Ostersonntag in de Krise

Ein Zeichen der Hoffnung: Ökumenisches Glockenläuten während der Coronakrise

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Läuten mit der Hand: Pfarrer Gerhard Braun und Iris Blum, Organistin und Kantorin der katholischen Gemeinde Mariä Namen in Gensungen.

Für das ökumenische Läuten wegen der Coronakrise greifen Pfarrer Gerhard Braun und Organistin Iris Blum gern zusätzlich zum Glockenseil.

Die kleine Glocke in der katholischen Kirche Mariae Namen in Gensungen ist eine der ganz wenigen Klangkörper in der Region, die noch per Hand geläutet werden.

Das 1759 gegossene Glöckchen, das im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden sollte, stimmt mit ein in das ökumenische Geläut. Damit sei ein Zeichen der Hoffnung überall zu hören, sagt der Prälat der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck, Bernd Böttner. In den meisten Kirchen wird ab 12 und 19.30 Uhr zusätzlich geläutet.

Erstmals zum 28. März hatte die Evangelische Kirche ihre Gemeinden dazu eingeladen, zusammen mit den katholischen Gemeinden in Hessen mit Glockengeläut ein starkes Zeichen in Zeiten der Krise zu setzen. An der Aktion beteiligen sich auch die Bistümer in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau.

Über das zusätzliche Läuten entscheiden grundsätzlich die Kirchenvorstände. „Das 12-Uhr-Läuten hat sich gut eingespielt“, sagt Pfarrer Dr. Volker Mantey. Es gebe Christen in der Gemeinde, die das zusätzliche Geläut „auch wirklich als besondere Unterbrechung des Alltags zum Gebet nutzen und dankbar dafür sind.“

Während in vielen Gemeinden täglich auch um 19.30 Uhr zusätzlich geläutet wird, ist dies in Spangenberg und zum Beispiel auch in Felsberg nur samstags der Fall. „Wir sollten im Hinblick auf die Läutezeiten schon darauf achten, dass das nicht inflationär wird und der Effekt verwässert“, sagt Mantey.

Durch das ökumenische Geläut ergeben sich auch neue Klangbilder. In Melsungen zum Beispiel, wo die Glocken der katholischen und evangelischen Kirche gemeinsam erklingen. Zum Gebet läuten im Zusammenhang mit Corona drei Glocken für fünf Minuten. Karfreitag und Karsamstag schweigen einem alten Brauch folgend die Glocken der katholischen Kirchen und auch in einigen evangelischen Kirchen wie Felsberg und Spangenberg. Ostersonntag-Mittag werden in Melsungen alle vier Glocken der katholischen Kirche erklingen, teilt Pfarrer Joseph N. Mabiala mit. In der Stadtkirche werden nach Angaben von Dekan Norbert Mecke die Glocken zwei und drei geläutet (vier gibt es), die sonst in dieser Kombination nicht vorkommen. Damit unterscheide sich das Geläut von dem vollen Geläut, mit dem zu Gottesdiensten eingeladen wird und dem Läuten, das um 8, 12 und 18 Uhr zum Innehalten und Gebet einlade. Neben den vielen digitalen Angeboten – zum Beispiel Gottesdiensten und Beiträgen auf den YouTube-Kanal des evangelischen Dekanats Melsungen – sei das Geläut eine gute und alte analoge Kontaktaufnahme, betont Dekan Norbert Mecke: „Es ist für Menschen je an dem Ort, an dem sie sind, und unabhängig von ihrer persönlichen Nähe zur Institution Kirche ein Zeichen: Die Einladung zum Gebet oder einfach zum Denken an die Kranken und die, die sie betreuen, oder um einfach einen Moment dankbar verbunden und gemeinsam allein zu sein.“

Viele Menschen lebten jetzt in Angst und Sorge, und wir stünden vor der Herausforderung, andere Wege zu finden, sagt Pfarrer Tobias Heiner aus Wollrode. Das ökumenische Geläut solle dazu beitragen, „dass wir im Gebet mit Gott verbunden sind und unter uns als Gemeinschaft – wir sind Gemeinde, auch wenn wir nicht zusammen kommen können“.

Das ökumenische Läuten sei ein hörbares Signal, „dass wir diese bedrängende Lebenserfahrung im Gebet vor Gott bringen dürfen“, betont Pfarrer Frithjof Tümmler aus Guxhagen.

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