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Felsberger über muslimischen Ramadan: „Es geht um mehr als Fasten“

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Während der Fastenzeit darf nach Untergang der Sonne gegessen werden, wie hier im muslimischen Kulturzentrum in Felsberg.
Während der Fastenzeit darf nach Untergang der Sonne gegessen werden, wie hier im muslimischen Kulturzentrum in Felsberg. © Murat Çetinkaya

Sie haben es geschafft: Für die Muslime endete am Sonntagabend (01.05.2022) der Fastenmonat Ramadan. Doch was hat es mit dem Ereignis genau auf sich? Wir haben nachgefragt.

Felsberg – Die Anhänger des Islam feiern aktuell drei wichtige Feiertage, das Ramadan-Fest. Üppige Festmahle? Volle Schüsseln und Platten mit allerlei Köstlichkeiten? Fehlanzeige. Das große Schlemmen soll mit dem Ende des Fastens eigentlich gar nicht beginnen, wie Murat Çetinkaya, Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs in Felsberg erklärt.

„Sich nach dem Fasten komplett den Bauch voll zuschlagen, ist nicht der Grundgedanke des Ramadan“, sagt Çetinkaya. Das Fastenbrechen gibt es quasi an jedem der 30 Fastentage, bei Einbruch der Dunkelheit. Tagsüber verzichten die Fastenden auf Essen und Trinken. Nicht mal Wasser gibt es. Höhepunkt für Muslime ist das Fastenbrechen am 30. Tag.

Ramadan-Fest: Verzicht steht im Mittelpunkt

Doch beim Grundgedanken des Ramadan geht es um mehr, als ums „reine Hungern“, wie Çetinkaya sagt. „Es geht darum, auch bewusst auf jegliches Fehlverhalten zu verzichten.“ Der Mensch neige zu extremen Verhalten und mache Fehler, besonders in der von Konsum und Kapital bestimmten Gesellschaft. Auch der Verzicht auf andere Laster, wie beispielsweise Rauchen, gehöre dazu. „Es ist faszinierend, wie viele Raucher plötzlich 30 Tage ohne Zigarette durchhalten“, sagt der Felsberger schmunzelnd.

Es sei wichtig, sich während der 30 Tage wieder auf die wichtigeren Dinge zurückzubesinnen, sich selbst zu entschleunigen. Sinnbildlich dafür stehe der Effekt des Fastens. Der Magen verkleinert sich und der Körper werde entgiftet. Zumindest wenn man es richtig macht, sei das Fasten sehr gesund, wie der 50-Jährige anmerkt. „Es gibt leider auch Muslime, die nur zwischen Hungern am Tag und viel Essen bei Nacht wechseln.“ Das sei der falsche und ungesunde Weg.

Çetinkaya, der seit 47 Jahren in Deutschland lebt, fastet schon seit Kindesalter. Es sei sonst eher üblich, dass erst im Jugendalter gefastet werde. „Aber meine große Schwester hat das auch schon gemacht und ich wollte natürlich Mithalten. Ramadan ist ja immer ein besonderes Ereignis.“

Ramadan-Fest: Der Begriff Zuckerfest schließt viele Muslime aus

In Deutschland wird der Begriff Zuckerfest für das Ende des Ramadan immer üblicher. So werde das Fest aber nur in der Türkei genannt und schließe alle andere Muslime auf der Welt aus. „Ramadan-Fest ist meiner Meinung nach eine passende Bezeichnung für das Ende der Fastenzeit.“ Für die drei muslimischen Feiertage, die ab heute begännen, stünden keine große Festmahle im Vordergrund, sondern die Familie. „Am ersten Tag ist ein Besuch bei den engeren Verwandten geplant, am zweiten Tag bei den entfernteren.“ Çetinkaya gibt aber auch zu: „Die Realität ist manchmal eine andere.“ Natürlich spiele das Auftischen von Essen bei den Familienzusammenkünften eine wichtige Rolle.

Was zum Ramadan ebenso gehört wie der Verzicht sind die besonders intensiven Gebete. Das Nachtgebet, welches sonst nur wenige Minuten dauert, könne während Ramadan auch mal 30 bis 40 Minuten gehen. „Das ist für mich vielleicht das Schwierigste an den 30 Tagen“, gibt Çetinkaya zu. Der Schlafrhythmus sei durch das frühe Aufstehen für eine kleine Mahlzeit vor Sonnenaufgang sowieso schon etwas strapaziert.

Die gemeinsamen Gebete in der Felsberger Moschee waren in den vergangenen zwei Jahren wegen Corona nicht wie gewohnt möglich, sagt Çetinkaya. Doch nun habe sich die Gemeinschaft darauf geeinigt, die Abstandsregeln in der Moschee fallen zulassen und dafür beim Gebet weiter eine Maske zu tragen. „Wir haben mit Sehnsucht darauf gewartet, endlich wieder Schulter an Schulter beten zu dürfen“, sagt der 50-Jährige strahlend. Dabei entstehe während des Fastenmonats eine ganz besondere Verbindung bei den Muslimen. (William Abu El-Qumssan)

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