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Wege zur neuen Felsberger Kita werfen Fragen auf

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Ein Modell der Kita, entwickelt vom Heilbronner Architekturbüro Joos/Keller. Auffällig ist der runde Freiraum in der Mitte des Gebäudes.
Ein Modell der Kita, entwickelt vom Heilbronner Architekturbüro Joos/Keller. Auffällig ist der runde Freiraum in der Mitte des Gebäudes. © William Abu El-Qumssan

Die neue Kita der Stadt Felsberg soll 2025 fertig sein. Sie bietet Platz für 125 Kinder. Eine aktuelle Kostenschätzung sieht einen Preis von 6,9 Millionen Euro vor.

Felsberg – In drei Jahren können Eltern in Felsberg frühestens mit einer neuen Kita rechnen. Das sagte der Heilbronner Architekt Kyrill Keller am Dienstag. Nachdem bislang wenig über den seit Jahren geplanten Neubau der Stadt bekannt war, stellte der beauftragte Architekt nun den Entwurf seines Büros vor und ging auf Fragen ein. Zu Diskussionen kam es unter anderem bei den Kosten und der Verkehrsanbindung der Kita.

Das Verkehrskonzept: Die Erreichbarkeit der Kita erhitzte die Gemüter der Felsberger Ausschussmitglieder. Einige der Straßen und Fußwege hin zum Kita-Standort auf dem Alten Bolzplatz wurden von Ausschussmitgliedern für unzureichend erklärt.

Klaus Löffelmann (ULF) bezeichnete den Weg aus Westen von der Lohrer Straße aus (Zur Reithalle) als zu schmal und zu dunkel. Für zwei Autos nebeneinander sei auf der drei Meter breiten Straße kein Platz und Straßenbeleuchtung gebe es dort auch nicht. Der Ausbau des Zuwegs würde weitere Kosten verursachen, sagt Löffelmann. Auch für den Weg vorbei an der Drei-Burgen-Schule zeigte Löffelmann wenig Begeisterung: Viel zu chaotisch sei dort die Situation morgens schon.

Mehrere Wege führen zur Kita in Felsberg.
Mehrere Wege führen zur Kita in Felsberg. © HNA

Keller erwiderte, dass er mit Blick in die Zukunft planen würde. Er gehe davon aus, dass Eltern zunehmend von Autos auf Fahrräder umsteigen, um ihre Kinder zur Kita zu bringen. Bürgermeister Volker Steinmetz klang ebenfalls wenig besorgt wegen der Verkehrssituation.

Die Stadt werde die Situation beobachten, wenn die Kita in Betrieb ist und bei Bedarf „verkehrsrechtlich nachsteuern“.

Auch mit der Lösung, die Parkplätze der nahe gelegenen Sporthalle mitzubenutzen, ist Steinmetz zufrieden. „Die Nutzungszeiten der Eltern kollidieren nicht mit denen von den Vereinssportlern.“ Vor der Kita sind zwei Parkplätze für Rollstuhlfahrer und 20 Fahrradstellplätze geplant. Weitere Diskussionen zum Verkehrskonzept der Kita verwies Jochen Pschibul (Grüne) in künftige Ausschusssitzungen.

Die Kosten: Rund eine Stunde des Vortrags von Architekt Keller war verstrichen, bis die mit Spannung erwartete Preisfrage endlich geklärt war: 6,9 Millionen Euro kostet nach aktueller Schätzung der Neubau. Katharina Terörde (Grüne) fragte Keller in der anschließenden Fragerunde: „Wissen Sie, dass die Stadt Felsberg eigentlich kein Geld dafür hat?“

Steinmetz sagte auf die Einwände hin, dass sechs Millionen Euro sowieso im Haushalt für die Kita vorgesehen seien. Terörde rechnete vor, dass bei einer erwartbaren Kostensteigerung um zehn Prozent pro Jahr die Kita schnell neun Millionen Euro kosten könnte. Die Stadt werde Wege finden, ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Pflicht der Kinderbetreuung nachzukommen, erwiderte Steinmetz, ohne konkreter zu werden.

Keller zählte mehrere, bereits im Bauplan vorgenommene Einsparungen auf: Die Anzahl der Säulen für das Vordach wurde halbiert. Außerdem soll auf einige Innentüren und innere Verglasungen verzichtet werden.

Die Preisschätzung sei jedoch nur ein erster Ausgangswert – „plus minus 30 Prozent“, sagt Keller. Auf den Hochwasserschutz des Gebäudes entfallen rund 490 000 Euro, die in den 6,9 Millionen Euro inbegriffen sind. Laut Keller soll der Kindergarten 1,2 Meter über dem Gelände gebaut werden. Weitere Vorkehrungen wie wasserdichte Türen und Fenster sind nicht geplant.

Diese würden die Kosten weiter in die Höhe treiben, weil diese aus Kunststoff gefertigt werden müssten. Außerdem legte Keller dar, dass sein Büro sich auf Holzbau spezialisiert habe. Zu den Bedenken einiger Ausschussmitglieder sagte Keller, dass Holz bei Hochwasser widerstandsfähiger sei, als viele annähmen.

Und: „Der Holzpreis entwickelt sich aktuell nach unten“, nennt der Architekt einen weiteren Vorteil für Holz. Daher sei er zuversichtlich, was die 6,9 Millionen Euro angehe.

Die Nachhaltigkeit: Das Gebäude soll laut Architekt Keller weitgehend autark sein – mit einer Fotovoltaikanlage und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Dadurch sollen sich auf lange Sicht die höheren Baukosten mit in niedrigeren Energiekosten ausgleichen.

Dieses Vorhaben sei auch förderfähig. Für den Entwurf des Architekten stehe Geld aus dem Topf der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bereit – bis zu 356 000 Euro. Um diese Summe zu bekommen, müssten laut Keller aber zunächst 480 000 Euro von der Stadt Felsberg für die Nachhaltigkeit des Gebäudes ausgegeben werden.

Unterm Strich müsste die Stadt dann 120 000 Euro investieren, um die Kita wesentlich energieeffizienter zu bauen. Dieses Geld ist nicht in den geschätzten 6,9 Millionen Euro verrechnet, sagt Keller.

Der Kitabau soll im Sommer 2025 abgeschlossen sein. „Wir nehmen schon jede mögliche Abkürzung“, beteuerte Keller. Aber ein Gebäude, das 100 Jahre stehen soll, braucht seine Planungszeit, sagt Keller gegenüber unserer Zeitung. Das aktuelle Vorgehen sei bereits „schnelles Bauen“. Früher habe der Bau eines solchen Gebäudes noch viel länger gedauert.  (William Abu El-Qumssan)

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