Wenn Äste und Ziegel umherfliegen:

Fragen und Antworten zu Kostenerstattung bei Sturmschäden

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Bei den Aufräumarbeiten in Wolfershausen: Einsatzkräfte der Kasseler Berufsfeuerwehr waren im Einsatz.  

Immer wieder kommt es zu Sturmschäden in unserer Region. So wie am Sonntag in Wolfershausen. Doch welche Versicherungen zahlen bei Sturmschäden?

Eine Espe war von einem angrenzenden Waldstück auf das Dach eines Hauses gestürzt (HNA berichtete). Wir haben nachgefragt, welche Versicherung für die Schäden aufkommt.

Welche Versicherung zahlt bei Sturmschäden?

Im Regelfall greift die private Wohngebäudeversicherung und die private Haftpflichtversicherung, erklärt Michael Fehmer von der Hanse-Merkur-Versicherung in Felsberg. In beiden Fällen ist eine Selbstbeteiligung möglich.

Ab wann zahlt die Versicherung?

Von Sturmschäden ist die Rede ab Windstärke acht, also zwischen 62 und 74 Kilometer pro Stunde, erklärt Fehmer. Dann kommt die Wohngebäudeversicherung für Sturmschäden am eigenen Grundstück auf. Die Windstärke bei Sturm Yulia lag zwischen zehn und elf (89 bis 117 Kilometer pro Stunde). Wenn der eigene Baum auf das Grundstück des Nachbarn fällt, muss die eigene Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht für den Schaden aufkommen.

Muss die eigene Versicherung auch zahlen, wenn der Baum des Nachbarn das eigene Haus und Grundstück beschädigt?

Nein. Dann muss die Wohngebäude- und Haftpflichtversicherung des Nachbarn oder die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht des Nachbarn in Anspruch genommen werden. Genau dasselbe gilt, wenn man beispielsweise durch umherfliegende Ziegel des Nachbardaches verletzt wird, sagt Fehmer. Dann greift die private Haftpflichtversicherung des Nachbarn.

Gibt es Unterschiede zwischen einem Einfamilien- und Mehrfamilienhaus?

Ja. Lebt man in einem Einfamilienhaus, so zahlt die private Haftpflichtversicherung, wenn beispielsweise ein Mensch durch einen umherfliegenden Ast bei Sturm verletzt wird.

Lebt man in einem Mehrfamilienhaus, müsste eine Grundbesitzerhaftpflicht vom Eigentümer abgeschlossen werden, die für den Schaden aufkommt.

Diese übernimmt auch die Kosten, wenn beispielsweise während des Sturms ein Dachziegel ein neben dem Grundstück geparktes Auto trifft.

Gleiches gilt für Personenschäden, die durch umherfliegende Gegenstände verursacht werden, die vom eigenen Grundstück stammen.

Wer zahlt die Aufräumarbeiten?

Ein Feuerwehreinsatz beispielsweise wird ebenfalls über den Versicherten mit abgewickelt, der von dem Schaden betroffen ist.

„Die Kosten können aber bei der Wohngebäude- und Haftpflichtversicherung mit einer maximalen Summe versehen sein“, sagt Fehmer. Darauf sollte beim Abschließen der Versicherung geachtet werden.

Und was, wenn das Auto beschädigt wurde?

Für Sturmschäden am Auto und am Motorrad ist die Teilkaskoversicherung zuständig. Bei einer Vollkaskoversicherung sind auch Schäden durch geringere Windstärken als acht abgesichert, so Fehmer. Ersetzt werden Schäden durch umherfliegende Äste oder Dachziegel. Wenn der Fahrzeughalter allerdings während des Sturms einen Unfall verursacht, kommt für alle Schäden am eigenen Auto nur die Vollkaskoversicherung auf.

Macht eine Elementarversicherung Sinn?

Ja. Diese Versicherung wird nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben, erklärt Michael Fehmer. Eine Elementarversicherung zahlt bei Aufräumarbeiten von Bäumen, Regenwasseransammlungen und Zerstörung von Gartenanlagen durch extreme Wetterereignisse, so Fehmer.

Wer zahlt, wenn ein städtischer Baum durch Sturm das eigene Grundstück beschädigt?

Dann wird es schwierig, sagt Fehmer. Denn: In der Regel ist die Stadt versichert. Allerdings gebe es enorme bürokratische Hürden, um an sein Geld zu kommen. Denn aus Sicht der Stadt müssten viel mehr Fragen geklärt werden. Es muss genau nachgewiesen werden, wie oft die Bäume etwa begutachtet und geschnitten wurden.

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