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Interview mit Felsbergs Bürgermeister über den zähen Kita-Neubau

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Wird als Alternative zum Standort an der Drei-Burgen-Schule gehandelt: Das Grundstück auf dem das Frieda-Kerl-Haus (Foto) steht.
Wird als Alternative zum Standort an der Drei-Burgen-Schule gehandelt: Das Grundstück auf dem das Frieda-Kerl-Haus (Foto) steht. © Manfred Schaake

Seit mehreren Jahren schwebt das Thema Kita-Neubau nun schon über der Stadt Felsberg. Der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt immer weiter an. Wir haben beim Bürgermeister nachgehakt.

Felsberg – Das Projekt geht jedoch nur schleppend voran, gebaut wird noch lange nicht. Wir haben mit Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz unter anderem über die Gründe für die Verzögerungen, einen Alternativvorschlag und den aktuellen Stand der Dinge gesprochen.

Herr Steinmetz, der Kita-Neubau in Felsberg beschäftigt die Menschen nun schon recht lang. Melden sich oft Eltern im Rathaus, die einen Kita-Platz brauchen?

Ja, es gehen täglich Anrufe von Eltern wegen der Anmeldung von Kita-Plätzen bei unserem Fachbereich Generationen und Soziales ein. Der Bedarf ist hoch und steigt durch die Neubaugebiete und den Zuzug in unser Stadtgebiet immer weiter an.

Wenn Sie doch die Dringlichkeit spüren, warum verläuft die Entscheidungsfindung dann so zäh?

Das Projekt verzögert sich seit der neuen Legislaturperiode im April vergangenen Jahres immer wieder, weil vermehrt Anfragen und Anträge die bereits getroffenen Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung zum Standort und der Planung hinterfragen. Das erfordert dann eine erneute Prüfung in den Gremien.

Wieso gibt es so viele Anfragen?

Dadurch, dass einige Mandatsträger gewechselt haben, kamen natürlich auch frische Gedanken ins Parlament, was ich ja befürworte. Aber diese geforderten Prüfungsvorgänge nehmen zusätzliche Bearbeitungszeit in Anspruch, daher die Verzögerungen.

Was wird konkret hinterfragt?

Es geht vor allem um den beschlossenen Standort an der Drei-Burgen-Schule in Felsberg. Ein Punkt ist dabei die potenzielle Gefahr durch Starkregenereignisse. Durch den Starkregen und die verheerenden Folgen im Ahrtal wurde diese Diskussion neu entfacht. Meine Einschätzung stütze ich auf die Aussagen der zuständigen Wasserbehörden und des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie aus dem vergangenen September, die für den breiten Fluss-auenstandort an der Drei-Burgen-Schule keinen Vergleich mit den Verhältnissen bei der jüngsten Flutkatastrophe im Ahrtal sehen.

Wie stehen Sie zu den sich wiederholenden Anträgen der Fraktionen?

Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich die berechtigten kritischen Rückfragen. Aber irgendwann muss man dann auch mal eine konkrete Standortalternative genannt werden, die nach den vorgegebenen Kriterien insgesamt besser als der bisherige Standortfavorit ist.

Und mittlerweile gibt es auch einen konkreten neuen Vorschlag…

Ja, den gibt es seit Anfang dieses Jahres. Das Grundstück, auf dem das Frieda-Kerl-Haus steht, wurde vorgeschlagen. Die Stadt Felsberg hat auch bereits ihr grundsätzliches Interesse zum Erwerb des Grundstücks beim Eigentümer angezeigt. Doch für einen sechs-gruppigen Kindergarten halte ich das Grundstück für zu klein und verwinkelt. Und der Eigentümer des Nachbargrundstücks, das für die nötige Mindestfläche wichtig gewesen wäre, hat sich offiziell gegen einen Verkauf entschieden.

Also wäre nur Platz für eine kleinere Kita?

Wie ich das einschätze, bietet das Grundstück lediglich für eine Kita mit maximal vier Gruppen Platz. Im Felsberger Ortsbeirat wurde angeregt, dass es zusätzlich einen Kindergarten für drei Gruppen in Hilgershausen geben könnte.

Wie stehen Sie dazu?

Ich stehe weiterhin hinter dem ursprünglichen Vorschlag, den die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen hat. Das soll nicht heißen, dass es in den Stadtteilen in Zukunft nicht auch Kindergärten geben soll. Aber zunächst muss der Hauptbedarf für Felsberg und Gensungen bedient werden. Und günstiger wird es vermutlich auch nicht, wenn zwei Kitas parallel gebaut werden müssen.

Was ist aktuell der nächste Schritt?

Wir stehen kurz vor den Verhandlungsgesprächen mit den Architektenbüros, die für den Standort Drei-Burgen-Schule einen Entwurf eingereicht haben und vom Preisgericht prämiert wurden. Diese finden bis Anfang Mai statt. Wir haben die Planungen zur neuen Kita ja in einem nicht-offenen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Zu der Anzahl der vorliegenden Entwürfe darf ich aus vergaberechtlichen Gründen allerdings noch nichts sagen.

Was wird besprochen?

Im Konkreten geht es um Punkte wie zum Beispiel die Raumanordnung, Gestaltung des Außengeländes und Materialienauswahl. Die jeweilige Grundidee des Planungsentwurfs soll dabei erhalten bleiben. Dabei wird auch die Leistungsfähigkeit der Bieter geprüft.

Wird es bei den Baukosten von ungefähr sechs Millionen Euro bleiben?

Wir hoffen natürlich, dass unser geschätzter Kostenansatz reicht. Es wäre aber vermessen zu behaupten, dass ich unter den zurzeit sehr dynamischen Preisentwicklungen eine seriöse Prognose für die Entwicklung der Ausgaben machen könnte. Die Inflation sowie die steigenden Kosten für Bauleistungen und Materialien werden bei den finalen Kosten sicherlich eine Rolle spielen. (William Abu El-Qumssan)

Zur Person

Volker Steinmetz (54) ist seit 2008 Bürgermeister von Felsberg und lebt im Stadtteil Beuern. Geboren wurde er in Unshausen (Wabern). Steinmetz studierte Forstwirtschaft in Göttingen und war zunächst Verwaltungsleiter beim Naturschutzzentrum in Wetzlar. Später arbeitete er bei der Landesbetriebsleitung Hessen-Forst in Kassel. Steinmetz ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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