Häuser würden sich nicht rechnen

Stadt Felsberg will Gemeinschaftshäuser schließen: Kritik von Ortsvorstehern

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Die Ortsvorsteher üben Kritik am Plan der Stadt Felsberg, Dorfgemeinschaftshäuser zu schließen.

Felsberg. Sieben Dorfgemeinschaftshäuser könnten in Zukunft schließen, wenn es nach der Stadt Felsberg geht. Der Hauptgrund: Sie würden sich nicht rechnen. Das stößt auf Kritik.

Altenbrunslar, Altenburg, Böddiger, Lohre, Melgershausen, Hesserode und Neuenbrunslar. In diesen Orten könnte es bald kein Dorfgemeinschaftshaus mehr geben. Das geht aus dem DGH-Konzept hervor, welches seit Anfang März in Umlauf ist.

Vorangegangen ist dem Konzept ein Beschluss der Stadtverordneten vom 22. Februar 2018, in dem der Magistrat damit beauftragt wurde, ein Investitionsprogramm für die Unterhaltung der DGH zu erarbeiten. Stattdessen hat die Stadtverwaltung einen 31 Seiten langen „Konzeptentwurf zur Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser“ erstellt.

„Es ist nur ein Entwurf, eine Diskussionsgrundlage“, sagt Bürgermeister Volker Steinmetz. Dieser aber zeigt auf, wo aus ökonomischer Sicht kein Dorfgemeinschaftshaus mehr gebraucht wird. Und er stößt auf Gegenwind.

Die Felsberger bangen nun um ihre Gebäude. Zudem werfen die Ortsvorsteher dem Bürgermeister vor, nicht rechtzeitig über die Pläne informiert worden zu sein und ohne Absprache mit der Politik Schließungen in Erwägung zu ziehen. Tatsächlich hat die Stadtverwaltung erst Fragebögen an die Einwohner Felsbergs herausgegeben und danach die Ortsbeiräte informiert. Der Magistrat wurde informiert, habe aber laut Steinmetz keine Stellungnahme dazu abgegeben.

Abgestoßen, also verkauft oder sogar abgerissen werden sollen die Gebäude, die laut der Belegungsbücher „am wenigsten ausgelastet“ sind und zugleich den „aufwändigsten Sanierungsbedarf“ haben. Ein Stadtteil, dessen Haus geschlossen wird, soll sich mit anderen Orten zusammentun und sich als Versorgungsbezirk auf ein „zukunftsfähiges“ DGH konzentrieren, das saniert und modernisiert werde, so Steinmetz.

„Die Daseinsberechtigung eines Gemeinschaftshauses nur von seinen Belegungszahlen abhängig zu machen, ist falsch“, sagt der Sprecher der Ortsvorsteher, Bernd Steller auf HNA-Anfrage – handle es sich dabei doch um den „einzig verbliebenen Raum, der für das gemeinschaftliche Zusammenleben und die Kommunikation geblieben“ ist. Statt eines Schließungskonzepts müsse es ein Nutzungskonzept geben.

Bernd Steller, Sprecher der Ortsvorsteher

Darüber waren sich die Ortsvorsteher bei ihrer Sitzung Ende März einig, die das Konzept mehrheitlich ablehnten.

Bernd Steller geht sogar so weit, dass er im Falle der DGH-Schließung eine Schwächung der Vereine prognostiziert: Ein Seniorennachmittag im Nachbarort sei nicht zu realisieren und der Feuerwehr würden die Mitglieder wegbleiben, wenn der teambildende Austausch mit Wein oder Bier nach einer Sitzung wegfällt, weil man mit dem Auto nachhause fahren muss.

„Ich will ein aktives Vereinsleben“, beteuert Steinmetz. Man müsse im Einzelfall prüfen, wie wichtig eine Veranstaltung wie etwa der Seniorennachmittag sei und ob dieser das Weiterbestehen des DGH rechtfertige. Er setzt darauf, dass die Fragebögen, die an die Haushalte verteilt wurden, derartige Hinweise beinhalten. Es seien bereits einige Bögen zurückgekommen – zum Inhalt wolle er sich nicht äußern.

Bislang habe sich niemand bei ihm gemeldet, der Interesse an einem der DGH bekundet oder eine alternative Nutzung vorschlägt. Einzig für Hesserode habe es einen Vorschlag gegeben: „Es hieß, man könnte doch den Nebenraum des DGH gewerblich nutzen. Das finde ich einen konstruktiven Vorschlag, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu verbessern“.

Stadt Felsberg: Gebäude sind zu teuer

Auch ein selten genutztes Gebäude müsse instand gehalten werden. Das koste Geld, begründet Bürgermeister Steinmetz. Von mehreren Facheinrichtungen habe man den Hinweis bekommen, auf die Kosten zu achten. In den letzten Jahren habe es zudem eine Steigerung der Ansprüche an die DGH gegeben, etwa bezüglich der Nutzung. Im aktuellen Haushalt 2019 seien 354 000 Euro für die DGH veranschlagt – bei einem Ertrag von geschätzten 60 000 Euro blieben dann noch 308 000 Euro übrig. Ein Betrag, der je nach Bauunterhaltung starken Schwankungen unterliege, so Steinmetz.

Das sagen die Ortsvorsteher

„Wir sehen nicht ein, dass unser DGH geschlossen wird“, sagt Günter Sippel, Ortsvorsteher von Altenbrunslar. Man habe eine gute Auslastung, besonders weil es keine alternativen Treffpunkte wie Gaststätten mehr gebe. Die Unkosten seien „hochgegriffen“, diese Summe könne unmöglich stimmen. Dass das Haus nicht barrierefrei ist, wüssten die Leute und würden sich arrangieren. Auch Bärbel McEnaney (Ortsvorsteherin Hesserode) bewertet die Berechnungen der Stadt zur Wirtschaftlichkeit als nicht nachvollziehbar. 

Ein DGH-Konzept müsse „auf der Basis sozioökonomischer Analysen“ erstellt werden. Jedes Dorf brauche einen gemeinschaftlich nutzbaren öffentlichen Raum, sagt sie im Gespräch mit der HNA. Auch in Hesserode gäbe es keine Alternative zum DGH. „Ein DGH-Konzept ist toll, sollte aber nicht die Schließung zur Folge haben“, sagt Markus Steinbach, Ortsvorsteher Melgershausen. Kein Schwimmbad, keine Bücherei, kein Museum sei kostendeckend. Darum gehe es auch nicht. Ein DGH könne man nicht betriebswirtschaftlich betrachten. Nicht zuletzt würden die Jugendlichen unter der Schließung leiden: „Sieht so die künftige Jugendarbeit der Stadt Felsberg aus: Treffen an der Bushaltestelle (...)?“, so Steinbach.

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