Altenbrunslarer fühlen sich schlecht informiert

Kritik an Windrad-Projekt - Anlagen auf Mönchskopf geplant

Bei Altenbrunslar soll ein kleiner Windpark entstehen.

Felsberg. Die Stadt Felsberg will beantragen, dass im Gebiet der Kommune eine weitere Vorrangfläche für Windkraftanlagen ausgewiesen wird - und zwar auf dem Mönchskopf bei Altenbrunslar.

Die Waldinteressentenschaft „Die Mark“ möchte auf der etwa 111 Hektar großen Fläche von der Firma Ventotec sechs Windkraftanlagen mit je drei Megawatt Leistung und einer Höhe von je 134 Metern errichten lassen. Rund 1,5 Hektar Wald müssten dafür gerodet werden.

DIE SKEPTIKER

Doch das Projekt wird zum Teil skeptisch gesehen. Denn es ist unklar, ob die Stadt oder auch der Stadtteil Altenbrunslar davon profitieren würden, wenn am Mönchskopf Windräder stehen. „Die Flächen gehören zur Hälfte den Waldinteressenten, zur Hälfte dem Land Hessen“, sagt Babette Tanner, SPD-Stadtverordnete und Mitglied im Ortsbeirat Altenbrunslar. Pachteinnahmen aus den Windrädern würden nur an die Eigentümer der Flächen fließen - die Stadt würde leer ausgehen. Zudem liege das Gebiet nur etwa 1000 Meter von Altenbrunslar entfernt, und damit deutlich dichter an Wohnhäusern als etwa die Windvorrangfläche im Markwald Beuerholz.

In Altenbrunslar regt sich deshalb Widerstand gegen das Projekt. „Die Leute im Ort haben Angst, dass ihre Häuser und Grundstücke durch den Bau von Windrädern entwertet werden könnten“, sagt Ortsvorsteher Werner Bolz. Er selbst teile diese Sorge aber nicht: „Die Windräder wären von Altenbrunslar aus gar nicht zu sehen“, sagt er.

Bolz kritisiert etwas anderes: „Wir fühlen uns über die Pläne nicht richtig informiert, das läuft alles an uns vorbei.“ Deshalb hat der Ortsbeirat eine öffentliche Info-Veranstaltung zu dem Projekt gefordert. „Wir wollen wissen, was genau auf uns zukommt“, sagt Bolz.

DIE BEFÜRWORTER

Dass die Altenbrunslarer nicht ausreichend über das Projekt informiert wurden, bestreitet der stellvertretende Ortsvorsteher Marcus Möller. Er ist Mitglied in der Waldinteressentenschaft „Die Mark“, die die Windräder bauen lassen möchte. Im Dezember 2014 habe die Waldinteressentenschaft den Ortsbeirat bereits über die Pläne informiert, sagt Möller. Er kann auch die Bedenken gegenüber den Windrädern nicht nachvollziehen: „Wer die Energiewende will, aber nach dem Sankt-Florians-Prinzip verfährt, macht sich unglaubwürdig“, sagt er. Die Stadt würde durch die Gewerbesteuer in jedem Fall von den Windkraftanlagen profitieren - „das tut einer klammen Kommune wie Felsberg gut.“ Und eine Beeinträchtigung der Bewohner durch das Projekt sieht er nicht: „Die nahegelegene Autobahn ist lauter als jedes Windrad.“

Das sagt der Bürgermeister

„Wir wollen unseren Beitrag zur Energiewende leisten“, sagt Bürgermeister Volker Steinmetz. Deshalb unterstütze die Stadt die Windkraft-Pläne auf dem Mönchskopf. Allerdings wünsche er sich, dass die Kommune ebenfalls von dem Projekt profitiere - etwa, indem sie einen Anteil an den Pachteinnahmen erhalte. Wie berichtet, hat der Planungsausschuss der Regionalversammlung den Landtag aufgefordert, einen entsprechenden Beschluss zu fällen.

Kein Beschluss:
Parlament verwies Thema in Ausschüsse 

Eigentlich sollten die Stadtverordneten bereits in ihrer jüngsten Sitzung am 28. Mai darüber entscheiden, ob die Aufnahme der Windvorrangfläche beantragt wird. Allerdings wurde in der Sitzung beschlossen, das Thema zunächst noch einmal in den Ausschüssen beraten zu lassen. Die Stadtverordneten sollen erst in einer der kommenden Sitzungen einen Beschluss fassen.

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