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Felsberger Gebäude war 1938 von Nationalsozialisten zerstört worden

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Von: Manfred Schaake

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Feierliche Prozession: Vor dem Festakt in der Synagoge zog die jüdische Gemeinde mit den Torarollen vom Ratskeller in das renovierte Gebäude an der Ritterstraße.
Feierliche Prozession: Vor dem Festakt in der Synagoge zog die jüdische Gemeinde mit den Torarollen vom Ratskeller in das renovierte Gebäude an der Ritterstraße. © Manfred Schaake

Die sanierte Felsberger Synagoge ist mit einem Festakt eingeweiht worden.

Felsberg – Eine „weltliche Einweihung“ mit Unterstützern und Politikern soll später stattfinden. Eingeladen hatten die jüdisch liberale Gemeinde Region Kassel Emet we Shalom – Wahrheit und Frieden – , der Verein zur Rettung der Synagoge und der Freundeskreis der Jüdischen liberalen Gemeinde Felsberg.

Die am 8. November 1938 von Nationalsozialisten innen zerstörte Synagoge wurde für 1,3 Millionen saniert. Sie sieht nun aus wie davor.

„Ich bin überwältigt“, sagte Sarah-Elisa Krasnov, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Sie sprach von einem Glücksfall, „dass es hier wieder jüdisches Leben gibt“. Sie erinnerte daran, dass die am 14. Oktober 1847 eingeweihte Synagoge 100 Plätze für Männer und 80 auf der Frauenempore hatte. Um 1900 sei der Höhepunkt der jüdischen Gemeinde gewesen. Es gab Schulen, Mikwen und einen Friedhof. 1932 habe die rechtsradikale Stimmung begonnen, am 8. November 1938 sei die Synagoge verwüstet worden, 15 Torarollen seien verschollen. „Zum Glück ist das Gebäude nicht angezündet worden – die gesamte Altstadt hätte Feuer fangen können.“

2016, sagte die Vorsitzende, wurde in der ehemaligen Gaststätte der erste Gottesdienst gefeiert. „Nicht wenige“ hätten es für unmöglich gehalten, aus dem Haus wieder eine Synagoge zu machen. Zu verdanken sei das vor allem Annette und Christopher Willing. Krasnov sprach auch von Geldspenden „aus der ganzen Welt“.

Felsberger Gemeinde möchte Beitrag zum Frieden leisten

Man habe die Synagoge auf ein verlässliches, gesellschaftliches Fundament gestellt, „das wunderbar auf dem fast 200 Jahre alten Fundament aufbaut“. Die Gemeinde sei klein, „aber mit dem Gotteshaus können wir wachsen“. Die Gemeinde möchte ihren Beitrag zum Frieden und Austausch leisten, sagte die Vorsitzende.

„Mögen die Türen des Hauses immer offenstehen für Menschen in Not“, sagte Kantorin Annette Willing. „Möge das Haus Frieden verbreiten.“

Nach der Sanierung hat die von 1842 bis 1847 erbaute Synagoge an der Ritterstraße wieder die ursprüngliche Sandsteinfassade und den Raum mit Empore. Sie verfügt über moderne Veranstaltungstechnik und ermöglicht eine flexible Nutzung, so die Gemeinde Emet we Schalom. Auf der Empore befinden sich die Benjamin-Bahr-Bibliothek und das regionale Archiv. An diesem Ort lebe die Gemeinde ein egalitäres Judentum. Gegründet 1995, stehe sie für Offenheit und Diversität und verbinde Tradition mit der Moderne.

Die Gottesdienste sind auf Hebräisch, Deutsch und Englisch. „Unsere Mitglieder haben ihre Wurzeln in Deutschland, Israel, Ukraine, Ungarn, und den USA und sind überwiegend in Nordhessen zu Hause“, heißt von der Gemeinde. Geboten werden unter anderem Gottesdienste zu Schabbat und jüdischen Feiertagen, Religionsunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Unterstützung bei der Statuserklärung durch die Allgemeine Rabbinerkonferenz, ein außerschulischer Lernort und interreligiöser Austausch.

Die Felsberger Synagoge sei das Zentrum der Gemeinde und ein Ort jüdischen Lebens und Lernens. Schulklassen und Gruppen können laut der Gemeinde modernes jüdisches Leben an einem geschichtsträchtigen Ort kennenlernen. Ein Tablet-Klassensatz ermögliche multimediales Lernen. Unterstützt werde die Gemeinde vom Freundeskreis und dem Verein zur Rettung der Synagoge. Bei Konzerten mit jüdischen Musikern, dem Zünden der Hannukahkerzen, dem Mitzvah-Day und anderen Veranstaltungen werde jüdische Kultur erlebbar.

Kontakt: Christopher Willing, Tel. 0 56 62/93 07 49, E-Mail: emetweschalom@gmx.de und synagogue-center.org

(Manfred Schaake)

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