Kein Platz für Hayessen: Diskussionen zur Umbenennung des  Gensunger Bahnhofes sind vom Tisch

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Der Alte Bahnhof in Gensungen: Lange wurde über die Namensgebung diskutiert. 

Die Diskussionen zur Umbenennung des Gensunger Bahnhofes und des Vorplatzes sind vom Tisch. Der Magistrat Felsberg hat sich gegen eine Namensgebung nach Egbert Hayessen/ Adolf Herwig ausgesprochen.

Das bestätigte Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz.

Vorschlag: Adolf Herwig

Ehemaliger Bürgermeister: Adolf Herwig.

Der SPD-Ortsverband Gensungen schlug im Sommer vergangenen Jahres vor, dass das Bahnhofsgebäude „Adolf-Herwig-Haus – Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung“ heißen soll. Damit sollten die „langjährigen Leistungen des Altbürgermeisters Herwig gewürdigt werden“. Ein entsprechender Beschlussvorschlag ging an den Magistrat – eine Antwort blieb aus. Daraufhin wurde im Gensunger Ortsbeirat die Empfehlung beschlossen, den Bahnhofsvorplatz nach Herwig zu benennen. Ab 1960 war Herwig Bürgermeister von Gensungen. Nach der Bildung der neuen Stadt Felsberg im Zuge der Gebietsreform war Herwig von 1978 bis 1984 Bürgermeister.

Vorschlag: Egbert Hayessen

Widerstandskämpfer: Egbert Hayessen.

Der Historiker und Buchautor Dr. Dieter Vaupel hatte zeitgleich angeregt, den Gensunger Bahnhofsvorplatz umzubenennen – allerdings nach dem Gensunger Widerstandskämpfer Egbert Hayessen. Egbert Hayessen war Major im Generalstab und am Attentat auf Adolf Hitler beteiligt. Er wurde am 15. August 1944 in Berlin-Plötzensee von den Nazis hingerichtet. Über das Schicksal von Egbert Hayessen verfasste Dieter Vaupel ein Buch.

In einem Brief an den Magistrat und den Ortsbeirat schrieb Vaupel: „Offensichtlich hat der Ortsbeirat meine Idee der Benennung dieses namenlosen Platzes aufgegriffen, jedoch meinen Vorschlag, ihn Egbert-HayessenPlatz zu nennen, verworfen(...)“. Daraufhin bat er den Ortsbeirat und den Magistrat, darüber zu beraten, nun das Bahnhofsgebäude nach Hayessen zu benennen. Bürgermeister Steinmetz befürwortete den Vorschlag damals. Jetzt die endgültige Absage.

Der Beschluss: Magistrat lehnt Nemensgebung ab

Dr. Dieter VaupelHistoriker und Buchautor

Dieter Vaupel erklärt auf HNA-Nachfrage: „Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.“ Besonders schade sei, dass die ursprüngliche Idee, einen markanten Platz nach Hayessen zu benennen, von seinen ehemaligen Schülern kam. „Während meiner Zeit als Schulleiter an der Drei-Burgen-Schule haben wir über Hayessen gesprochen. Seine Söhne Hans-Hajo und Volker waren zu Gast“, erinnert sich Vaupel. „Die Schüler waren es, die in einem Brief an den Bürgermeister und den Magistrat darum baten, Egbert Hayessen entsprechend zu würdigen“, erklärt er. Es sei traurig, dass ein Mann, der so viel für Felsberg und für die ganze Republik getan hat, nicht ausreichend geehrt werde. Es seien Scheinargumente, die gegen den Hayessen-Vorschlag sprechen würden. „Dass Hayessen kein richtiger Gensunger war, ist meiner Meinung nach kein Argument. Es gibt auch einen Brüder-Grimm-Platz – die waren auch nie in Felsberg“, sagt Vaupel. Vaupel werde allerdings am Ball bleiben und nicht aufgeben.

Volker SteinmetzBürgermeister Felsberg

Steinmetz erklärt, dass sich der Magistrat intensiv über die Vorschläge beraten habe. „Wir sprechen uns gegen eine Namensnennung aus“, sagt er. „Wir wollen beide Namen schützen und sie nicht in Verruf bringen“, sagt er. „Wir wollen mit einem möglichen Entschluss, keine der beiden Personen in den Schatten stellen.“

Inzwischen gibt es nach HNA-Informationen Vorschläge oder Bestrebungen, die Kreissporthalle in Gensungen nach Adolf Herwig zu benennen. Der frühere Bürgermeister war viele Jahre Vorsitzender des TSV 1895 Gensungen, der im Juni sein 125. Bestehen feiert. 

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