Interview mit Felsbergs Bürgermeister zur kommenden Wahl: „Die Sachen zu Ende bringen“

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Kandidiert zum dritten Mal für das Amt des Bürgermeisters in Felsberg: Volker Steinmetz (parteilos) ist seit 2008 Bürgermeister in der Drei-Burgen-Stadt.

In Felsberg steht am 27. Oktober die Bürgermeisterwahl an. Der amtierende Bürgermeister Volker Steinmetz (parteilos) ist der einzige Kandidat für das Amt. Wir sprachen mit ihm.

Herr Steinmetz, 2013 gab es massive Kritik an Ihrer Person – insbesondere von den Parteien, die einen gemeinsamen Gegenkandidaten gestellt hatten. Die Arbeit mit den Fraktionen gestaltete sich entsprechend schwierig. Hat sich die Situation im Parlament entspannt?

Ich habe schon das Gefühl, dass ich jetzt mehr Rückhalt durch die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung erhalte. Das sieht man auch daran, dass die meisten Beschlüsse in der Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen werden. Ich werde auch weiterhin an meinem Prinzip festhalten und mit den Willigen beginnen. Sprich: Auf alle Parteien zugehen.

Genau das wurde damals bemängelt – dass es nur wenig Gesprächsbereitschaft Ihrerseits gäbe.

Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Bürgern, der Kommunalpolitik und der Rathausverwaltung – da ist Gesprächsbereitschaft eine wichtige Voraussetzung für abgewogene Entscheidungen. Ich glaube, dass ich das auch in der Vergangenheit eingebracht habe. Die Atmosphäre hat sich jedoch in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Zumindest spüre ich viel weniger Widerstand. Ich lade auch nach wie vor zu interfraktionellen Gesprächen ein und das regelmäßig.

Sie spüren weniger Widerstand. Trotzdem hat es Sie dann überrascht, dass es keinen Gegenkandidaten gibt.

Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, der einzige Kandidat zu sein. Was in erster Linie aber nicht viel zu sagen hat. Denn gerade in einer so schweren Phase der Demokratie, die bundesweit insbesondere durch den rechten Populismus zu beobachten ist, gewinnt die Kommunalpolitik an Relevanz hinzu. Dass die Bürger in Felsberg keine Wahl zwischen mir und einer Alternative haben, finde auch ich schade. Ein Gegenkandidat kann auch das eigene Profil mehr schärfen und ohne läuft man auch Gefahr, dass die Wahlbeteiligung generell sinkt. Deshalb darf ich mich nicht ausruhen, sondern muss weiter aktiv Wahlwerbung betreiben.

Wie soll die aussehen?

Ein zentraler Bestandteil werden die Bürgertreffs sein. Insbesondere mit den Menschen in den Stadtteilen möchte ich ins Gespräch kommen und ihre Anliegen anhören, um die nächsten Jahre gemeinsam zu gestalten. Insbesondere auf den Dörfern möchte ich eine bessere Vernetzung vorantreiben. Das wäre ein Schwerpunkt für die kommenden Jahre.

Was sind die anderen Themen?

Ich möchte für ein gutes Klima in Felsberg sorgen – und das auch im wahrsten Sinne. Der Klimaschutz liegt mir persönlich am Herzen. Wir müssen sehen, aus welchen Quellen wir Energie erzeugen und welche Alternativen es gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Felsberg auch Car-Sharing geben wird. Der ÖPNV muss verbessert werden und der Rad- und Fußverkehr ausgebaut werden, vieles davon ist schon auf einem guten Weg. Zudem will ich die Stadtentwicklung vorantreiben – eine enge Zusammenarbeit mit der neu gegründeten Stadtentwicklungsgesellschaft ist da unausweichlich. Mit Blick auf die Arztsituation kann ich mir auch langfristig ein Ärztehaus vorstellen. Die Ansiedlung von neuen Unternehmen muss weiter unterstützt werden.

Vieles ist schon im Werden?

Ja, beispielsweise der Ausbau des Radweges R 12 zwischen Böddiger und Niedervorschütz. Auch die Bauarbeiten für die Ortsumgehung beginnen und haben einen Stein ins Rollen gebracht. Hier sehe ich eine große Chance für Felsberg und insbesondere für unsere Felsberger Altstadt.

Die Ortsumgehung ist seit vielen Jahrzehnten Thema. 2013 war sie auch Wahlkampfthema, wie auch die Haushaltkonsolidierung. Da hat sich aber nicht so viel getan ...

Der Schuldenstand in Felsberg liegt derzeit bei knapp 35 Millionen Euro. Pro Kopf sind das rund 3200 Euro. Wir müssen zur Erfüllung vieler auch gesetzlicher Auflagen weiter investieren. Wir sind dabei zwingend auf die Unterstützung von Bund und Land angewiesen. Es ist aber dennoch schwer, den Schuldenstand zurückzufahren. Denn in Anbetracht des derzeitigen Betreuungsbedarfes für unsere Kinder, benötigen wir Personal und zusätzliche Räumlichkeiten, um auch in Zukunft als Stadt attraktiv zu bleiben. Wir haben eine Übergangsgruppe im DGH Altenburg neu eingerichtet, in Böddiger kommen ein Anbau für Kinder unter drei Jahren und ein Waldkindergarten hinzu – da benötigen wir Geld.

Die Rathaussanierung und der Kauf des Bahnhofes sind aus Sicht vieler Bürger aber eine Fehlinvestition gewesen.

Das kann ich nicht ganz bestätigen. Ich hätte den Bahnhof zu einem späteren Zeitpunkt erworben. Beides waren jedoch Entscheidungen, die in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen beziehungsweise von den Gremien empfohlen wurden. Der ehemalige Bahnhof ist jetzt auch mit Fördergeld zukunftsfähig saniert und ausgebaut worden. Er dient jetzt als Begegnungsstätte für Menschen, egal welchen Alters oder Herkunft.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre nächste Amtszeit, sofern sie in ihrem Amt bestätigt werden?

Ich verstehe Felsberg als aktive Bürgerkommune. Gemeinsam haben wir in den vergangenen Jahren vieles auf den Weg gebracht, wie beispielsweise die Ortsumgehung. Das möchte ich auch weiter voranbringen.

Zur Person 

Volker Steinmetz ist 1968 in Unshausen geboren. Steinmetz studierte Forstwirtschaft in Göttingen und arbeitete dann als Verwaltungsleiter bei der Naturschutz-Akademie Hessen in Wetzlar. Danach war er bei der Landesbetriebsleitung Hessen-Forst in Kassel unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit und Naturschutz zuständig. 2008 wurde Steinmetz zum Bürgermeister von Felsberg gewählt. Steinmetz ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in Beuern.

 

Dienstag, 8. Oktober, 19 Uhr, DGH Beuern; Mittwoch, 9. Oktober, 19 Uhr, DGH Hesserode; Donnerstag, 10. Oktober 19 Uhr DGH Hesslar; Freitag, 11. Oktober, 18 Uhr, Altenburg, Gruppenraum; Mittwoch, 16. Oktober, 19 Uhr, DGH Rhünda; Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr, Gensungen, Alter Bahnhof; Freitag, 18. Oktober 20 Uhr, Böddiger, Jugendraum; Dienstag, 22. Oktober, 19 Uhr, Hilgershausen, DGH; Mittwoch, 23.Oktober, 19 Uhr, Helmshausen, ehemaliger Jugendraum; Freitag, 25. Oktober, 19 Uhr, Felsberg, Mehrgenerationenhaus.

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