Flüchtlinge in Hallen: Helfen geht vor Sport

Flüchtlinge willkommen: Das steht auf dem Schild, das der Felsberger Schulleiter Dr. Dieter Vaupel hochhält. Die Stadtsporthalle im Bildhintergrund könnte Flüchtlingsunterkunft werden – davon wären sowohl Vereine als auch der Schulsport betroffen. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg/Guxhagen. Die Stadtsporthalle Felsberg und die Kreissporthalle Guxhagen sollen gegebenenfalls als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. Was bedeutet das für die Nutzer der Hallen?

Für die Drei-Burgen-Schule Felsberg wäre es eine Herausforderung, wenn die Stadtsporthalle Flüchtlingsunterkunft wird. Denn die Halle wird täglich bis nachmittags für Sportunterricht und Arbeitsgemeinschaften genutzt. Aber, stellt Schulleiter Dr. Dieter Vaupel klar: „Lebensrettung geht vor Sportunterricht.“

Sport in der Aula 

Es sei klar, dass man Wege finden müsse, um Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen. „Ich denke, wir werden für den Sportunterricht eine andere Lösung finden.“ Denkbar sei zum Beispiel, die Aula, den Pausenraum und den Schulhof für den Schulsport zu nutzen. Eine andere Variante wäre, auf die Hallen in Gensungen oder in Neuenbrunslar auszuweichen. Dann müsste man aber einen Weg finden, die Schüler zu diesen Hallen zu transportieren. Denkbar sei auch, einzelne Sportstunden durch anderen Fachunterricht zu ersetzen.

Kleine Halle als Alternative

Zur Diskussion steht nach Angaben Vaupels außerdem, statt der großen Sporthalle die kleinere, alte Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Da diese aber nur halb so groß ist wie die Stadtsporthalle, müsste man dann noch eine weitere Unterbringungsmöglichkeit in Felsberg finden.

Thema im Unterricht

Generell seien Lehrer und Schüler gut vorbereitet auf das Zusammenleben mit Flüchtlingen auf dem Schulgelände. „Natürlich wird es direkte Berührungspunkte und damit auch Spannungen geben“, sagt Vaupel. Aber es gebe an der DBS eine engagierte Schülervertretung, die sich für eine Willkommenskultur stark mache. Das Thema Flüchtlinge sei schon seit langem auch im Unterricht präsent. Ein Kollege habe bereits angefangen, an der Schule Bekleidung für die Flüchtlinge zu sammeln.

Vereine rücken zusammen

Neben der Drei-Burgen-Schule nutzen auch mehrere Vereine die Stadtsporthalle. „Wir müssen einfach zusammenrücken“, sagt Stefan Schmid, Vorsitzender des TSV Eintracht Felsberg. „Die Bereitschaft dazu ist bei allen Vereinen da.“ Beim letzten Heimspiel sei sogar ein Plakat mit dem Schriftzug „Flüchtlinge willkommen“ hochgehalten worden. Die Sportler müssten sich aber darauf einstellen, dass sie nicht mehr so häufig trainieren könnten wie gewohnt, ihre Trainingszeiten ändern oder auf andere Hallen ausweichen.

„Das muss dann halt gehen“, sagt Schmid. „Wir appellieren aber an die Verantwortlichen, zumindest eine der beiden Hallen offen zu lassen.“

Dach muss repariert werden

Das aber kann Bürgermeister Volker Steinmetz nicht garantieren: „Es kann sein, dass wir die alte und die neue Stadtsporthalle nutzen müssen.“ Zunächst aber wolle man mit der alten Sporthalle anfangen. Voraussetzung sei, dass das Dach der alten Sporthalle repariert wird - diese ist derzeit gesperrt. In jedem Fall sei Felsberg dank seiner guten Infrastruktur als Standort für eine Flüchtlingsunterkunft besser geeignet als beispielsweise Gensungen.

Suche nach Hallenzeiten

Die Kreissporthalle in Guxhagen ist von montags bis freitags morgens für den Schulsport reserviert und von 15.15 Uhr bis 22 Uhr für den Vereinssport. An Wochenenden läuft dort der Spielbetrieb der Handballer. Sollten Asylsuchende in die Halle ziehen, müssten sich die Nutzer Alternativen überlegen.

Die Gesamtschule hat bereits Kontakt zur benachbarten Grundschule an der Schönen Aussicht aufgenommen. Möglicherweise könne man die kleine Turnhalle der Grundschule gemeinsam nutzen, erklärte Schulleiter Thomas Wiegand. Die Gesamtschule müsse sich zudem um ein Alternativprogramm kümmern. Sport im Freien könne ebenso dazugehören wie die Nutzung vorhandener Freiflächen in der Schule. Für Bewegung könne man auf jeden Fall sorgen.

Frauen, Männer und Jugendteams des TSV Wollrode spielen in der Guxhagener Halle Handball. Sollte der Verein auf die Halle verzichten müssen, wäre sowohl das Handballtraining als auch der Spielbetrieb in der Bezirksoberliga und in der Landesliga Nord gefährdet. Man suche derzeit händeringend nach Hallenzeiten, erklärte Matthias Proll vom Sportvorstand des TSV Wollrode.

In der Guxhagener Kreissporthalle sind etliche Spielgemeinschaften aktiv, in denen auch Sportler des Tuspo Guxhagen, der MT Melsungen und des TSV Rot-Weiß Körle mitspielen. Dabei setzt Oliver Fritzschner als Leiter der Spielgemeinschaften in Sachen Hallenzeiten auf eine Kooperation mit anderen Vereinen. In Sachen Trainingszeiten wünscht er sich einfach, dass sich alle Vereine gegenseitig unterstützen. Ansonsten habe man massive Trainingseinbußen zu verkraften.

„Wir werden eine Lösung finden“, sagt Klaus Gerhold, der Vorsitzende des Tuspo Guxhagen 1888. Der Tuspo bietet unter anderem Leichtathletik in der Halle an. Im Verein gebe es große Solidarität und die Frage: Was sollen wir machen? Die Frage werde man in den nächsten Tagen an verschiedenen Stellen erörtern.

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