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Felsberger produziert Video über NS-Widerstandskämpfer

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Von: Manfred Schaake

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Eine Premiere: Ragnar Heil hat ein Video über den Widerstandskämpfer Egbert Hayessen produziert.
Eine Premiere: Ragnar Heil hat ein Video über den Widerstandskämpfer Egbert Hayessen produziert. © Manfred Schaake

Ragnar Heil hat ein Video über den Widerstandskämpfer Egbert Hayessen (1913-1944) produziert und ins Netz gestellt. Der 48-jährige Felsberger möchte mit diesem Video aufrütteln, einen Beitrag gegen das Vergessen leisten und vor allem jungen Menschen das Thema Widerstand im Dritten Reich vermitteln.

Gensungen/Felsberg - Operation Walküre – das Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944. Das ist der Oberbegriff des Videos, das es bisher nur in englischer Sprache gibt und in wenigen Tagen schon mehr als 2000 mal aufgerufen wurde.

Der in Felsberg aufgewachsene Vater von drei Kindern ist Sales-Manager bei einer amerikanischen Software-Firma. Während der Teilnahme an einem Video-Kurs sollte man eine „Geschichte erzählen“, erläutert Heil die Aufgabe. Und da sei er auf die Idee gekommen, „etwas Spannendes“ zu machen. Dass Menschen ihr Leben auf Spiel setzen gegen den Tyrannen Adolf Hitler – das hatte ihn vorher schon bewegt. Und so entschied er, wegen des Bezugs zu Gensungen und Felsberg ein Video über Egbert Hayessen zu produzieren. Einen Teil drehte er auf der Domäne Mittelhof und am Bahnhof Gensungen.

Auf dem Mittelhof wuchs Hayessen auf, auf dem Bahnhof verabschiedete er sich im Sommer 1944 von seiner Frau und seinen Kindern – es sollte ein Abschied für immer sein. Seit 15. August 2021 erinnert am Bahnhof eine Stele an den Mann, „der aus freiem Selbst im Sommer 1944 von hier aufbrach, die Tyrannei zu beenden“. Die Nationalsozialisten hatten Hayessen am 15. August 1944 nach dem Todesurteil durch den Volksgerichtshof in Plötzensee erhängt. Das Video zeigt auch Auszüge aus der Vernehmung Hayessens vor dem Gericht.

Hayessens Familie war vollkommen ahnungslos

Der Hauptteil des Videos ist ein Interview Heils mit Dr. Dieter Vaupel. Der frühere Leiter der Drei-Burgen-Schule ist ein profunder Kenner der nordhessischen jüdischen Geschichte und hat unter anderem das Buch „Egbert Hayessen – Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und seine Familie“ (Schüren-Verlag) geschrieben. In dem Interview geht es unter anderem um die Frage, ob die Familie bei Hayessens Abreise in Gensungen etwas davon wusste, dass er sich der Operation Walküre angeschlossen hatte. Die Antwort: „Die Familie war völlig ahnungslos und fassungslos, als sie in den Nachrichten von Hayessens Verhaftung nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hörte.“

Die Frage, wie seine Verwandlung vom Major im Oberkommando des Heeres zum Widerstandskämpfer zustande kam, erklärt der Fachmann Vaupel so: „Einen wichtigen Einfluss haben offensichtlich die vielen Gespräche mit seinem Vater gehabt, der kritisch zu den Nazis stand und auch öffentlich die Judenpolitik kritisierrte. Zum anderen lernte er Clauss von Stauffenberg 1942 in Afrika kennen, von dem er sicher wichtige Impulse bekommen hat, die ihn zum Nachdenken brachten.“

Zeitdokument: Egbert Hayessen mit seiner Frau Margarete im Buch von Dieter Vaupel.
Zeitdokument: Egbert Hayessen mit seiner Frau Margarete im Buch von Dieter Vaupel. © Repro: Manfred Schaake

Auf die Frage Heils, welche Geschichten Vaupel im Gespräch mit den Söhnen Hayessens am meisten beeindruckt haben, heißt es in dem Video: Nach Hayessens Verhaftung wurden die beiden Söhne wie die Kinder Stauffenbergs von ihrer Mutter isoliert und in ein Kinderheim in Bad Sachsa gebracht. Der zweijährige Hayo litt besonders unter der Trennung und der Behandlung im Kinderheim. Er kam traumatisiert zurück und war Jahre später immer noch völlig verstört, wenn er jemanden in Uniform sah. Der jüngere Sohn Volker konnte lange nicht verstehen, warum sich sein Vater für den Widerstand und gegen die Familie entschieden hatte. Er hat ihn erst verstanden, als er die Filmaufnahmen vom Prozess gegen ihn gesehen hat. Wie er dort vor Freisler um sein Leben kämpft, das hat ihn beeindruckt. Heute ist er stolz auf das, was sein Vater getan hat, aber als Kind konnte er das nicht verstehen.

Hayessen in den USA

„Es gibt weltweit kein Video über Hayessen“, sagt Ragnar Heil. Nun soll sein Video Hayessens über die Grenzen hinaus in den USA bekannt machen. „Der Film über Stauffenberg hat dort eine große Resonanz, und Hayessens Lebensgeschichte ist so bewegend, dass sich viele Amerikaner davon angesprochen fühlen“, so Dieter Vaupel. Eine Version in Deutsch wäre für Schulen interessant. Zusammen mit dem Offenen Kanal Kassel gibt es Filmprojekte zum jüdischen Leben in Felsbeg und über Blanka Pudler, die 15-jährig Zwangsarbeit leisten musste. 

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