1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Felsberg (Hessen)

Felsberger Ortsbeiräte kritisieren Haushaltsplanung der Stadt

Erstellt:

Von: William-Samir Abu El-Qumssan

Kommentare

Sollen dringend erneuert werden: die Stühle im Wolfershäuser DGH. Ortsvorsteher Otto Gerhold bemüht sich darum seit fünf Jahren – ohne Erfolg.
Sollen dringend erneuert werden: die Stühle im Wolfershäuser DGH. Ortsvorsteher Otto Gerhold bemüht sich darum seit fünf Jahren – ohne Erfolg. © William Abu El-Qumssan

Die Felsberger Ortsbeiräte sind frustriert. Immer wieder müssen sie zittern, ob ihre Anliegen im Haushalt der Stadt berücksichtigt werden.

Felsberg – Einige Felsberger Ortsbeiräte warten seit vielen Jahren auf Investitionen in ihre Stadtteile. Investitionen, die sie schon mehrfach für den Haushaltsplan der Stadt angemeldet haben. Doch viele der angemeldeten Ausbesserungen oder Anschaffungen werden nicht realisiert, so die übereinstimmende Kritik.

Ein Beispiel sind die Stühle im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Wolfershausen. Ortsvorsteher Otto Gerhold sagt gegenüber unserer Zeitung, dass es diese Anschaffung seit fünf Jahren nicht mal auf den Haushaltsplan schafft, trotz hoher Dringlichkeit. „Ich schäme mich“, sagt Gerhold aufgebracht zur Bestuhlung im DGH.

Von 250 Stühlen, die mittlerweile 35 Jahre als sind, seien 13 bereits kaputt gegangen. „Die Polster sind total versifft“, sagt Gerhold. Und an den abgesplitterten Kanten der Holzlehnen sei schon die ein oder andere Bluse eingerissen.

Wolfershausen braucht Geld für neue Stühle

Das sei für Hochzeitsfeiern und andere Feste nicht angemessen. „Und wir wollen nicht mal viel, nur die Grundausstattung.“ 32.000 Euro würden 250 neue Stühle kosten, etwa 47.000 Euro wären nötig, falls noch 50 neue Tische dazu kommen sollen. Darauf könne Gerhold aber auch erstmal verzichten.

„Unser DGH hat nach dem Bürgersaal in Felsberg die höchste Auslastung für große Feiern in der Stadt“, sagt der Ortsvorsteher. Das DGH war in 760 Stunden ehrenamtlicher Arbeit vor drei Jahren fertig saniert worden. Seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren kämpfe Gerhold für die neue Bestuhlung, die ausbleibenden Ergebnisse und Vertröstungen der Stadt seien entmutigend. Die Großprojekte der Stadt, wie Bahnhof, Rathaus und jetzt die Kita, würden für Belange der Ortsbeiräte kaum Raum lassen.

Gensungens Ortsvorsteherin Heidi Folwerk beschreibt das Gefühl der Ortsbeiräte so: „Wir bibbern und haben Schweiß auf der Stirn, ob unsere Anmeldungen es in den Haushalt schaffen.“ Manche Dinge würde es zwar dann auch schaffen, würden dann aber nicht umgesetzt, nennt Folwerk einen weiteren Vorwurf.

Gensungens Ortsvorsteherin: „Wir stehen im luftleeren Raum“

„Wenn etwas in dem Jahr nicht umgesetzt wird, in dem es im Haushalt eingeplant ist, wandert es ins nächste Jahr“, erklärt Folwerk. Im Jahr darauf würde es dann einfach verfallen. „Und dann fangen wir wieder von vorne an. Wir stehen im luftleeren Raum.“

Diese Schilderungen bestätigt Kai Herrig, Sprecher der Felsberger Ortsvorsteher und Ortsvorsteher in Niedervorschütz. Die genannten Vorwürfe seien auch das generelle Bild bei einer Ortsvorstehersitzung im November gewesen. „Wenn etwas aus dem Haushalt gestrichen werden muss, trifft es meistens die Stadtteile“, sagt Herrig. Außerdem bemängelt er die Kommunikation der Stadt. „Die Ortsbeiräte ackern, um Fristen einzuhalten, und dann hören wir ein Jahr nichts zu unserem Anliegen.“

Er verstehe aber auch, dass die Haushaltslage in Felsberg nicht gut sei. Und das Ortsbeiratsbudget sorge für etwas Entlastung. Dieses Budget beläuft sich laut Bürgermeister Volker Steinmetz auf einen Sockelbetrag von 500 Euro pro Stadtteil, zusätzlich kommen 1,5 Euro pro Einwohner des Stadtteils dazu.

Felsbergs Bürgermeister versteht den Unmut der Ortsbeiräte

Steinmetz kann den Unmut der Ortsvorsteher nachvollziehen. „Alle Anmeldungen der Ortsbeiräte sind absolut berechtigt“, sagt er auf Anfrage. Auch er wünsche sich eine schnellere Umsetzung der Anliegen aus den Ortsbeiräten. „Doch die Liste ist viel länger als das, was möglich ist“, gibt er zu bedenken. Außerdem würden sich Situationen ändern, die Anpassungen im Haushalt fordern.

Steinmetz verweist auch auf die eingeschränkten Kapazitäten der Stadt, sich der Anliegen anzunehmen: „Manche Dinge schafft die Verwaltung einfach nicht.“ Besonders das Bauamt der Stadt sei für die Anliegen der Ortsbeiräte stark eingebunden. „Straßen, Spielplätze, Reparaturen – das fällt alles in die Hände des Bauamtes“, sagt Steinmetz. Wenn wesentlich mehr Anschaffungen in den Stadtteilen umgesetzt werden sollen, bleibe nur eine Steuererhöhung. (William Abu El-Qumssan)

Auch interessant

Kommentare