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Frau aus Neuenbrunslar sucht 48 Stunden verzweifelt nach ihrem Hund

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Corinna Frank aus Neuenbrunslar ist froh, ihren Jack Russell Terrier Ernie wieder zu haben.
Wieder in den Armen von Frauchen: Corinna Frank aus Neuenbrunslar ist froh, ihren Jack Russell Terrier Ernie wieder zu haben. © William Abu El-Qumssan

Wie vom Erdboden verschluckt: Zwei Tage ist Corinna Frank in Neuenbrunslar auf der Suche nach ihrem Hund. Er war in einen Dachsbau gefallen.

Neuenbrunslar – So etwas wünscht Corinna Frank keinem Hundehalter. Die 36-Jährige aus Neuenbrunslar hat zwei Tage erlebt, die sie so schnell nicht vergessen wird. Ihr elf Jahre alter Jack Russell Terrier Ernie war weglaufen und in einem Dachsbau verschwunden.

Wir sprachen mit ihr über zwei nervenaufreibende Tage und zwei schlaflose Nächte.

Die Nachricht: „Mein Vater rief mich gegen 9 Uhr völlig aufgeregt an“, sagt Corinna Frank. „Ernie ist weggelaufen.“ Seit 7.30 Uhr war Ernie zu dem Zeitpunkt bereits ausgebüxt. Ihr Vater war mit dem Hund an einem kleinen Waldstück bei Neuenbrunslar unterwegs, die 36-Jährige hatte Frühschicht bei B.  Braun. Corinna Frank fuhr sofort nach Hause, um bei der Suche zu helfen. „Ich war schon ziemlich angespannt. In meinem Kopf habe ich alle möglichen Szenarien durchgespielt“, beschreibt Corinna Frank ihren Gemütszustand.

Die Suche: Dann begann die große Suche nach Ernie. Ausgestattet mit Quietschtieren, seiner Hundedecke und T-Shirts von Corinna Frank ging es zu dem Waldstück, an dem der Terrier vermutlich verschwunden war. „Ich habe versucht, möglichst viele ihm vertraute Dinge und Gerüche mitzubringen, die ihn anlocken sollen“, sagt Corinna Frank.

Nachbarn hatten sich mittlerweile ebenfalls bei der Suche eingeschaltet. Doch ohne Erfolg. Im Auto verweilte die Hundehalterin fast die ganze Nacht am Waldrand. „Um 4 Uhr habe ich die Aktion dann abgebrochen.“ An Schlaf war nicht zu denken.

Hund in Neuenbrunslar verschwunden: Überlebenschancen sehr gering

Den nächsten Morgen ging es weiter. 24 Stunden war Ernie bereits verschwunden. Die Aussichten waren alles anders als rosig: „Der zuständige Jagdpächter Gerhard Mathes hatte mir gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass Ernie noch lebt“, bericht Corinna Frank,

Mittlerweile halfen auch Mitarbeiter des Tierheim Beuern und des Ordnungsamtes mit. Doch weiter kein Lebenszeichen von Ernie.

Die Idee: Doch so konnte es nicht weiter gehen, dachte sich die Neuenbrunslarerin. Sie suchte im Internet nach Lösungen. Und wurde fündig: Sie stieß auf die Pet-Trailerin Tanja Weidler. Die Frau aus Willebadessen (Nordrhein-Westfalen) hat mehr Spürhunde, die auch auf die Suche nach anderen Tieren trainiert sind. „Sie war den Tag noch im Harz im Einsatz, aber gleich den nächsten Tag um 10.15 Uhr wollte sie kommen“, berichtet Corinna Frank.

Doch sie verbrachte die Zeit bis zum nächsten Tag nicht bloß mit Warten, sondern suchte weiter. „Ich konnte mich ja jetzt nicht einfach hinsetzen und Däumchen drehen.“ Mit dem Anruf bei der Pet-Trailerin schöpfte Corinna Frank neue Hoffnung.

Die Rettung: Nicht nur Pet-Trailerin Tanja Weidler war am nächsten Morgen vor Ort, auch Cornelia Reiß vom Tierheim half mit. Und die Rohrreiniger-Firma Reinhard Keim war mit dabei – und sollte eine entscheidende Rolle spielen.

In einem Dachsbau an diesem Hang ist Ernie verschwunden. Unser Bild zeigt Florian Erbe-Keim von der Firma Reinhard Keim, die bei der Suche geholfen hat.
In einem Dachsbau an diesem Hang ist Ernie verschwunden. Unser Bild zeigt Florian Erbe-Keim von der Firma Reinhard Keim, die bei der Suche geholfen hat. © Corinna Frank

Als Vorarbeit hatte Corinna Frank auf Anraten der Pet-Trailerin ein Halsband von Ernie in einen Frischhaltebeutel gepackt. Darin hat sich dann der Geruch des Hundes luftdicht abgeklemmt gesammelt. In der Nähe des Waldstücks wurde der Beutel dann geöffnet und einem der Spürhunde von Tanja Weidler „die maximale Dosis Ernie“ unter die Nase gehalten. „Der ist sofort losgelaufen“, sagt Corinna Frank. Der Hund konnte schnell den ungefähren Bereich eingrenzen.

Hund in Neuenbrunslar verschwunden: Firma hilft Kamera-Technik

Dann kam die Firma Keim zum Einsatz. Mit Kameras an Schläuchen, die eigentlich in Rohren zum Einsatz kommen, konnten sie in die Erdlöcher hineinschauen. Corinna Franks Anspannung fiel das erste Mal seit mehr als 48 Stunde ab, als jemanden rufen hörte: „Wir sehen ihn.“ Gleichzeitig hörte sie ein vertrautes Jaulen ihres Hundes.

Ernie war in einen Dachsbau geraten, der am Eingang etwa zwei Meter senkrecht in die Tiefe ging. Florian Erbe-Keim hatte beherzt in den Bau gegriffen und Ernie am Halsband herausgezogen. „Das war mein Held des Tages“, sagt Corinna Frank. Dankbar ist aber natürlich allen, die geholfen haben. Am Fundort lagen sich alle Beteiligten aufgelöst in den Armen. „Und Ernie hat erst mal sein Geschäft verrichtet“, sagt die 36-Jährige und lacht.

Die Lehre: Corinna Franks Vater Kurt hat versprochen, Ernie ab sofort nicht mehr draußen von der Leine zu lassen. „Er hat es zwar nicht so gezeigt, aber natürlich hat er sich Vorwürfe gemacht.“ Außerdem wurde nun ein GPS-Tracker für Ernies Geschirr gekauft. So kann eingesehen werden, wo er sich befindet, falls er noch mal ausbüxt.

Während sich Corinna Frank noch von den Strapazen erholen musste, lag Ernie schon kurz nach der Heimkehr in der Sonne, und kaute auf seinem Ball – „als wäre nie etwas passiert.“ (William Abu El-Qumssan)

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