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Landwirt aus Beuern landet Glücksgriff mit Hirse-Anbau

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Von: Manfred Schaake

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Freuen sich über ein gelungenes Experiment und die Hirse-Ernte: die Landwirte Dorli (links) und Helmut Göbel (rechts) sowie der Mähdrescherfahrer Rolf Döring.
Freuen sich über ein gelungenes Experiment und die Hirse-Ernte: die Landwirte Dorli (links) und Helmut Göbel (rechts) sowie der Mähdrescherfahrer Rolf Döring. © Manfred Schaake

Erstmals ist in der Region Hirse angebaut und geerntet worden. Landwirt Helmut Göbel aus Beuern wagte den Versuch und erzielte dank des warmen Sommers eine Ernte wie in Italien.

Beuern – Erstmals ist in der Region Hirse angebaut und erfolgreich geerntet worden. Für den Landwirtschaftsmeister Helmut Göbel aus Beuern war es ein Versuch. Nach der Ernte mit dem Mähdrescher sagte er: „Der Versuch ist überraschend gut geglückt.“ Von einer zwei Hektar großen Fläche am Vorderen Klapperberg hat er 10,5 Tonnen Hirse geerntet. Göbel: „Die Qualität ist sehr gut.“

Bei sommerlichen Temperaturen von bis zu 25 Grad lachte Göbel am Montagnachmittag mit der Sonne um die Wette. „Die Qualität unserer Hirse ist so gut wie in normalen Zeiten in Norditalien“, sagte er im HNA-Gespräch.

Der Hirse-Anbau läuft derzeit in Hessen nur als Versuch. Wie berichtet, baut der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) auf Demonstrationsflächen in Bad Hersfeld Hirse sowie die aus Nordamerika stammende Durchwachsene Silphie an. Hirse ist laut Zentrum der Gesundheit die Sammelbezeichnung für kleinfruchtiges Spelzgetreide mit zehn bis zwölf Gattungen. Hirse gehört zur Familie der Süßgräser, ist vitaminstoffreich, glutenfrei und leicht bekömmlich.

Ungewöhnliches Bild Mitte Oktober: Ein Mähdrescher im Einsatz, um die Hirse zu ernten.
Ungewöhnliches Bild Mitte Oktober: Ein Mähdrescher im Einsatz, um die Hirse zu ernten. © Schaake, Manfred

Die Anbaufläche für Hirse ist, so das LLH, noch so klein, dass sie von den Statistikern noch gar nicht als Einzelwert erfasst worden sei. Die Fläche bei Bad Hersfeld ist ein Hektar groß. Umso mehr freut sich Helmut Göbel über seinen Erfolg auf dem steinigen Land zwischen Autobahnzubringer und Langenwald. An diesem Südwesthang wollte der Land- und Energiewirt testen, wie Hirse in diesen Breiten reif werden kann. „Ganz wenig Verluste“, sagte er sich nach der Ernte.

Die Hirse in der Nahaufnahme: Die Körner werden unter anderem als Futter für Hühner genutzt.
Die Hirse in der Nahaufnahme: Die Körner werden unter anderem als Futter für Hühner genutzt. © Schaake, Manfred

„Normalerweise gedeiht die Frucht südlich der Alpen“, erläutert Göbel, und unter normalen Umständen werde sie bei uns gar nicht reif. Der sonnenreiche Sommer habe dafür gesorgt, dass sie auch bei uns ausreifen könne – so gut, wie in normalen Jahren in Italien. Hirse ist genetisch ein Gras und hat eine Rispe. Jede Rispe hat über 100 Samenkörner. „Hirse hat sehr viele wertvolle Vitamine“, sagt Göbel, jedes Korn enthalte 3,6 Prozent Eiweiß. Hirse eigne sich gut für das Brotbacken, für Müsli, für eine leckere Suppe. „Und sie ist gut für das Nervensystem der Menschen.“ Und die Hirse dient der Eierproduktion. Die Körner werden gern als Zugabe-Futter für Hühner genutzt.

Was er nun aus seiner Hirse macht, weiß Göbel noch nicht. Sie ist erstmal eingelagert. „Ich will die seltene Frucht ausprobieren und testen, wie man sie am besten verwenden kann“, sagt der experimentierfreudige Bauer. Der hat jetzt einen neuen Namen: Hirsebauer nannten ihn Bekannte, die spontan aufs Feld kamen, als sie den Mähdrescher sahen. Ein Mähdrescher Mitte Oktober – der Klimawandel machts möglich. (Manfred Schaake)

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