Gesplittete Abwassergebühr sorgt für Ärger in Helmshausen und Hesserode

An der Pflanzenkläranlage: Die Bewohner von Hesserode und Helmshausen sind verärgert über die gesplittete Abwassergebühr, sie fühlen sich durch die Neuregelung benachteiligt. Unser Foto zeigt von links Otto Hotte, Gisela Papenhagen, Christina Nägel, Heinz Küster, Walter Schmidt, Karin Evers, Bärbel McEnaney, Ute Sinning und Georg Nägel. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Viele Kommunen haben die gesplittete Abwassergebühr eingeführt - auch Felsberg. Doch dort sorgt die neue Regelung zum Teil für erheblichen Ärger bei den betroffenen Anwohnern.

Der Blick auf ihre Abwassergebührenbescheide bringt viele Bewohner der Felsberger Stadtteile Hesserode und Helmshausen zur Weißglut. Denn sie haben den Eindruck, dass die Stadt sie gleich doppelt zur Kasse bittet.

Grund für den Ärger ist die gesplittete Abwassergebühr, die die Stadt Felsberg eingeführt hat. Die Gebühr wird unter anderem anhand der versiegelten Flächen auf einem Grundstück berechnet - also Flächen, auf denen kein Regenwasser versickern kann. Diese Art der Berechnung sorgt in den Dörfern für eine hohe finanzielle Belastung der Bewohner. Der Schützenverein in Hesserode beispielsweise zahle jetzt 200 Euro pro Jahr, statt wie bisher 30 Euro, berichtet Kassierer Walter Schmidt. „Das entspricht dem Mitgliedsbeitrag von acht Mitgliedern“, sagt er.

Es sei ja verständlich, dass die Stadt zum Beispiel Supermärkte, die mit ihren Kundenparkplätzen große Flächen versiegeln, zur Kasse bitte, sagt Ute Sinning aus Helmshausen. „Aber die großen, alten Hofreiten in unseren Dörfern haben viel versiegelte Fläche, aber nicht die Umsätze von Aldi oder Rewe. Hier wohnen doch keine Millionäre.“

Die gesplittete Abwassergebühr wird in allen Felsberger Stadtteilen erhoben, insofern stehen die Bewohner von Helmshausen und Hesserode mit ihrem Problem nicht allein da. Doch sie sehen sich in einer Sondersituation: Denn die beiden Dörfer wurden 2003 an eine eigene Pflanzenkläranlage angeschlossen, sind also unabhängig von der Felsberger Kläranlage. Die Pflanzenkläranlage sei anders aufgebaut als eine herkömmliche Kläranlage, erklärt die Hesseröder Ortsvorsteherin Bärbel McEnaney - sie benötige Regenwasser, um zu funktionieren. Außerdem fielen bei einer Pflanzenkläranlage nicht die großen Mengen Klärschlamm an, die bei anderen Kläranlagen teuer entsorgt werden müssen. Auch die Wartungskosten seien niedriger als bei einer mechanischen Kläranlage, wie sie in Felsberg steht.

„Es kann doch nicht sein, dass wir zahlen müssen, obwohl das Regenwasser für die Pflanzenkläranlage gebraucht wird - nur weil es in Felsberg eine teurere Kläranlage gibt“, sagt McEnaney. Zumal die Bewohner der beiden Orte bereits zur Kasse gebeten worden seien, als die Pflanzenkläranlage gebaut wurde. Über Kläranlagenbeiträge beteiligten sich die Anwohner an den Investitionskosten von mehr als 500.000 Euro. Heinz Küster aus Hesserode etwa rechnet vor, er habe seit dem Anschluss an die neue Kläranlage zwischen 25.000 und 30.000 Euro draufgelegt.

Damit sie nun nicht doppelt belastet werden, wünschen sich die Bewohner von Hesserode und Helmshausen, dass die Abwassergebühren für ihre Stadtteile gesondert berechnet werden.

Das sagt der Bürgermeister:

Die Forderung der Bewohner von Hesserode und Helmshausen, die Abwassergebühren für sie gesondert zu berechnen, weist Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz zurück. „Das ist satzungsrechtlich nicht zulässig.“ Felsberg mit seinen 16 Stadtteilen sei nun mal eine Lastenausgleichsgemeinschaft. Im Übrigen habe die Stadt ausgerechnet, dass die Abwassergebühren für Hesserode und Helmshausen sogar höher ausfallen würden, wenn die beiden Stadtteile als gesondertes Abrechnungsgebiet behandelt würden. Auch eine generelle Kritik an der Einführung der gesplitteten Abwassergebühr lässt Steinmetz nicht gelten. „Grundsätzlich ist durch die gesplittete Abwassergebühr mehr Gerechtigkeit da“, sagt er. Auch nach dem alten System hätten die Gebühren erhöht werden müssen, betont Steinmetz - denn die Stadt müsse kostendeckend arbeiten. Zudem habe die Stadt überhaupt keinen Handlungsspielraum, sondern sei gesetzlich verpflichtet gewesen, die neue Regelung einzuführen. „Wir ziehen da als eine der letzten Kommunen nach“, sagt er. „Wenn jemand gegen unsere alte Satzung geklagt hätte, wäre diese nichtig gewesen.“ Die Stadt wolle Grundstückseigentümern aber gern Hilfestellung beim Entsiegeln von Flächen geben.

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