Nordhesse warb auch für VW, Bosch und Jägermeister

Dieses Männer-Model ist mit Robbie Williams und bei Schweighöfer zu sehen

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Eigentlich ist er IT-Experte, aber auch als Zahnarzt macht er eine gute Figur: Model Manuel Otto in einer Kampagne für den Zahntechnikhersteller Pluradent.

Manuel Otto aus Felsberg wurde per Zufall zum Model. Gerade war der IT-Experte in einem Spot mit Robbie Williams zu sehen. Warum ist dieser ganz normale Typ so begehrt?

Dass Manuel Otto aus Felsberg Model ist, erfuhr ein Bekannter aus den Niederlanden aus dem Fernsehen. Mit seiner Hardcore-Band Today Forever tourte der Hobbymusiker in den vergangenen 14 Jahren durch halb Europa. Ende November aber lief weltweit ein Spot im TV, der für den Weltfernsehtag warb.

Zu sehen waren Pop-Stars wie Robbie Williams, Szenen aus gefeierten Serien-Hits wie "Broadchurch" und Manuel Otto, der mit einer fiktiven Familie auf einem Sofa vor der Glotze saß. "Habe dich gerade im Fernsehen entdeckt. Du machst wohl keine Musik mehr", schrieb der Kumpel aus Holland. Wie wurde aus dem 39 Jahre alten Familienvater, der aus dem Borkener Stadtteil Stolzenbach stammt und IT-Leiter im Rathaus von Schwalmstadt ist, ein Model im Nebenberuf?

Das erste Shooting

Ottos ungewöhnliche Geschichte beginnt, als seine Band Today Forever PR-Bilder machen lässt. Der Fotograf bewirbt sich mit den Aufnahmen bei der Streetwear-Firma Dickies für einen Auftrag. Dort heißt es: "Du kannst die Bilder für unseren Fachhandelkatalog machen, aber bring den Typ mit dem Bart mit." Gemeinsam fahren sie für zwei Wochen nach Schweden, wo Otto die neue Kollektion tragen darf. Anschließend ist er im Lookbook zu sehen, aus dem Einzelhändler ihre Ware bestellen.

Für Otto sollte das Shooting nur ein Abenteuer zwischendurch sein, aber irgendwann fragt ihn jemand aus der Branche: "Wo kann man dich buchen?" Erst danach nimmt er Kontakt zu Agenturen auf. Anfangs stand der Hobbymusiker vor allem für Kunden wie den Musikversandhandel EMP und Jägermeister vor der Kamera. "Mit den ersten grauen Haaren kamen aber auch Anfragen von VW und Bosch", sagt Otto. Demnächst dreht er einen Spot für die Bahn, die als sehr seriös gilt, wenn ein Zug nicht wieder gerade zu spät kommt.

Aussehen ist nicht das Wichtigste

Bei Foto-Aufnahmen in Berlin, Hamburg oder Köln trifft der Nordhesse auf viele Schauspieler und Profi-Models. Er ist meist der einzige, der den Job nur nebenbei macht. Manchmal fragt sich der Vater zweier Kinder: "Warum haben die mich bestellt? Der Praktikant sieht doch viel besser aus." Otto findet, dass er "ein ganz normaler Typ" und seine Nase zu dick ist. Mittlerweile weiß er, dass es in dem Job "nicht um Schönheit geht, sondern um Natürlichkeit".

Es ist jedoch nicht einfach, natürlich zu sein, wenn ein Shooting zehn Stunden dauert, weil man selbst durchs Bild gestolpert ist, das Licht immer wieder ausfällt und ein Fotograf einfach nicht zufrieden ist. "Da tun dir schon die Backen weh", sagt Otto. Aber ansonsten sei das ein Beruf, den "jeder machen kann".

Matthias Schweighöfer und "Ostwind"

Für Otto kommt es nicht infrage, nur noch Model zu sein. Er sieht, wie sich die anderen abmühen müssen, um genügend Aufträge zu bekommen. Er selbst hätte gern für Autoscout24 Werbung gemacht. Er schaffte es auch in die Endauswahl. Aber nun hüpft in dem Spot, den wahrscheinlich jeder TV-Zuschauer schon einmal gesehen hat, ein anderer barfuß über Autos.

Auch deshalb will er seine sichere Stelle im Treysaer Rathaus "für so ein Risikoding" nicht aufgeben. Stattdessen modelt er lieber nebenbei. Ganz nebenbei kann man ihn dann etwa als Komparsen im vierten "Ostwind"-Abenteuer entdecken, das diesen Sommer auf Gut Waitzrod im Reinhardswald gedreht wurde. Für Matthias Schweighöfers Kino-Hit "Schlussmacher" war er das Double von Tom Beck, dem er sehr ähnlich sieht. Bestimmt 20 Mal stand er anstelle des Schauspielers vor der Kamera, bis das Licht perfekt eingestellt war. Dann kam Beck raus, die Szene war im Kasten und Otto nicht mehr zu sehen. Allerdings tauchte er in einer anderen Szene als Komparse auf.

Und wer sich für eine Therapie in der Betty-Ford-Entzugsklinik in Bad Brückenau bei Fulda interessiert, wird im Image-Film auf der Webseite nicht die berühmten Patienten Jan Ullrich oder Jenny Elvers sehen, sondern Otto, der über den Job lange nachgedacht hat, ehe er zu dem Schluss kam: "Ich bin nicht drogenabhängig, und da wird den Menschen geholfen. Ich mach es."

Als Zahnarzt hat Otto den Beat

Vielleicht könnte Otto den Menschen auch bei Zahnschmerzen helfen. Gerade hat er einen Werbefilm für die Firma Pluradent gedreht, die Produkte für Zahnärzte herstellt. Darin wird die Praxis zum HipHop-Studio, Otto ist der Zahnarzt mit dem Beat. Sehr lustig ist das. Darüber kann auch sein Bruder Sascha lachen. Der hat im echten Leben eine Zahnarztpraxis in Borken. Manchmal zieht er Manuel damit auf, dass der den Bohrer nicht wie ein Zahnarzt hält, sondern nur wie ein Model, das Zahnarzt spielt.

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