Spendenkonto eingerichtet

"Es ging alles so rasend schnell": So geht es der Familie nach dem Großbrand in Felsberg

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Nach dem Brand in Felsberg: von links Nachbar Fritz Scheffer hat Martin, W olfgang und Gisela Kalsow bei sich aufgenommen. Im Hintergrund ist das Fachwerkhaus der Familie zu sehen, das am Samstag brannte. 

In der Felsberger Altstadt brannte am Samstag das Fachwerkhaus der Familie Kalsow. Mehr als 150 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Die Familie ist bei einem Nachbarn untergekommen. 

„Es ist einfach alles weg“, sagt Wolfgang Kalsow und wischt sich die Tränen von der Wange. Der 76-Jährige steht vor den Trümmern seines Wohnhauses, das am Samstag in Brand geriet. Das Haus in der Felsberger Altstadt ist nicht mehr bewohnbar und muss abgerissen werden, weil es einzustürzen droht.

Es war ein kleines nettes Fachwerkhäuschen an der Felsberger Stadtmauer. Jetzt ragen aus dem eingestürzten Dach des Hauses noch Überreste des Mobiliars. Ein Stück der blauen Tapete in dem Zimmer seines Sohnes, Martin Kalsow, ist noch leicht zu erkennen. Ansonsten gleicht das Familienhaus der Kalsows einer Ruine. Bei dem schweren Großbrand haben er und seine Familie binnen weniger Stunden ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Der Schock bei der Familie Kalsow sitzt tief.

Die meterhohen Flammen legten das alte Fachwerkhäuschen, das Wolfgang Kalsow im Jahr 1967 mit seinen Eltern kaufte, in Schutt und Asche. „Ich habe mein ganzes Leben dort verbracht – ich kann es noch immer nicht glauben“, erzählt Wolfgang Kalsow. Dort, wo jetzt in der ersten Etage die eingestürzten Lehmdecken liegen, schaute Wolfgang Kalsow noch bis kurz vor dem Brand eine Fernsehsendung.

Als der 76-Jährige am Montag, zwei Tage nach dem Brand, zu seinem Haus zurückkehrt, schaut er zum Himmel: Über dem Gebäude fliegen seine Tauben. „Sie sind auch verwirrt, wissen ja nicht wohin – es war ja auch ihr Heim, das jetzt weg ist“, sagt er.

Wolfgang Kalsow, seine Frau Gisela und Sohn Martin haben gerne an der Stadtmauer gelebt. Der Ausblick von seinem Balkon sei unbezahlbar gewesen. Und genau von diesem Balkon konnte sich der Rentner am Samstag gerade noch vor den Flammen retten. An seinem Kopf erlitt er aber Verbrennungen. „Gott sei dank, wir vier haben das Feuer unversehrt überstanden“, erzählt er. Auch die Freundin von Martin Kalsow war zum Zeitpunkt des Brandes im Haus. Martin Kalsow rief die Feuerwehr. „Danach ging alles so rasend schnell“, erzählt Martin Kalsow. Er und seine Freundin wurden in das Asklepios Klinikum Melsungen gebracht. 

Mit Hausschuhen sei der 32-Jährige durch Melsungen gelaufen, bevor es wieder mit dem Taxi nach Felsberg ging. Dieselben Schuhe trägt er noch heute, andere besitzt er nicht mehr. Wolfgang und Gisela Kalsow wurden mit den Krankenwagen ins Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist gebracht. Als Wolfgang Kalsow den Arzt fragte, ob er noch am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen werde, habe ihm dieser geantwortet: „Ja, sie können noch heute nach Hause.“ „Aber, was ist denn jetzt unser Zuhause? Das gibt es doch nicht mehr“, sagt Wolfgang Kalsow und wischt sich nochmals die Tränen weg.

Als er und seine Frau noch am selben Abend nach Felsberg fuhren, habe er seinen Augen kaum trauen können. Unter der dicken Rauchwolke, die über der Stadt schwebte, brannte ihr Haus nieder. „Wir hatten bis zuletzt geglaubt, dass wir noch etwas retten können“, sagt er.

Feuer zerstört Fachwerkhaus in Felsberger Altstadt

 © Helmut Wenderoth
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Zu später Stunde hat sein Nachbar Fritz Scheffer die Familie bei sich aufgenommen. Der 65-jährige Landwirt spricht von Glück, dass nicht noch viel Schlimmeres passiert sei. „Zum Glück wehte der Wind am Samstag Richtung Süd-Ost“, sagt er. Wäre der Wind aus der entgegengesetzten Richtung gekommen, hätte das Feuer womöglich auch schnell auf seine angrenzende Scheune übergegriffen. Für Fritz Scheffer sei es eine Selbstverständlichkeit, der Familie zu helfen. „Wenn unsere Gesellschaft das nicht mehr kann, gehen wir doch alle unter“, sagt er. Er gehe aber fest davon aus, dass das Ganze einen guten Abschluss nehme. Familie Kalsow ist für jegliche Art von Spenden dankbar. Die Stadt hat ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet. Für Sachspenden hat Iris Bächt von der Stadtverwaltung die Koordination übernommen. Solange noch keine Bedarfsliste veröffentlicht ist, können sich Spender per E-Mail informieren: iris.baecht@felsberg.de.

Spendenkonto: Kreissparkasse Schwalm-Eder; IBAN DE 17 520 521 540 030 000 301; Verwendungszweck: Spende-Hilfealtstadtbrand

Felsbergs Stadtbrandinspektor zum Feuer in der Altstadt

Der Brand in der Felsberger Altstadt zeige, wie schnell im schlimmsten Fall weitere Teile der Fachwerk-Altstadt hätten brennen können. Das sagt Felsbergs Stadtbrandinspektor Stefan Dippel. Das Problem bestehe aber nicht nur in Felsberg. Auch in Melsungen oder Spangenberg stellten die dicht bebauten Fachwerkhäuser eine Brandgefahr dar.

War bei dem Einsatz in der Feuerwehr dabei: Felsbergs Stadtbrandinspektor Stefan Dippel.

Der Brand am Samstag in Felsberg sei noch verhältnismäßig glimpflich ausgegangen. Der Abstand vom brennenden Haus der Kalsows zum Nachbargebäude beträgt etwa 1,20 Meter. Die Feuerwehr musste eine sogenannte Riegelstellung aufbauen, damit das Feuer nicht auf das Nachbargebäude überschlug. Dabei wird der Funkenflug durch massive Wasserstrahlen unterbrochen. „Bei einem Vollbrand in der Altstadt werden 1000 Liter Löschwasser pro Minute durch die Leitungen gefördert“, sagt Dippel. 

Bei einer Riegelstellung werden etwa 4000 Liter benötigt. Das sei ohne das Löschwasser aus dem Ernst-Schaake-Bad nicht möglich gewesen, erklärt Dippel. 1956 war das Bad als Löschwasserbehälter gebaut worden. Das Bad sei geografisch gut gelegen, da es direkt an der Altstadt und der Drei-Burgen-Schule liegt. Es war vor der Sanierung noch größer, der jetzige Inhalt reiche aber für eine größere Lage immer noch aus.

Die dichte Bebauung in einer Altstadt sei im Ernstfall immer ein großes Problem für die Einsatzkräfte der Feuerwehr. „Eine Riegelstellung ist bei manchen Gebäuden gar nicht möglich – der Abstand der Gebäude ist zu gering“, sagt Dippel.

Er appelliere deshalb an die Anwohner, dass die Zufahrten zu den Gebäuden durch die ohnehin engen Gassen immer freigehalten werden. Grundsätzlich sollen in allen Räumen Rauchmelder installiert werden. „Das ist leider noch immer nicht in allen Haushalten der Fall“, sagt Dippel. Und Brandgefahren sollen so gut wie möglich vermieden werden. Pappkartons, die gerne zur Lagerung von Gegenständen genutzt werden, beschleunigen einen Brand zusätzlich, sagt Dippel.

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