Flügel eines Windrades werden ausgewechselt

Ein Himmel mit Gittermasten: Der 500-Tonnen-Kran neben dem 111,5 Meter hohen Windklraftmast hebt die Rotoren auf die Erde. Die Schrauben (rechts), mit denen die Flügel am Triebstrang befestigt sind, sind 32 Zentimeter lang. Fotos: Schaake

Hilgershausen. Nach elf beziehungsweise zwölf Jahren Laufzeit lässt die Familie Göbel aus Beuern die Sterne, wie die Flügel heißen, des Windparks Geschellenberg in Hilgershausen auswechseln.

Was für ein verrücktes Wetter. Als sechs Monteure und drei Kranführer im Windpark Geschellenberg bei Hilgershausen den Stern vom Turm holen wollen, wird es dunkel, es regnet, starker Wind kommt auf. Was das ganze Jahr gut ist für die umweltfreundliche Stromerzeugung, können die Männer nun gar nicht gebrauchen. Zwei Stunden später kann die Operation Demontage beginnen. Nach knapp zwei Stunden ist alles gut gelaufen. Als der 35 Tonnen schwere Stern auf dem Stoppelfeld liegt, schüttet es wieder. Doch das Team ist zufrieden.

Erleichterung? „Das ist unser tägliches Brot”, sagt der Vorarbeiter der Herstellerfirma, „aber es ist immer wieder schön, wenn der Stern unten liegt.” Wenn alle an einem Strang ziehen, sagt ein Monteur, „läuft alles prima”. Und wie sie an einem Strang ziehen müssen. Obwohl ein 500-Tonnen-Kran mit 189 Tonnen Gegengewicht und ein weiterer Kran bereitsteht, müssen zwei Männer den Stern in die richtige Richtung ziehen.

Verschleiß:

Man habe sich nach der Laufzeit vorsorglich entschlossen, die Flügel zu wechseln, sagt Helmut Göbel. Er spricht von einem normalen Verschleiß des Kunststoffmaterials. Ein- bis zweimal im Jahr würden die Flügel kontrolliert, und sie seien auch schon ausgebessert worden. Göbel: „Die neuen Flügel sind technisch weiterentwickelt, machen noch weniger Geräusche und bringen mehr Leistung.”

Verschrottung:

Die Flügel werden an Ort und Stelle auseinander geschnitten. In einer Fabrik in Leipzig wird der Kunststoff eingeschmolzen, die Reste werden Zusatzstoffe für Zement erläutert Göbel. Der neue Stern des jüngeren Windrades ist bereits in Betrieb. Für das Werk 1 werden die Rotoren in dieser Woche montiert.

Baustelleneinrichtung: Drei Kräne, mehrere Material- und Mannschaftscontainer gehören zur Baustellenlogistik. Das allein ist eine besondere Herausforderung, muss doch alles über Feldwege auf den Geschellenberg gefahren werden. „Das war schon ein bisschen schwierig”, gibt Dirk Hense, einer der Kranführer zu: „Bei Nässe ist der Boden wie Schmierseife.”

Philosophie 

Windkraft - die saubere Energie für Felsberg. So wirbt Eigentümer Göbel. „Das ist unsere Philosophie”, sagt Helmut Göbel. Der Landwirtschaftsmeister aus Beuern ist Geschäftsführer der Göbel Energie Gesellschaft. 3,5 Millionen Euro hat die Familie für die beiden Windräder investiert, die seit November 2003 beziehungsweise 2004 Strom erzeugen. Der fließt ins öffentliche Netz und wird von den Städtischen Werken Kassel vermarktet. Fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr kommen vom 309 Meter hoch gelegenen Geschellenberg. „Ich bin ein Verfechter dafür, dass der hier erzeugte Strom auch in unserer Region vermarktet wird”, sagt Göbel.

Flügel eines Windrads werden ausgetauscht

Der Windpark in Zahlen

2 Anlagen vom Typ Nordex S 77 erzeugen seit 2003 und 2004 pro Jahr fünf Millionen Kilowattstunden Strom.

7 Tonnen wiegt jeder der sechs Flügel. Mit Nabe sind es 35 Tonnen pro Windrad.

27 Kilogramm Uran werden pro Jahr durch die beiden Windräder eingespart, 7200 Tonnen Braunkohle oder 1800 Tonnen Steinkohle, 1,3 Millionen Kubikmeter Erdgas oder 1,2 Millionen Liter Erdöl.

32 Zentimeter lang sind die 54 Stahlschrauben, mit denen die Flügel am so genannten Triebstrang befestigt sind. Der führt über ein Getriebe zum Generator, der den Strom erzeugt.

77 Meter beträgt der Rotor-Durchmesser. Jeder Flügel ist 37 Meter lang, sieben Meter mehr als der Turm der Felsburg.

111,5 Meter hoch sind die beiden Gittermasten bis zur Nabe.

309 Meter über dem Meeresspiegel stehen die Windräger auf dem Geschellenberg. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick bis zum Alheimer und bis nach Niedenstein.

10.360 Kilogramm Schwefeldioxid werden pro Jahr durch diesen Windpark eingespart, sieben Millionen Kilogramm Kohlendioxid sowie 5110 Kilogramm Stickoxide und 36 Kilogramm Atommüll.

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