Arbeiten sollen im Februar beginnen

Muslime unterstützen Sanierung der Felsberger Synagoge

Vor der Felsberger Synagoge: von links Cigdem Dumlu und ihr Mann Adem Dumlu vom Verein Rumi-Kulturzentrum aus Kassel und Christopher Willing vom Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg.
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Vor der Felsberger Synagoge: von links Cigdem Dumlu und ihr Mann Adem Dumlu vom Verein Rumi-Kulturzentrum aus Kassel übergaben eine Spende von 500 Euro an Christopher Willing vom Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg.

Der Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg will in diesem Jahr mit der Sanierung des historischen Gebäudes in der Felsberger Altstadt beginnen. Für das Projekt werden Spenden benötigt - unterstützt wird es auch von einem muslimischen Verein aus Kassel.

Felsberg – Die Synagoge in Felsberg soll in neuem Glanz erstrahlen: Die Sanierung wird im Februar beginnen und soll bis März 2022 abgeschlossen sein. Das kündigt Christopher Willing, Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge Felsberg, an. Für das Projekt benötigt der Verein weitere Spenden. Einen Beitrag leistete auch der von Muslimen gegründete Verein Rumi-Kulturzentrum aus Kassel: 500 Euro haben dessen Mitglieder gesammelt, um die Sanierung zu unterstützen. Der Verein Rumi organisiert interreligiöse Veranstaltungen.

„Wir kennen den Verein zur Rettung der Synagoge schon seit vielen Jahren“, sagt Cigdem Dumlu vom Verein Rumi. „Wir haben oft gemeinsame Filmabende mit anschließenden Diskussionsrunden veranstaltet.“ Diese Veranstaltungen konnten wegen der Corona-Pandemie nun schon seit Langem nicht mehr stattfinden. Auch eine eigentlich gemeinsam geplante Reise nach Israel wurde wegen Corona wieder abgesagt, erzählt Dumlu. Deshalb sei es den Rumi-Mitgliedern wichtig gewesen, als Zeichen des interreligiösen Dialogs für das Synagogen-Projekt zu spenden. Für ihre Aktionen wird der Vereins Rumi zum Teil angefeindet: „Manche werfen uns vor, wir würden versuchen, den Islam zu modernisieren oder gar zu christianisieren“, sagt Dumlu. Beispielsweise hatten Vereinsmitglieder in der Weihnachtszeit zusammen mit Christen in der Kasseler Martinskirche eine Kerze angezündet und gemeinsam gebetet.

„Radikalisierung findet statt, weil man seine eigene Religion nicht kennt und weil man sein Gegenüber nicht kennt“, sagt Dumlu. Dem wolle der Verein vorbeugen, indem er Anhänger verschiedener Religionen zusammen bringe. „Der Umgang des Propheten Mohammed mit anderen Religionen war respektvoll“, betont Dumlu. „Die Religionen sind gar nicht so weit auseinander, sondern werden oft von Politik und Machtstreben missbraucht“, sagt auch Christopher Willing.

Im Februar soll mit der Sanierung des Dachs der Synagoge begonnen werden. Das Dach muss abgenommen, defekte Balken sollen ausgetauscht werden. Eigentlich sollten diese Arbeiten schon im vergangenen Jahr starten. Ein Grund für die Verzögerung ist laut Willing, dass es Verwirrung um die Frage gab, wer als Bauherr auftritt: Die Stadt als Eigentümerin oder der Verein als Erbpachtnehmer. Inzwischen sei geklärt, dass der Verein die Rolle des Bauherrn übernehme – das werde auch von den Fördergeld-Gebern so akzeptiert.

Die Sanierung soll 1,15 Millionen Euro kosten. 1,08 Millionen Euro Spenden und Fördergeld habe man inzwischen zugesagt bekommen, sagt Christopher Willing, Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge. „Uns fehlen noch 170 000 Euro.“ Der Verein freue sich über weitere Spenden – auch über kleinere Summen: „Wir haben einen Unterstützer, der kleine Spenden bis zu einer Höhe von etwa 100 Euro verdoppeln will.“ Er sei zuversichtlich, dass der Verein das fehlende Geld noch zusammenbekommen werde, sagt Willing. (Judith Féaux de Lacroix)

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