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Direktor der Felsberger Drei-Burgen-Schule geht in den Ruhestand

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Karl-Werner Reinbold hat sich in seinen fünf Jahren an der Drei-Burgen-Schule besonders um die Themen Natur und Umwelt gekümmert. Daraus entstand auch der Naturgarten auf dem Schulgelände.
Karl-Werner Reinbold hat sich in seinen fünf Jahren an der Drei-Burgen-Schule besonders um die Themen Natur und Umwelt gekümmert. Daraus entstand auch der Naturgarten auf dem Schulgelände. © William abu El-Qumssan

Nach fünf Jahren endet die Zeit von Karl-Werner Reinbold als Schulleiter der Drei-Burgen-Schule. Vor seiner letzten Station in Felsberg ist der gebürtige Guxhagener viel herumgekommen.

Felsberg – Im Interview berichtet Karl-Werner Reinbold von seinem etwas ungewöhnlichen Werdegang, wie er versucht hat, die Felsberger Drei-Burgen-Schule zu prägen und welches Projekt im Ruhestand nun auf ihn wartet.

Herr Reinbold, Sie haben die Fächer Sport und Mathe studiert: Was hat als Lehrer mehr Spaß gemacht?

Sport macht natürlich viel Spaß, ist in der Schule aber anstrengender. Wenn man in einer Drei-Felder-Halle in der Mitte steht, braucht man zum Feierabend kein Radio mehr im Auto nach der Dauerbeschallung. Und die Augen müssen auch überall sein. Da ist Mathematik wesentlich einfacher, weil dort viel mehr geregelt ist.

In Ihrem Lebenslauf fällt nach Ihrem Lehramtsstudium auf: Sie waren Öffentlichkeitsreferent an der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau. Wie kam es denn dazu?

Das war eine sogenannte ABM – Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Da wurden Leute eingestellt, die verschiedene Studiengänge studiert hatten. Es gab zu der Zeit ganz viele Pädagogen und Sozialarbeiter, die keinen Job bekommen haben. Später bin ich dort auch Lehrgangsleiter für lern- und körperbehinderte Jugendliche geworden. Das hat mich schon sehr geprägt.

Und wie kamen Sie dann zurück zur Schule?

Mit dem Beginn des Jugoslawien-Kriegs 1991 kamen Menschen aus den Kriegsgebieten nach Deutschland und es wurden wieder Lehrer gesucht. Ich habe dann ein Zusatzstudium zum Grundschullehrer gemacht. Das war eine mündliche Prüfung in Sport – eine Farce aus heutiger Sicht. Und plötzlich war ich Grundschullehrer (lacht). Und das, ohne je ein Grundschulkind unterrichtet zu haben. Im selben Jahr bekam ich dann meine erste Stelle an der Grundschule in Lohne-Züschen.

Ab 2012 konnten Sie dann doch noch das machen, was Sie ursprünglich studiert haben.

Richtig. Durch einen Freund beim Staatlichen Schulamt bekam ich den Hinweis, dass eine Stelle an der Ohetalschule Frielendorf-Verna zu besetzen sei. Nach einigen Überlegungen gab ich eine Bewerbung ab. Das Interessante daran war: Es war eine Grund-, Haupt- und Realschule. Also alle meine Lehrämter waren dort vereint. Und so kehrte ich der Grundschule Guxhagen nach 18 Jahren den Rücken.

Das muss eine große Umstellung gewesen sein...

Am ersten Morgen, als ich in Guxhagen an der Ampel stand, dachte ich mir nur: „Oh, jetzt wärst du eigentlich schon da.“ Da hatte ich aber noch 33 von 36 Kilometern Fahrtweg vor mir.

Welchen Stellenwert hat die Drei-Burgen-Schule als Ihre letzte Station für Sie?

Was mich hier besonders motiviert hat, ist das generelle Bildungsangebot in der Region. Es gibt die Gesamtschulen in Melsungen, Spangenberg und Guxhagen. Hinzu kommen Gymnasien in Fritzlar und eine Gesamtschule in Gudensberg. Da liegt die Drei-Burgen-Schule mittendrin. Und man muss hier richtig gute Arbeit machen, damit Eltern von Viertklässlern ihre Kinder gerne nach Felsberg auf die Schule schicken.

Also hält die Konkurrenz in der Region das Niveau auch hoch?

Auf jeden Fall. Felsberg liegt mittendrin und von hier aus kommt man überall gut hin. Da haben wir es schwer. Deshalb bieten wir zum Beispiel ab der 7. Klasse bei der Wahl der zweiten Fremdsprache drei verschiedene Sprachen an: Französisch, Latein und Spanisch. Und weil wir keine große Schule sind, leisten wir uns da auch kleinere Lerngruppen.

Wo hatten Sie das Gefühl, dass Sie an der Drei-Burgen-Schule etwas bewegen konnten?

Ich konnte viel im Umweltbereich tun. Da haben wir zum Beispiel einige Klimaschutzpreise bekommen. Und auch das neue grüne Klassenzimmer in unserem Naturgarten ist ein Beispiel dafür. Das ist etwas, bei dem ich neben den ganzen organisatorischen Aufgaben etwas bewegen konnte. Viel Unterricht gibt man als Schulleiter nicht mehr. Da war ich dann oft der Lückenfüller (lacht).

Kommt Ihnen von den Klassen dann auch die klassische Ehrfurcht vorm Schulleiter entgegen?

Ich bin wirklich nicht der Typ für so was, bin ja weder der Größte noch der Lauteste. Aber es ist wirklich so. Wenn ich im Gebäude oder auf dem Schulgelände unterwegs bin, höre ich regelmäßig „Pssst, der Reinbold kommt.“ Das liegt bestimmt auch daran, dass ich bei den Schülern nicht so präsent bin, wie meine Kollegen. Bei den Schülern ist dieser große Respekt einfach so abgespeichert.

Waren die Standortwechsel bereichernd für Sie?

Ja, sehr. Im Rückblick war es immer gut, noch mal was anderes gemacht zu haben. Natürlich ist man immer motiviert für die Schule, in der man arbeitet. Aber es schleifen sich auch einige Dinge ein. Und noch mal woanders hinzugehen, ist immer so ein neues Prickeln.

Aber Ihren generellen Berufswunsch haben Sie nie hinterfragt?

Nein, zu keiner Zeit.

Ihre Frau Cornelia arbeitet als Schulsekretärin an der Heiligenbergschule in Gensungen. Ist Ihnen das Thema Schule dadurch nicht zu viel geworden?

Wir sind dem Ganzen überhaupt nicht überdrüssig geworden, weil Schule etwas ist, wofür wir beide mit Leib und Seele gearbeitet haben. Eine Zeit lang sogar zusammen an der Grundschule Guxhagen. Sie war dort Sekretärin und ich Rektor. Und nun gehen wir auch gemeinsam in den Ruhestand. Also wird das Thema für uns beide auch zeitgleich wegbrechen.

Was steht mit dem Ruhestand jetzt für Sie an?

Auf jeden Fall mehr Zeit mit der Familie verbringen. Ich habe eine achtjährige Enkelin, der ich gerne mehr Zeit widmen möchte. Und nun öfter außerhalb der Ferien auf Reisen gehen.

Und gibt es ein größeres Projekt, in das Sie sich stürzen werden?

Das gibt es tatsächlich. Ein großer Gebäudeteil der Land- und Gastwirtschaft, in der ich aufgewachsen bin, steht leer. Obwohl das gar nicht stimmt: Es stehen Dinge von Generationen darin. Es wohnt nur niemand mehr dort. Da alles auszuräumen, ist bestimmt nicht in vier Wochen erledigt.

Wollen Sie die Gaststätte wieder aufleben lassen?

Die Theke und der Gastraum sind noch vorhanden. Und ich kenne ja die ganzen Abläufe, da ich meinen Eltern damals auch viel geholfen habe. Aber beginnen werde ich das nicht mehr. Es ist aber noch nicht klar, was genau aus dem Haus werden soll. Nur langweilig wird es auf keinen Fall. (William Abu El-Qumssan)

Zur Person

Karl-Werner Reinbold (66) wurde in Kassel geboren. Aufgewachsen ist er in Guxhagen-Albshausen, wo er auch heute lebt. Er studierte die Fächer Mathematik und Sport auf Lehramt für die Sekundarstufe I. Reinbold war an drei Schulen Rektor – zuletzt an der Drei-Burgen-Schule in Felsberg. Der 66-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne, wovon er zweien in seiner Freizeit gern beim Handball zujubelt.

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