Zu Kauf überredet

Kauf bei Herbstausstellung: Felsberger bleibt auf 2500 Euro teuren Töpfen sitzen

Die Frühjahrsausstellung in den Kasseler Messehallen ist in vollem Gang – das weckt bei Bernd Lumm aus Felsberg böse Erinnerungen. Denn bei der Herbstausstellung im November 2017 hatte er sich zu einem Kauf überreden lassen, den er jetzt bereut: vier Töpfe für 2500 Euro. 

Lumm glaubte, noch vom Kauf zurücktreten zu können. Ein Widerrufsrecht gibt es bei einem Kauf auf der Messe meistens jedoch nicht. Das habe er nicht gewusst und es habe ihn auch niemand darauf aufmerksam gemacht, sagt Lumm. Mit dem Gang an die Öffentlichkeit will er nun darauf aufmerksam machen und andere Messe-Besucher sensibilisieren.

Es war im November 2017 als Bernd Lumm mit seiner Ehefrau die Kasseler Herbstausstellung besuchte und sich am Stand einer Firma für Töpfe und Pfannen begeistern ließ. Wesentlich schnellere Kochzeit, geringer Energieverbrauch – „eigentlich eine tolle Sache“, habe ich mir gedacht. Den Preis habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, der habe erst mal keine Rolle gespielt, sagt Lumm.

Als er gehört habe, dass die vier Töpfe fast 2500 Euro kosten sollten, seien er und seine Frau fast vom Glauben abgefallen. „Nein, das will ich jetzt nicht gleich entscheiden“, habe er dem Verkäufer gesagt. Auch seine Frau wollte gerne noch mal eine Nacht über die Entscheidung schlafen, erinnert sich Lumm.

Teurer Kauf: Bernd Lumm aus Felsberg mit den vielen Schreiben, die er von dem Haus- und Küchentechnik-Vertreiber nach dem Kauf seines Topfsets bekam. 

Daraufhin sei ein weiterer Verkäufer hinzugekommen, der ging noch einmal auf die Vorteile der Geräte ein und habe auf das Ehepaar eingeredet. „Er hat uns richtig unter Druck gesetzt und gesagt, dass es sich um einen einmaligen Messepreis handele, der ausschließlich an diesem Tag gültig sei“, sagt Lumm. „Ich fühlte mich überrumpelt.“

Als der Verkäufer einen Gratis-Topf im Wert von 800 Euro versprach, leistete Bernd Lumm die Unterschrift auf dem mehrseitigen Kaufvertrag. „In dem Moment war mir nicht klar, dass ich das Ganze überhaupt nicht mehr widerrufen kann“, ärgert sich Lumm über sich selbst.

Zwei Tage später habe er bereits bei der Topf-Firma angerufen und gesagt, dass er den Vertrag widerrufen möchte, „daraufhin sollte ich mein Anliegen schriftlich verfassen und per Post schicken.“ Das tat Bernd Lumm. Doch die schlechte Nachricht kam prompt. Man könne den Kaufvertrag nicht stornieren, hieß es im Antwort-Brief. Das Unternehmen habe mit dem Auftrag auch Verpflichtungen gegenüber Dritten übernommen.

Sollte weiterhin eine Stornierung gewünscht werden, dann müsse Lumm Schadensersatz leisten. „Das wurde mir auch schon am Telefon angedroht. Ich sollte mir ruhig einen Anwalt nehmen und den Vertrag anfechten. Dann müsste ich aber mit einer Schadensersatzklage rechnen.“

Kurz darauf bekam Lumm ein weiteres Schreiben der Firma – mit einem neuen Angebot „für Stammkunden“, wie es auf dem Flyer hieß. Würde er einen weiteren Topf kaufen, gäbe es gratis eine Kaffeemaschine dazu. „Ich finde es einfach eine Frechheit.“

Bernd Lumm möchte die Töpfe nicht behalten, sie sind ihm schlicht zu teuer. „Vielleicht kann ich sie ja irgendwie verkaufen, sodass ich wenigstens einen Teil des Geldes wieder rein bekomme.“

Stellungnahme des Topf-Vertreibers

In der Stellungnahme von AMC heißt es, dass ein Widerrufsrecht für Kaufverträge, die auf einer Messe abgeschlossen wurden, vom Gesetzgeber nicht vorgesehen sei. Denn: „Die Kaufinitiative geht dort vom Kunden aus, nicht vom Verkäufer“, betont AMC. Bernd Lumm hätte bei Nichterfüllung der Vertrages Schadensersatz leisten müssen, weil AMC „für jeden rechtsgültigen Kaufvertrag Dritten gegenüber leistungspflichtig sei“. (Anm. der Redaktion: Ein Leser aus Hofgeismar berichtete uns von einem ähnlichen Fall. Mit rechtlichem Beistand fochte er den Vertrag an und musste 500 Euro Schadensersatz an AMC leisten). Der hohe Preis für die Töpfe begründe sich unter anderem in einer „überragenden Qualität“. Zudem erhalte man eine Einweisung durch einen Vertriebsmitarbeiter und eine Garantie von 30 Jahren.

Kein Widerrufsrecht bei Messekauf

Wer auf einer Besuchermesse einen Kaufvertrag unterschreibt, hat in der Regel kein 14-tägiges Widerrufsrecht. Der Vetrag ist bindend. Denn: Wer einen Vertrag in einem Geschäftsraum persönlich abschließt, hat kein Recht auf Widerruf. Ein Geschäftsraum kann dabei auch ein beweglicher Gewerberaum sein – ein Messestand kann dazugehören, wenn der Händler regelmäßig auf der Messe vertreten ist. Das hat jüngst das Oberlandesgericht München entschieden. In zwei Fällen hat der Kunde auch bei Abschluss auf einer Messe, ein Widerrufsrecht: zum einen, wenn beispielsweise ein Staubsauger auf einer Reisemesse gekauft wurde (fachfremde Waren) oder wenn der Kunde außerhalb des Geschäftsraumes des Ausstellers angesprochen wurde. Ein Widerrufsrecht haben Kunden bei Verträgen, die telefonisch, an der Haustür und per Internet abgeschlossen wurden.

Rubriklistenbild: © DPA

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