Operation wäre zu riskant 

Nach Angriff mit Luftgewehr in Gensungen: Katze Amy trägt Projektil im Körper

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Sie sind froh, dass es Amy wieder etwas besser geht: Lena Hasper und ihr Freund Franco Rossel haben jetzt ein mulmiges Gefühl, wenn sie die Katze ins Freie lassen.

Gensungen. Das Projektil steckt immer noch in ihrem Körper: Die Gensunger Katze Amy wurde von einem unbekannten Täter aus nächster Nähe mit einem Luftgewehr beschossen. Dass sie den Angriff überlebte, war ein großes Glück: Nur knapp verfehlte das Geschoss Herz und Lunge der Katze.

Ihre Besitzerin Lena Hasper und deren Freund Franco Rossel sind schockiert über die Tat. „Was sind das für Menschen, die auf so ein armes, kleines Ding schießen?“, fragt Franco Rossel.

Die Tat

Der 23-Jährige hatte die Katze am vergangenen Freitag gegen 10 Uhr nach draußen gelassen. Gegen 16 Uhr stand Amy dann wieder vor der Balkontür und wollte in die Wohnung. Doch das Tier war völlig verändert: „Sie war abwesend, apathisch. So kennen wir Amy sonst nicht: Sie ist eigentlich verspielt und verschmust“, sagt Rossel.

Im Laufe des Abends erbrach sich die Katze zweimal – beim zweiten Mal war das Erbrochene blutig. Daraufhin brachten Lena Hasper und Franco Rossel Amy in eine tierärztliche Notklinik in Kassel. Sie fürchteten, dass Amy angefahren wurde oder etwas Falsches gefressen hatte. In der Klinik wurde die Katze geröntgt.

Das Ergebnis: Jemand hatte das Tier mit einer Luftdruckwaffe beschossen. „Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit“, sagt Hasper. „Die Tierärztin hat gesagt, dass der Täter sehr nah herangekommen sein muss, weil das Projektil so tief eingedrungen ist“, erzählt die 25-Jährige.

Die Folgen

Anders als ursprünglich berichtet, lässt sich das Geschoss nicht aus Amys Körper entfernen: Wegen der Nähe zu Herz und Lunge sei eine Operation zu riskant, schildert Franco Rossel. Amy wird deshalb mit dem Projektil im Körper weiterleben müssen. „Ich bin froh, dass es ihr jetzt wieder etwas besser geht und hoffe, dass es keine bleibenden Schäden gibt“, sagt Lena Hasper.

Die Tierarztkosten beliefen sich auf knapp 350 Euro. Viel schlimmer aber ist der Schock, der dem Paar immer noch in den Knochen sitzt. „Die Katze gehört zur Familie“, sagt Franco Rossel.

Auch Amy hat einige Tage gebraucht, um sich von dem Schreck zu erholen. „Sie hat kaum gefressen und nicht unsere Nähe gesucht, wollte lieber für sich sein“, schildert Franco Rossel. Inzwischen aber hat Amy wieder Appetit – und es zieht sie zurück ins Freie. „Sie ist einfach eine Freigängerkatze und liebt es, draußen zu sein“, sagt Lena Hasper. Deshalb könne man ihr das nicht verwehren, auch wenn es sich im Moment komisch anfühle, Amy rauszulassen. „Man hat schon Angst, dass es noch mal passiert.“

Die Reaktionen

Amy ist mit ihrem Schicksal nicht allein: „Ich habe auf Facebook gepostet, was passiert ist. Daraufhin haben sich viele Leute bei mir gemeldet, die etwas ähnliches erlebt haben“, sagt Lena Hasper. Das habe sie überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass so so häufig passiert“, sagt Lena Hasper.

Einen Verdacht, wer hinter dem Angriff auf Amy stecken könnte, hat das Paar nicht. „Das ist eine ruhige Wohngegend hier“, sagt Franco Rossel. Noch nie habe es Ärger wegen Amy gegeben, niemand habe sich über die freilaufende Katze beschwert. „Ich hoffe, dass der Täter diesen Bericht liest und sich Gedanken macht.“

Das sagt die Polizei

Der Schuss auf die Katze ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetzt und ein Straftatbestand. § 17 des Tierschutzgesetzes sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor, wenn ein Tier mutwillig getötet oder gequält wird. Angriffe auf Tiere gebe es im Schwalm-Eder-Kreis leider immer wieder mal, sagt Thomas Gläsel von der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Aus jüngster Zeit seien ihm aber außer dem Fall Amy keine derartigen Vorfälle bekannt. 2015 wurden 19 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gemeldet, davon wurden neun aufgeklärt. 2016 waren es 21 Fälle, davon wurden zwölf aufgeklärt. 2017 wurden 14 Fälle erfasst, acht davon wurden aufgeklärt. Für 2018 liegt noch keine Statistik vor. 

Erst in der vergangenen Woche ist im Hessisch Lichtenauer Ortsteil Reichenbach eine verstümmelte Katze ohne Kopf und ohne Schwanz gefunden worden.

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