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Marode Stützbalken der Hilgershäuser Drei-Stufen-Linde wurden ersetzt

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Von: Manfred Schaake

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Neues Stützgerüst aus Eiche: Der Hilgershäuser Ortsvorsteher Heinrich Schmidt (von links) lobte nach der Fertigstellung die Arbeit von Zimmerer-Meister Manuel Baumann und Tischlermeister Anfinn Kothe.
Neues Stützgerüst aus Eiche: Der Hilgershäuser Ortsvorsteher Heinrich Schmidt (von links) lobte nach der Fertigstellung die Arbeit von Zimmerer-Meister Manuel Baumann und Tischlermeister Anfinn Kothe. © Manfred Schaake

Die Hilgershäuser Drei-Stufen-Linde steht wieder auf festen Füßen.

Hilgershausen – Die maroden Teile des Schutzgerüstes sind durch eine neue Eichen-Konstruktion ersetzt worden.

Die Balken wurden aus einer 150 Jahre alten deutschen Eiche geschnitten. Die Kosten betragen rund 12 500 Euro. 6500 Euro zahlt der Landkreis, den Rest das Hessische Landesamt für Denkmalpflege.

Tischlermeister Anfinn Kothe, geschäftsführender Gesellschafter des Tischlerservice Melsungen mit Sitz in Felsberg, und Zimmerer-Meister Manuel Baumann haben die Arbeiten ausgeführt. „Es freut uns, dass die Arbeiten zum Erhalt der Linde gemacht wurden“, sagt Ortsvorsteher Heinrich Schmidt. „Wir Hilgershäuser sind stolz auf unser Naturdenkmal.“

Stolz auf unser Naturdenkmal

Schmidt schiebt einen Wunsch nach: „Schnellstmöglich sollten Restarbeiten ausgeführt werden.“ Er meint den Rest des Gerüsts. Die Balken sind aus den 1960er-Jahren und waren nicht so marode wie die Erneuerten. Dennoch bestehe Bedarf. Vizelandrat Jürgen Kaufmann sagte: „Wir werden das Gerüst in den kommenden Jahren nach Bedarf sanieren und sicherstellen, dass die Dorflinde in ihrer Einzigartigkeit noch lange erhalten bleibt.“

„Es ist schön, solch ein Projekt begleiten zu dürfen“, sagten Kothe und Baumnann. „So etwas gehört nicht zu unserem Alltag.“ Beide freuen sich über das Ergebnis und darüber, ein Kulturdenkmal geschützt zu haben. Somit werde es viele Jahre bewahrt.

Gerichts und Tanzlinde

Die Linde war eine Gerichts- und Tanzlinde. Sie soll um 1640 gepflanzt worden sein. 1740 beziehungsweise 1747 wird sie erstmals urkundlich erwähnt und laut Staatsarchiv Marburg im Kataster angegeben. Die Linde mit ihrem seltenen, dreistufigen Schnitt steht auf dem ehemaligen Dorfbrunnen, dem Lindenborn von 1560.

Davon ist ein Balken von 1240 gefunden worden, der der Wasserversorgung des heutigen Felsberger Stadtteils diente. Schmidt zeigt ihn im Backhaus. Das Jahr 1240 haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Zum Vergleich: Bei der Felsburgsanierung wurde ein Balken von 1360 gefunden.

Einen Zusammenhang der Linde zum Markwald Beuerholz, dem ehemaligen Schloss Falkenberg und der Stufenlinde und Kirche in Rockshausen stellt der frühere Kasseler Architekt Dr. Fritz Stück im „Handbuch des Kreises Melsungen 1941“ vom Bernecker-Verlag her. Er beschreibt den Heiligenberg als „sagenumwobenen Wächter des Ur-Chattengaus“, dem sich im Osten und Südosten der Markwald mit der Gotteskammer anschließe. Gotteskammer heißt einer der Waldbezirke. Die Kammer sei mit zum Teil mächtigen Hügelgräbern „wohl Sitz der Frau Holle“ gewesen.

Der Autor beschreibt die Hilgershäuser Kirche als alt-hersfeldischen Besitz. Kirche und Linde seien in der sommerlichen Sonnenaufgangslinie mit der Kirche und Linde Rockshausens zu der Gestirndienstwarte des Falkenbergs geortet. Der Verlauf führe vom Schloss Falkenberg über die Stufenlinden, die Kirchen und die Hügelgräber der Gotteskammer zur Liebfrauenkirche Melsungen. Zu den Linden sagt Stück, es gebe nur noch wenige Vergleichsbeispiele in Hessen.

(Manfred Schaake)

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