Kinder warten sehnsüchtig

Langes Warten auf den Spielplatz: Bauzaun sichert seit Wochen das Gelände in Heßlar

Vor dem abgesperrten Spielplatz: Die Heßlarer Kinder von links Lucas Schmidt, Anna Schmidt, Diana Dossmann, Moritz Stürmer, David Dossmann, Mia Pioro, Melissa Pioro und Felix Lutze wollen endlich spielen.
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Vor dem abgesperrten Spielplatz: Die Heßlarer Kinder von links Lucas Schmidt, Anna Schmidt, Diana Dossmann, Moritz Stürmer, David Dossmann, Mia Pioro, Melissa Pioro und Felix Lutze wollen endlich spielen.

Was nützt der schönste neue Spielplatz, wenn die Kinder nicht dort spielen dürfen? In Heßlar ist das der Fall, denn dort wurde zwar ein neuer Spielplatz angelegt, und die Kinder können ihn seit Wochen durch einen Bauzaun sehen – aber spielen dürfen sie noch nicht. Der Platz ist seit Langem eine Baustelle, vor allem eine mit langer Vorgeschichte.

Heßlar - Der Ärger war so groß bei Kindern und Eltern, dass die HNA eingeschaltet wurde. Ein Anruf beim Bürgermeister half, dass seit einigen Tagen Mitarbeiter des Bauhofs am Spielplatz zugange sind – die Vorgeschichte soll aber nicht unerwähnt bleiben.

Alles fing mit dem Feuerwehr-Anbau an, der genau dort gebaut wurde, wo der alte Spielplatz war. Dieser musste weichen mit seiner Doppelschaukel, Kriechröhre, Tischtennisplatte, schrägen Reifenschaukel und dem Rutschenturm, Sandkasten und Fachwerkhäuschen zum Klettern.

Suche nach Standort

Bürgermeister Volker Steinmetz sicherte den Heßlarern damals einen adäquaten Ersatz zu. Das war 2018. Zur Debatte stand eine Fläche hinterm Feuerwehr-Anbau. An der Hanglage wäre aber nur Platz für ein Spielgerät gewesen, sagt Patrick Lutze, der Vater eines Sohnes ist. Eine Alternative zu finden, dauerte sehr lange. Auch auf Nachfragen der Eltern sei es nicht vorangegangen, kritisiert Lutze. „Das hat die Stadt verschlafen.“ Schließlich bot eine Heßlarer Familie an, einen Teil ihres Grundstücks an der Ecke Lehmkaute/Lindenstraße an die Stadt zu verkaufen.

Die Eltern überlegten mit dem Ortsbeirat, welche Spielgeräte auf den neuen Platz kommen könnten. Gewünscht wurden auch Spielmöglichkeiten für jüngere Kinder, etwa Federtiere und eine Kleinkindschaukel. Außerdem kamen Balancierseil, Trampolin und Sandspiel auf die Liste. Aber wieder ging viel Zeit ins Land.

Unterschriftenaktion

Im Juli 2020 starteten die Eltern eine Unterschriftenaktion: 128 Unterschriften – und damit „fast jeder Haushalt im Dorf“, sagt Melanie Pioro, die Mutter von zwei Töchtern ist – wurden an Bürgermeister Steinmetz und Landrat Winfried Becker übergeben.

Im September 2020 gab es dann einen Ortstermin mit der Stadt. Eine Agenda mit zeitlichem Ablauf wurde festgelegt. Demnach sollte der Spielplatz im Spätsommer 2021 fertig sein. „Es gibt aber immer noch keinen Zaun um den Spielplatz und Fallschutz unter den Spielgeräten“, sagen Melanie Pioro und Patrick Lutze.

Ärger der Eltern

Auf dem Grundstück stehen Obstbäume. Die Eltern plädieren für andere Baumarten, weil sie fürchten, dass Kinder von Wespen gestochen werden, die auf dem Fallobst sitzen könnten. „Wir wünschen uns, dass wir als Eltern in die Planungen mitgenommen werden“, sagt Lutze. Stattdessen hätten die Heßlarer den Eindruck, dass die Energie der Verwaltung in den großen Abenteuerspielplatz gesteckt werde, der in Felsberg entstehen soll, „aber uns lassen sie verhungern“.

Weil die Heßlarer Kinder nicht auf ihren Spielplatz dürfen, suchen sie sich Alternativen. Da wird der Glascontainer zum Klettergerüst umfunktioniert. Und aus den restlichen Pflastersteinen des Feuerwehrhofs, die gegenüber des Spielplatzes lagern, werden Burgen gebaut.

Kritik kommt auch von Heßlars Ortsvorsteher Sven Wagner. Er hat zwar Verständnis, dass eine Verwaltung Zeit brauche, um die Pläne umzusetzen, „aber es war genug Zeit, und das ist nicht in Ordnung. In anderen Stadtteilen funktioniert das besser.“

Volker Steinmetz sagt: „Ich weiß, dass die Eltern warten.“ Aufgrund von Krankheit im Rathaus „sind wir im Verzug“. Aber es sei gut, dass der Zaun noch nicht gebaut sei, weil aktuell die Planungen laufen, ob der Spielplatz an den Dorfplatz angedockt werden soll und ob dafür „eine sinnhafte Straßengestaltung“ vorgenommen werden müsse. Also ob die Straße Zum Steinfeld verlegt wird, um einen Kreuzungsbereich mit der Straße Alter Weg zu bilden. Auch eine Verlegung der Straße Lehmkaute müsse dann mit den Anliegern diskutiert werden. „Eine Entscheidung soll so schnell wie möglich fallen.“ Entweder im Magistrat oder, wenn die Änderungen umfangreicher würden, über die Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung.

( Claudia Feser)

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