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Katze kommt verletzt ins Tierheim Beuern: Bein muss amputiert werden

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Katze Lillith hat bei einer Mitarbeiterin des Tierheims eine Bleibe gefunden.
Katze Lillith hat bei einer Mitarbeiterin des Tierheims eine Bleibe gefunden. © Tierheim Beuern

Katze Lillith kommt verletzt ins Tierheim Beuern. Sie wurde angefahren und liegengelassen. Eine Pflegerin nimmt die Katze auf.

Beuern – Das Tierheim Beuern hat weiter mit einer hohen Zahl an neu ankommenden Tieren alle Hände voll zu tun. Vor rund einem Monat berichtete das Tierheim von vielen Pflegefällen. Viele Tiere sind Abgaben an das Tierheim, bei manchen ist die Unterbringung im Tierheim laut Pressewartin Christine Knaust alternativlos. So ein Fall ist auch Katze Lillith.

Sie wurde vor mehreren Wochen von einem Autofahrer angefahren und schwer verletzt sich selbst überlassen wurde. „Lillith hatte Glück, dass sie gefunden und zu uns ins Tierheim gebracht wurde“, sagt Knaust. Leider stellten sich ihre Verletzungen als sehr gravierend heraus. Für die Tierpfleger offensichtlich zu erkennen war eine offene Fraktur am linken Hinterbein. Diese sei schon infiziert gewesen. Das Tier muss laut Knaust schon mehrere Stunden bis Tage hilflos am Straßenrand gelegen haben.

Katze im Tierheim Beuern: Bein nach Infektion nicht zu retten

Nach der Untersuchung des Beins konnte der Tierarzt keine gute Nachricht verkünden: Das Bein muss amputiert werden. Aufgrund der Schwere der Fraktur und der fortgeschrittenen Infektion der Wunde, konnte Lilliths Bein nicht gerettet werden.

Doch es kam schlimmer: Der Tierarzt entdeckte noch eine weitere Fraktur an Lilliths rechtem Hinterbein. Oberschenkelhalsbruch hieß die weitere Diagnose und auch dabei sei eine Operation nötig. Viel Leid für Tier und Pfleger. Doch die gute Nachricht: Lillith hat beide Operationen gut überstanden. Sie muss nun lernen, auf drei Beinen durchs Leben zu gehen.

Mittlerweile ist sie bei einer Pflegerin des Tierheims, die namentlich nicht genannt werden möchte, untergekommen. Denn das Tierheim sah laut Knaust nur geringe Chancen, neue Besitzer für die Katze zu finden. „Wer nimmt schon eine dreibeinige Katze? Das muss man leider so knallhart fragen“, sagt Knaust. Die Operations- und Nachsorgekosten für die Amputation und die Entfernung des Oberschenkelhalskopfs belaufen sich auf rund 1500 Euro, die es für uns zu stemmen gilt.

Katze im Tierheim Beuern: Autofahrer ließ Tier am Straßenrand liegen

„Wir übernehmen die Kosten für Lillith sehr gerne, denn sie soll noch ein erfülltes Katzenleben führen dürfen, doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt“, sagt Knaust weiter. Denn: Wenn der Unfallverursacher nicht einfach weitergefahren wäre und Lillith zeitnah zum Tierarzt gebracht worden wäre, hätte ihr Bein gerettet werden können.

Deswegen appelliert das Tierheim, dass jeder nachschauen und helfen soll, wenn ein Tier angefahren wurde. Damit könne unnötiges Leid verhindert werden. Außerdem bittet das Tierheim um Unterstützung, damit weiterhin Tieren wie Lillith bestmöglich geholfen werden kann. Wer möchte, kann dies mit einer Spende oder einer Futter- und Versorgungspatenschaft tun. Infos sowie ein Spendenkonto gibt es im Internet auf der Seite tierheim-beuern.com.

Rechtslage bei angefahrenen Haustieren ist kompliziert

Wie sollten sich Kraftfahrzeugfahrer richtig verhalten, wenn sie einen Hund oder eine Katze anfahren? Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) empfiehlt, aus Gründen des Tierschutzes sowie dem Tierhalter zuliebe, nachzuprüfen, ob das Tier tot oder verletzt ist und gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten. Es bestehe aber keine Pflicht, den Unfall zu melden.

Die Rechtslage zu solchen Fällen ist schwierig: Wenn man ohne den Tierhalter oder die Polizei zu informieren weiterfährt, kann laut ADAC im Einzelfall ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, also Unfallflucht, vorliegen. Das ist laut Markus Brettschneider von der Polizei Schwalm-Eder jedoch schwer nachzuweisen.

Es müsse ein Vorsatz oder ein Motiv zu erkennen sein, dem Haustier schaden zu wollen. So müssten Zeugen beobachtet haben, dass der Fahrer den Unfall bemerkt hat, aber keine Schritte unternommen hat. Bei einem unbemerkten Unfall ist da laut Brettschneider wenig nachweisbar. Sollte ein solcher Fall jedoch nachweisbar sein, könne es zivilrechtlich zu Schadensersatzansprüchen an die Tierhalter kommen.

Angefahrene Haustiere: Zivilrechtliche Folgen sind möglich

Es müsse ein Vorsatz oder ein Motiv zu erkennen sein, dem Haustier schaden zu wollen. So müssten Zeugen beobachtet haben, dass der Fahrer den Unfall bemerkt hat, aber keine Schritte unternommen hat. Bei einem unbemerkten Unfall ist da laut Brettschneider wenig nachweisbar. Sollte ein solcher Fall jedoch nachweisbar sein, könne es zivilrechtlich zu Schadensersatzansprüchen an die Tierhalter kommen.

Die Polizei sollte in jedem Fall informiert werden, wenn durch den Unfall Menschen verletzt wurden, das angefahrene Tier den Verkehr gefährdet oder der Halter eines Haustiers ermittelt werden soll, um Schadenersatzansprüche am Auto geltend zu machen. (William Abu El-Qumssan)

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