Ungewöhnlicher Fund bei Gartenarbeit

Jüdisches Ritualbad in Felsberg soll ein Dach bekommen

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Überraschung im Garten: Das ehemalige jüdische Ritualbad entdeckte Wolfgang Eitel – vorn links – im Jahre 2004 in seinem Garten. Er legte das Tauchbecken frei. Stadt- und Burgführer Hans Poth, vorne rechts, erläutert bei Führungen die Bedeutung der jüdischen Gemeinde sowie der Mikwen. Im Bild Mitglieder des Bezirks-Landfrauenvereins Melsungen. 

Felsberg. Die wertvollen Reste der ehemaligen Mikwe – das ist ein jüdisches Ritualbad – an der Untergasse in Felsberg sollen durch ein Dach auf Dauer geschützt werden.

Das ist nach Recherchen der HNA Wunsch der Landes-Denkmalpflege und der Stadt Felsberg.

Wolfgang Eitel (78) hatte das ehemalige jüdische Ritualbad im Jahre 2004 freigelegt. Die Finanzierung des Daches ist noch offen. „Wenn wir ein hochkarätiges Kulturgut retten, wäre es möglich, Geld vom Land zu beantragen”, sagte auf Anfrage Professor Dr. Peer Zietz, der für den Schwalm-Eder-Kreis zuständige Bezirkskonservator des Landesamtes für Denkmalpflege.

Die Vorgeschichte

Drei Tage hatte der Rentner Wolfgang Eitel im Jahre 2004 im Garten hinter seinem Haus geschippt. Eigentlich wollte er nur einen Baum pflanzen. Dann stieß er auf Sandsteine. Das machte ihn neugierig. Eimerweise trug er die Erde zu drei Containern. Dann war in seinem Garten die Mikwe freigelegt. Eine Treppe führt hinunter in das Tauchbecken, in dem sich die Jüdinnen dem Ritus entsprechend einmal im Monat reinigen lassen mussten. Nachdem alle Juden wegen des Hitlerregimes Felsberg verlassen hatten, ist die Mikwe zugeschüttet worden.

Dank Eitels Einsatzes wurde sie wieder freigelegt. Zietz setzte sich damals mit der Gießener Fachfrau für neuere jüdische Geschichte und Verfasserin des Buches „Das jüdische Rituelle Tauchbad”, Thea Altaras, in Verbindung, und befand: „Thea Altaras hält es für einen bedeutenden Fund, zumal es das zweite Tauchbad in Felsberg ist.“ Inzwischen fand man in einem Hauskeller an der Obergasse 11 eine dritte Mikwe.

Denkmalschutzpreis

Im Lauf des Jahres sollte damals der Fund mit einem Dach geschützt werden. Eitel erhielt 2005 den – nicht mit Geld dotierten – Hessischen Denkmalschutzpreis. Danach, sagt er heute, „habe ich nie wieder etwas gehört“. Er selbst könne das Dach nicht finanzieren. Er habe damals alles selbst erledigt, die Stadt habe lediglich einen Container zur Verfügung gestellt.

Das Thema war vergessen. Auf HNA-Anfrage sagt Bezirkskonservator Zietz jetzt: „Die Felsberger Mikwe ist ein wichtiges Zeugnis der Felsberger Stadtgeschichte mit hohem Seltenheitswert.“ Um die Mikwe zu schützen wäre ein Dach gut.

„Wir wollen das gern unterstützen“, sagte auf Nachfrage Bürgermeister Volker Steinmetz. Und: „Dieses Denkmal ist kulturhistorisch wertvoll und muss geschützt werden.“ „Wenn alles passt, könnte man die Arbeiten 2019 ausführen“, ist Prof. Zietz optimistisch.

Stadtführungen

Sechs- bis achtmal im Jahr sind die 1820 erbaute Mikwe in der Altstadt, die beiden anderen ehemaligen Ritualbäder, die Synagoge und der jüdische Friedhof Stationen der Stadt- und Burgführungen von Hans Poth.

Das rituelle Tauchbad sei ein wichtiger Bestandteil jüdischer Reinigungsgesetze. „Das Wasser muss lebendiges, fließendes Wasser sei, so kommt nur Quell-, Grund- und gesammeltes Regenwasser in Frage“, erläutert Poth. Und: „Das Wasser dient nicht der Hygiene, sondern der Reinigung von ritueller Unreinheit durch rituelles Untertauchen.“ Die besondere Bedeutung der Mikwe an der Untergasse liege darin, dass nur noch wenige Anlagen in Hessen in solch einem guten Erhaltungszustand seien. War eine Stadt Standort eines Mikwebades, zeugte das von einer höheren Zahl jüdischer Bewohner.

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