Leitung der Stadtteilbücherei Gensungen. Die war jedoch nicht immer an der Frankenstraße 14.

Einige Umzüge mussten die stetig wachsenden Bücherbestände mitmachen – zuletzt 2014 vom gegenüberliegenden Gebäude, Frankenstraße 9, an ihren jetzigen Standort. „Mit Einkaufswagen von Edeka“, sagt Ursula Knieß in Erinnerungen schwelgend.

Menschen sollen zum Lesen bewegt werden

Mit den Jahren hat sie das Ausleihverfahren immer weiter verbessert. „Meine Motivation war es immer, die Menschen zum Lesen zu bewegen und ihnen das Ausleihen so einfach wie möglich zu machen.“ Dafür, dass sie ihr ganzes Herzblut und viel Zeit für das Ehrenamt aufbringen konnte, dankt sie besonders ihrem vor einem Jahr gestorbenen Ehemann. „Er hat genug verdient, so konnte ich meine Zeit den Büchern widmen.“ Die sonst so aufgeweckte Frau wird etwas ernster. „Ich habe momentan sehr mit Depressionsproblemen zu kämpfen.“

Viele Menschen würden sowas verschweigen, doch sie gehe offen damit offen um. „Wenn ich einfach mal wen zum Reden bei einer Tasse Tee brauche, dann sage ich das auch. Ist ja nicht ansteckend.“ Die Freude daran, andere zum Lesen zu bewegen, sei für sie schon immer ein Ausgleich dafür gewesen.

Nachfolgerin wird bereits eingearbeitet

Aus einer depressiven Stimmung und Überforderung heraus habe sie auch bei der Stadt Felsberg die Leitung der Bücherei für beendet erklärt. Ob sie diese Entscheidung bereut? „Nein, kein bisschen. Ab einem gewissen Alter muss man auch mal einen Gang zurückschalten“, sagt sie und strahlt wieder.

Sie freut sich auf das Einarbeiten ihrer Nachfolgerin. Das wird die 39-jährige Gensungerin Nicole Hellgrewe – „ein langsamer und gemeinsamer Übergang“, wie Ursula Knieß sagt. Es ist also nicht von jetzt auf gleich Schluss mit ihrer Arbeit in der Bücherei. „Ich helfe natürlich weiter im Hintergrund beim Einbinden und Inventarisieren der Bücher mit.“

Und sie werde die Zeit nutzen, um den neusten Roman von ihrem Lieblingsautor Ken Follett zu lesen. (William Abu El-Qumssan)

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