Ortstermin

Leben statt Leerstand: In Wolfershausen wandern viele alte Häuser in junge Hände

Schmuckstück in der Dorfmitte: Carlos Kögel (rechts) hat das Fachwerkhaus in Wolfershausen gekauft und saniert es derzeit. Vorher stand das Gebäude mehr als 20 Jahre lang leer. Ortsvorsteher Otto Gerhold (links) freut es, wenn in Bestandsimmobilien im Ort wieder Leben einzieht.
+
Schmuckstück in der Dorfmitte: Carlos Kögel (rechts) hat das Fachwerkhaus in Wolfershausen gekauft und saniert es derzeit. Vorher stand das Gebäude mehr als 20 Jahre lang leer. Ortsvorsteher Otto Gerhold (links) freut es, wenn in Bestandsimmobilien im Ort wieder Leben einzieht.

Sie haben ein Ohr für das, was die Menschen in ihrem Ort beschäftigt: die Ortsvorsteher. In unserer Serie stellen wir sie und ihre Ziele vor, so wie heute den Ortsvorsteher aus Wolfershausen.

Wolfershausen – Wer durch Wolfershausen fährt, kann an vielen Ecken alte Häuser entdecken, die mit Liebe saniert worden sind. Das freut insbesondere Ortsvorsteher Otto Gerhold.

Seitdem er das Amt 2016 übernommen hat, kämpft er gegen Leerstände im Dorf – mit Erfolg, wie er sagt: „Wir hatten mal 16 leer stehende Gebäude und konnten die Zahl auf etwa vier reduzieren.“

Um dieses Ziel zu erreichen, habe er sich bemüht, die Eigentümer der Häuser ausfindig zu machen, die oft schon seit langem nicht mehr in Wolfershausen lebten, und mit ihnen Gespräche geführt, erzählt der 75-Jährige.

Ortsmitte

Es sei ein Anliegen des Ortsbeirats, das Zentrum von Wolfershausen zu festigen und zu beleben. „Wir wollen keinen Donut-Effekt“, sagt Gerhold – gemeint ist damit, dass Neubaugebiete am Ortsrand entstehen, während der Dorfkern ausstirbt.

Deshalb begrüßen es Gerhold und seine Mitstreiter vom Ortsbeirat – Reiner Pilgram, Susanne Podworny, Andreas Hadler, Iris Heyne, Alexander Kraft und Max Schützenmeister – wenn leer stehende Immobilien wieder hergerichtet werden.

Ein Beispiel ist das markante Fachwerkhaus gegenüber der Dorflinde, das derzeit von Carlos Kögel saniert wird. Mehr als 20 Jahre lang stand das Gebäude leer. Doch dann entdeckte der 36-Jährige das Schmuckstück.

„Ich habe es mir mehrmals angeschaut – und es hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt Kögel. Auch, wenn er viel Zeit in das Projekt stecken muss, sei er immer noch froh, dass er sich für den Kauf entschieden hat.

Seit zweieinhalb Jahren ist er mit der Renovierung beschäftigt, macht viel in Eigenleistung. „Er ist ein begnadeter Handwerker“, sagt Ortsvorsteher Gerhold über Kögel.

Der 36-Jährige stammt aus Böddiger, wohnt derzeit in Spangenberg und arbeitet in Fritzlar. An Wolfershausen schätze er unter anderem die gute Erreichbarkeit dank des eigenen Bahnanschlusses.

Außerdem hatte er zu dem Dorf schon einen Bezug, weil sein Vater bereits seit einiger Zeit dort lebt. „Ich hoffe, dass ich noch in diesem Jahr einziehen kann“, sagt Kögel.

Mit der Bekämpfung des Leerstands ist es allerdings nicht getan: Der Ortsbeirat hat noch andere Ideen für die Belebung der Ortsmitte.

„Wir würden zum Beispiel gern in den Sommermonaten eine feste Veranstaltung – etwa einen Boule-Nachmittag – im Dorfzentrum etablieren“, sagt Gerhold.

Doch auch für Auswärtige soll Wolfershausen attraktiv sein. Ein weiterer Wunsch sei deshalb die Einrichtung eines Bootsanlegestegs mit Rastplatz am Eder-Wehr: „Hier kommen viele Paddler vorbei“, erzählt der Ortsvorsteher.

Spielplätze

Wichtig für ein lebendiges Dorfleben sind nicht zuletzt die Kinder – und die können sich auf zwei Spielplätzen austoben. Auch diese haben die Dorfbewohner renoviert.

„Ortsbeirat und Eltern haben dafür ein Konzept erarbeitet und mit der Stadt abgestimmt“, erzählt der Ortsvorsteher. Die Finanzierung habe die Stadt gesichert – „und wir haben ordentlich Eigenleistung reingebracht.“

Dorfgemeinschaftshaus

Das gilt auch für das Dorfgemeinschaftshaus, das die Wolfershäuser mit viel freiwilligem Engagement saniert haben (HNA berichtete).

Das einzige, was aus Sicht des Ortsbeirats jetzt noch fehle, seien neue Tische und Stühle für das Gebäude, sagt Gerhold. Der Antrag bei der Stadt sei gestellt. 700 ehrenamtliche Arbeitsstunden stecken im runderneuerten DGH.

„Das geht nur mit einer gut funktionierenden Vereinsgemeinschaft“, lobt der Ortsvorsteher. „Wenn ich die anspreche, machen alle mit.“

Vereine

Das Vereinsleben in Wolfershausen zu erhalten, liegt dem Ortsbeirat am Herzen. „Die Vereine sind unsere Bank“, betont Gerhold. Deshalb wolle der Ortsbeirat den Vereinen, die teils unter der Corona-Pandemie gelitten hätten, jede erdenkliche Hilfe anbieten.

Die Vereine seien für das Dorf nicht nur wichtig, weil ihre Mitglieder vielerorts mit anpacken. Sie trügen auch zur Integration von Zugezogenen bei, sagt er.

Austausch

Für Neu-Wolfershäuser ebenso wie für Alteingesessene wäre aus Sicht des Ortsbeirats die Dorf-Funk-App hilfreich, wie es sie beispielsweise schon in Spangenberg gibt.

Damit könnten sich die Dorfbewohner schnell und einfach untereinander austauschen. „Das steht ganz oben auf unserer Wunschliste“, sagt der Ortsvorsteher.

Weil die digitale Kommunikation aber das direkte Aufeinandertreffen nicht ersetzen kann, möchte der Ortsbeirat auch gern einen Bastel- und Schnuddelnachmittag ins Leben rufen. „Da hat uns die Pandemie ausgebremst“, sagt Gerhold.

Hochwasserschutz

Ein Thema, das derzeit viele Menschen umtreibt, beschäftigt auch die Wolfershäuser: der Schutz vor Hochwasser. Da müsse sich dringend etwas tun.

„Wir liegen hier im Kessel“, beschreibt Gerhold die Lage seines Dorfes – und damit sei Wolfershausen auch schnell von Hochwasser betroffen, wenn es Starkregen gebe. Das letzte derartige Ereignis habe es 2011 gegeben, erinnert sich der 75-Jährige.

Es gibt also viele Themen, die der Ortsbeirat anpacken will. Für Ortsvorsteher Otto Gerhold ist das kein Problem: „Ich bin pensioniert und habe alle Zeit der Welt. Ich kann mich reinknien“, sagt er und lacht.

Und was vielleicht das Wichtigste ist: „Ich mach’s mit Freude.“ (Judith Féaux De Lacroix)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.