Von den Nazis getötet

Kunstwerk am Bahnhof Gensungen erinnert an Widerstandskämpfer Egbert Hayessen

So soll das Kunstwerk zum Gedenken an Egbert Hayessen aussehen: Künstler Stephan von Borstel (rechts) zeigt seinen Entwurf für den Platz am Bahnhof Gensungen. Von links Kai-Uve Hanitsch vom Gensunger Ortsbeirat und Dieter Vaupel, Initiator der Initiative „Ein Platz für Egbert Hayessen“.
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So soll das Kunstwerk zum Gedenken an Egbert Hayessen aussehen: Künstler Stephan von Borstel (rechts) zeigt seinen Entwurf für den Platz am Bahnhof Gensungen. Von links Kai-Uve Hanitsch vom Gensunger Ortsbeirat und Dieter Vaupel, Initiator der Initiative „Ein Platz für Egbert Hayessen“.

An den Widerstandskämpfer Egbert Hayessen aus Gensungen soll nun auch ein Kunstwerk erinnern. Der Platz vor dem Bahnhof in Gensungen wurde bereits nach ihm benannt. Er wollte die Terrorherrschaft der Nazis beenden und bezahlte dafür mit dem Leben.

Gensungen – Egbert Hayessen aus Gensungen war einer der Widerstandskämpfer, die das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 planten und deshalb zum Tode verurteilt wurden. Zum Gedenken an Egbert Hayessen ist der Platz vor dem Bahnhof Gensungen – dem Ort, an dem er sich damals von seiner Familie verabschiedete – nach ihm benannt worden. Nun soll zudem ein Kunstwerk auf dem Platz an den Widerstandskämpfer erinnern.

Die Idee

Die vom ehemaligen Felsberger Schulleiter Dr. Dieter Vaupel gegründete Initiative „Ein Platz für Egbert Hayessen“ hatte sich dafür stark gemacht, den Platz am Gensunger Bahnhof nach dem Widerstandskämpfer zu benennen. Nach langer Debatte war der Vorschlag umgesetzt worden. Die Initiative hatte auch die Idee, ein Kunstwerk zum Gedenken an Hayessen aufzustellen. Zwei Entwürfe lagen vor. Die Wahl fiel auf eine Stele des Künstlers Stephan von Borstel.

Das Kunstwerk

Stephan von Borstel, freischaffender Künstler und Grafiker aus Kassel, gestaltet die Skulptur. Er habe sich die Biografie Hayessens genau angesehen, bevor er das Kunstwerk entwarf, erzählt er. Daraus entstand die Idee für die etwa zwei Meter hohe, aber sehr schmale Skulptur: eine Stahlsäule auf einem Betonsockel, ein Stück ist herausgebrochen, wird aber wie von einer Klammer festgehalten. Dies spiegele wider, dass Hayessen zwar von den Nazis gebrochen wurde, aber dennoch seine aufrechte Haltung bis zum Schluss bewahrt habe, sagt Borstel. Doch letztlich habe natürlich jeder Betrachter seine eigenen Gedanken zu dem Kunstwerk. Das bestätigt auch Dieter Vaupel: „Es gab ganz unterschiedliche Assoziationen zu dem Entwurf.“ Die Stele wird mit einer Inschrift versehen: „In Erinnerung an Egbert Hayessen, der aus freiem Selbst im Sommer 1944 von hier aufbrach, die Tyrannei zu beenden.“

Die Finanzierung

Die Kosten für das Kunstwerk belaufen sich auf 11 000 Euro. 70 Prozent davon, also 7700 Euro, werden mit Fördergeld aus dem Regionalbudget abgedeckt: Dieses wird vom Land Hessen zur Verfügung gestellt und vom Regionalmanagement Mittleres Fuldatal verwaltet. Die verbleibende Summe von 3300 Euro wird über Spenden finanziert. 4600 Euro Spenden sind für das Projekt zusammengekommen – damit gibt es sogar noch einen kleinen Überschuss, der anderweitig verwendet werden kann.

„Wir planen eine Gedenktafel auf der anderen

Bahnsteigseite“, verrät Dr. Kai-Uve Hanitsch, Mitglied im Gensunger Ortsbeirat und in der Initiative „Ein Platz für Egbert Hayessen.“

Der Stadt Felsberg entstehen also keine Kosten durch das Projekt. „Trotzdem wäre es schön, wenn die Stadt sich zu zehn Prozent an den Kosten beteiligen würde – das wäre ein wichtiges Signal“, findet Dieter Vaupel.

Hauptsponsoren waren die Kreissparkasse Schwalm-Eder und der Rotary Club Rotenburg-Melsungen, doch es gab auch viele weitere Spenden – unter anderem auch von den Söhnen Egbert Hayessens, Hans-Hayo und Volker. Beide haben den Entwurf für das Kunstwerk gesehen und gut geheißen.

Die Einweihung

Die Einweihung des Kunstwerks ist für Sonntag, 15. August vorgesehen – dem Datum, an dem Egbert Hayessen im Jahr 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. An diesem Tag wollen auch die Söhne des Widerstandskämpfers nach Gensungen kommen.

„Es ist kaum in Worte zu fassen, was es für die Söhne bedeutet, dass ihr Vater auf diese Weise geehrt wird“, sagt Dieter Vaupel. (Judith Féaux De Lacroix)

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