Land Hessen finanziert Renaturierung

Klimaprojekt bei Felsberg: Neues Flussbett für die Eder

Großgerät im Einsatz: An der Eder bei Felsberg werden Erde und Kies ausgebaggert
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Großgerät im Einsatz: An der Eder bei Felsberg werden Erde und Kies ausgebaggert, damit der Fluss im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes „naturnäher“ wird, wie es im Fachjargon heißt. Der Mutterboden kommt größtenteils auf Ackerflächen, der Kies wird in und an der Eder wieder eingebaut.

Verbesserte Lebensräume für Tiere und Pflanzen in und an der Eder – das ist das Ziel im Edertal zwischen Felsberg und Böddiger. Dafür bekommt der Fluss neue Arme und ein neues Bett.

Felsberg/Böddiger – Rund 15 000 Kubikmeter Erde und Kies werden zwischen Felsberg und der Gemarkung Böddiger ausgebaggert und an anderer Stelle wieder eingebaut. Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern wird die Eder renaturiert, wie es im Fachjargon heißt. Das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Felsberg und des Regierungspräsidiums Kassel wird vollständig vom Land Hessen aus dem „Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025“ finanziert. Das erklärte Projektleiter Werner Haaß aus Witzenhausen.

Haaß ist Diplom-Biologe und Diplom-Ingenieur für ökologische Umweltsicherung und leitet das für die Eder-Renaturierung beauftragte Planungsbüro. Spricht man bei Flüssen oft von Altarmen, so bekommt die Eder bei Felsberg neue Arme und ein neues Bett auf bisherigen Grünflächen.

Eder bei Felsberg: Abschluss der Arbeiten im März

Die drei Bauabschnitte sollen, wenn das Wetter mitspielt, im März beendet sein, erläutern Haaß und Ulrich Schnürer vom städtischen Fachbereich Bauen und Umwelt. Durch sogenannte Flussaufweitungen wird die Eder verbreitert. Der unter dem Mutterboden liegende Kies wird nicht abgefahren, sondern in Form von Kiesinseln und so genannten Uferbänken wieder in den Fluss eingebaut. Der Mutterboden kommt zum Teil auf Ackerflächen.

Der Hintergrund der Renaturierung: Mehrfach wurde die Eder in der Vergangenheit ausgebaggert und begradigt. „Der Fluss wurde dadurch schneller und grub sich tiefer in sein Flussbett ein“, sagt Haaß. Damit sei der Grundwasserpegel über Jahrzehnte deutlich abgefallen: „Wegen dieser unnatürlichen Eingriffe reduzierte sich die Zahl der unterschiedlichen Lebensräume im Flusslauf drastisch.“

Damit verbunden war nach den Worten des Planers ein Rückgang der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten im und am Fluss. Haaß: „Verschärft wurde dieses Problem durch die Unterbrechung des Transports von Kies und Schotter aus dem Oberlauf der Eder.“ Den in der Eder lebenden Fischarten wie der bei uns heimischen Äsche und der Bachforelle sei das für die Fortpflanzung benötigte Laichsubstrat immer mehr verloren gegangen.

Eder bei Felsberg: Artenvielfalt wieder herstellen

Wie bereits in den flussaufwärts gelegenen Städten und Gemeinden Fritzlar, Bad Wildungen, Wabern und Edertal werde die negative Entwicklung nun auch in der Region Felsberg umgekehrt, erläutert der Planer. Die Renaturierung solle „einen vielfältig gestalteten Fluss mit einer in Mitteleuropa typischen Artenvielfalt zumindest teilweise wiederherstellen“.

Der Hochwasserschutz bleibe erhalten, wird im Felsberger Rathaus versichert. Umfangreiche hydraulische Berechnungen – so die Stadt – belegen, dass die Renaturierung „nicht zu einer erhöhten Hochwassergefährdung“ führe: „Im Gegenteil, durch die mittlerweile zahlreichen Maßnahmen an der Unteren Eder werden positive Effekte hinsichtlich des ökologischen Hochwasserschutzes festgestellt.“

Apropos Hochwasser: In den 1960-er Jahren schuf man auf der linken Ederseite zwischen Altenburg und Felsberg einen Damm zwischen Fluss und den durch den Kiesabbau entstandenen Schwanenteich.

Heute gibt es neue, andere Erkenntnisse. Und so wird der Damm nun an mehreren Stellen durchstochen, um eine Verbindung zu den Teichen herzustellen.

Um den Hochwasserschutz weiter zu gewährleisten, wird der Weg zwischen Teich und Altenburger Straße höhergelegt – auf das Niveau des Dammes. (Manfred Schaake)

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