Das Haus stand schon vor dem 30-jährigen Krieg

Felsberger Synagogen-Verein trennt sich vom Robert-Weinstein-Haus

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Sanierungsbedürftig: Das Fachwerkhaus in der Felsberger Obergasse.

Felsberg. Das Fachwerkhaus in der Felsberger Obergasse ist im katastrophalem Zustand und sollte eigentlich saniert werden. 

Der Verein zur Rettung der Synagoge in Felsberg trennt sich vom Robert-Weinstein-Haus an der Obergasse. Der Verein kann das ursprüngliche Vorhaben, das Haus zu sanieren und gemeinsam mit der Synagoge zu einem Zentrum für den interkulturellen und interreligiösen Dialog auszubauen, finanziell nicht verwirklichen. 

Mehrheitlich haben die Vereinsmitglieder beschlossen, das Weinstein-Haus „an einen noch zu gründenden Verein“ zu verschenken. Diesen Antrag hatte Christopher Willing, der wiedergewählte Vorsitzende des Vereins zur Rettung der Synagoge, gestellt.

Das Fachwerkhaus an der Obergasse 29 war dem Verein von der Familie Hentschker übertragen worden – siehe Hintergrund. Eigentlich hätte die Sanierung bereits im Vorjahr beginnen sollen. Ziel ist, dort ein Kulturzentrum einzurichten. 

Im Vorjahr hieß es seitens des Vereins, die Sanierungskosten hätten sich von 380.000 auf 480.000 Euro erhöht. „Wir wollen uns nicht in die Bredouille bringen“, hatte ein damaliges Vorstandsmitglied erklärt.

In der jüngsten Versammlung sagte Willing, die Finanzierung durch Fördergeld sei geplatzt. Deshalb wolle man das Gebäude „aus dem Verein rauslösen“.

Das Gebäude sei in einem katastrophalen Zustand, bemängelte ein Mitglied: „Warum wurde das als Geschenk angenommen?“ Auch der Plan, das Haus nun weiterzuverschenken, wurde von einem Mitglied kritisiert: „Man kann doch nichts verschenken, was marode ist. Man hat ein faules Ei bekommen, und damit müssen wir jetzt umgehen.“

Stolpersteine: Vor dem Haus Obergasse 39 erinnern die Namen Isaak, Siegmund und Malchen Kruck an die früheren jüdischen Bewohner dieses Hauses.

Nach Auskunft des Architekten sei keine Gefahr im Verzug, erklärte Vorsitzender Willing vor den Vereinsmitgliedern. Laut Stiftungsurkunde darf das Gebäude nicht verkauft werden.

Zur Zukunft des Gebäudes sagte Willing auf Anfrage der HNA: „Wir wünschen uns eine Nutzung als Seminarhaus und Jugend-Gästehaus. Wir haben auch konkrete Planungen, wer als Partner gewonnen werden soll.“ Er sei, so Willing, mit verschiedenen Menschen im Kontakt, die den Verein gründen wollen. Ziel sei ein gemeinnütziger Verein. Er sehe keinen Grund, warum die Vereinsgründung nicht gelingen sollte.

Zur künftigen Nutzung sagten auf Anfrage Gitta Hentschker-Kranixfeld und Architekt und Bauingenieur Michael Kranixfeld: „Das Haus ist sanierungsbedürftig wie alle alten Häuser in der Altstadt, aber es ist nicht marode. Schön wäre eine internationale Begegnungsstätte mit einem Künstlerhaus mit Anbindung an die Synagoge.“

Der Verein zur Rettung der Synagoge hatte das Gebäude nach dem Kaufmann Robert Weinstein benannt. Die Nazis hatte den Sozialdemokraten und stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher am 8. November 1938 auf der Straße in den Tod getrieben.

Haus stand schon vor dem 30-jährigen Krieg

Das Fachwerkhaus Obergasse 39 ist eines der ältesten Gebäude der Burgstadt. Früher war hier eine Apotheke untergebracht. Das genaue Baujahr ist nicht bekannt. 

Das Haus stand aber schon vor dem 30-jährigen Krieg, sagt Gitta Hentschker-Kranixfeld. Sie und ihre drei Geschwister hatten das Haus im Mai 2014 in das Eigentum des Vereins zur Rettung der Synagoge übergeben: „Verbunden wurde damit der Wunsch, es zum Gedenken an die aus Felsberg vertriebenen Mitbürger zu nutzen.“ 

Letzte jüdische Bewohner des Hauses waren nach Angaben von Gitta Hentschker-Kranixfeld Isaak, Malchen und Siegmund Kruck, für die 2015 vor dem Eingang die ersten Stolpersteine verlegt worden waren. 

Vermutlich musste das Haus Ende der 1930er-Jahre von den letzten jüdischen Eigentümern verkauft werden. 1964 übergab es Karl Wehrhahn (1907 – 1982) an seine Tochter Ursula und Ehemann Walter Hentschker, die verstorbenen Eltern von Gitta Hentschker-Kranixfeld. 

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