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Gensunger Ehepaar sauer auf Versorgungsamt: langes Warten auf Behindertenausweis

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Die Papierstapel wachsen bei Volker und Ute Bernhardt. Doch ein neuer Behindertenausweis ist noch nicht in Sicht.
Die Papierstapel wachsen bei Volker und Ute Bernhardt. Doch ein neuer Behindertenausweis ist noch nicht in Sicht. © William Abu El-Qumssan

Wer im Kreisteil Melsungen wohnt und einen Behindertenausweis braucht, muss sich an das Versorgungsamt in Kassel wenden. Keine guten Erfahrungen hat ein Ehepaar aus Gensungen mit dem Amt gemacht.

Gensungen – Die Geduld von Ehepaar Bernhardt aus Gensungen wird derzeit auf eine harte Probe gestellt: Seit September vergangenen Jahres kämpft Ute Bernhardt um einen Behindertenausweis mit dem Grad der Behinderung (GdB) 100 für ihren Mann Volker. Dem 74-Jährigen musste im Dezember das linke Bein amputiert werden. Bereits die drei Monate davor war er stark eingeschränkt. Auf einen neuen Schwerbehindertenausweis wartet er bislang vergeblich.

„Es ist eine Unverschämtheit“, sagt Ute Bernhardt aufgebracht. Das für die Gensunger zuständige Versorgungsamt in Kassel lasse sie und ihren Mann im Stich. Anträge und Anrufe der Bernhardts werden ignoriert oder sie werden vertröstet. „Zuletzt wurde immer wieder auf die Flüchtlinge aus der Ukraine als Grund für die lange Wartezeit verwiesen“, sagt die 68-Jährige.

Der Krieg von Russland gegen die Ukraine begann aber erst am 24. Februar – da waren schon fast sechs Monate seit dem ersten Antrag im September verstrichen. „Im Oktober haben wir vom Versorgungsamt die Bestätigung bekommen, dass alles in Arbeit ist.“

Auf Anfrage unserer Zeitung äußerte sich das Versorgungsamt Kassel allerdings nicht zu dieser Argumentation. Generell würden die Bearbeitungszeiten dort aufgrund steigender Fallzahlen und krankheitsbedingter Personalausfälle derzeit bei bis zu sechs Monaten liegen, wie ein Sprecher mitteilt. Die Bearbeitungsdauer hänge zudem von dem Ermittlungsumfang und dem Antwortverhalten der behandelnden Ärzte ab.

Die Frustration erreichte für die Bernhardts ihren Höhepunkt, als ein Mitarbeiter des Versorgungsamtes am Telefon gesagt haben soll, „dass das doch alles wieder wird“. „Was soll da wieder werden?“, fragt Ute Bernhardt. Sie sei damals sehr fuchsig geworden „Das Bein wächst mit Sicherheit nicht nach.“ Auch zu diesem Vorwurf schweigt das Versorgungsamt.

Für die weitere Kommunikation mit dem Versorgungsamt haben sich die Bernhardts Hilfe beim Sozialverband VdK in Melsungen geholt.

Dennoch heißt es für das Ehepaar momentan: viel Papierkram, kaum Vorankommen. Volker Bernhardt hat noch einen Behindertenausweis mit einem GdB von 90. Bei einem GdB von 100 würde der 74-Jährige mehr Nachteilausgleiche bekommen. Als Beispiel nennt Volker Bernhardt das Nutzen von Rollstuhlfahrerparkplätzen. „Das ist mir mit meinem aktuellen Ausweis nicht gestattet.“ Laut seiner Frau gab es deshalb auch schon einen Strafzettel. „Ich kann ihn aber nicht auf einem normalen Parkplatz in seinen Rollstuhl helfen. Das passt vorne und hinten nicht“, sagt die Gensungerin.

Der Schwalm-Eder-Kreis weist jedoch darauf hin, dass ein Schwerbehindertenausweis allein nicht ausreicht. Es gibt spezielle Parkausweise dafür. Die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises ist für die Erteilung von Ausweisen zur Parkerleichterungen für schwerbehinderte Menschen für Bewohner von Guxhagen, Körle, Malsfeld, Morschen und Spangenberg zuständig. Felsberg und Melsungen stellen die Parkausweise selbst aus.

Auch eine Begleitperson würde Volker Bernhardt für Alltagssituationen zustehen. Denn Ute Bernhardt kann die Pflege ihres Mannes nicht mehr alleine bewerkstelligen. Die 68-Jährige ist selbst angeschlagen, ihr Knie muss operiert werden. Damit will sie aber warten, bis ihr Mann im Alltag betreut wird. „Ich kann ihn da ja nicht allein lassen.“ Eine Begleitperson wäre eine „riesige Erleichterung“.

Auch bei Zuschüssen von der Krankenkasse rechnet das Ehepaar mit besseren Chancen, wenn der neue Ausweis irgendwann vorliegt. Volker Bernhardt benötigt einen elektronisch angetriebenen Rollstuhl. Um vom Ausgang der Erdgeschosswohnung zum Bürgersteig zu kommen, muss der 74-Jährige eine steile Auffahrt hochfahren. (William Abu El-Qumssan)

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