Sicherheit und Stabilität

Nahost-Experte Dr. Kinan Jaeger über Anschläge, Europa und Trump

Eine ahle Wurscht aus Mosheim: Die überreichte Felsbergs FDP-Vorsitzender Michael Thomas Maaß, links, beim traditionellen Neujahrsempfang der FDP Felsberg an den renommierten Politik-Experten Dr. Kinan Jaeger. Neben ihm der frühere Minister Dieter Posch und FDP-Kreisvorsitzender Nils Weigand. Foto: Schaake

Felsberg.  Nahost-Experte Dr. Kinan Jaeger war am Samstag beim Neujahrsempfang der FDP Felsberg im Gemeindesaal der katholischen Kirchengemeinde zu Gast. Über zwei Stunden ging es mit Diskussion um Krieg und Frieden. Die wichtigsten Thesen.

SICHERHEIT

„Wir müssen aufpassen, dass die Welt um uns herum nicht zusammenbricht“, sagte Jaeger. Staatsverfall bringe neue Machtstrukturen mit sich. Bürgerkrieg drohe, die Stabilität im Mittelmeerraum sei gefährdet. Man brauche dringend ein Aufbauprogramm, einen Marschallplan. Jaeger: „Wir sind maßlos enttäuscht von den Amerikanern. Die Hilfe fehlt.“ Der Islamische Terrorismus bedrohe die ganze Welt.

ANSCHLÄGE

Deutschland zahle jährlich 25 Milliarden Euro für Flüchtlinge. „Das ist viel“, sagte Jaeger und fragte: „Wo sind Fehler gemacht worden? Warum haben wir Anschläge?“ Die Täter kommen aus sozialen Brennpunkten, erklärte Jaeger. Und: „Die Radikalisierung in Moscheen darf nicht einsetzen und nicht unkontrolliert ausufern.“

TÜRKEI

Die Türkei, die fast drei Millionen Flüchtlinge aufgenommen habe, sei ein wichtiges Energie-Transitland, Brücke zwischen Orient und Okzident. „Wir dürfen die Türkei nicht fallen lassen“, forderte Jaeger. Dort entwickele sich eine Demokratur, die man kritisch begleiten müsse. Man müsse der Türkei und Präsident Erdogan „die roten Linien aufzeichnen, aber nicht die rote Karte zeigen“.

BUNDESWEHR

Die Bundeswehreinsätze im Ausland „erwartet man von uns“, sagte Jaeger, der Politiker und Soldaten berät. Die Bundeswehr brauche dringend Menschen und finanzielle Aufrüstung: „Bei der Technik brennt es an allen Ecken.“ Die „Suspendierung der Wehrpflicht“ müsse aufgehoben werden, „wenn sich die Konfliktlage in Europa weiter verschärfen sollte“.

NATO UND EUROPA

„Die NATO ist ein sehr erfolgreiches Konzept“, sagte Jaeger: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zerdrückt werden zwischen den großen Mächten. Eine Wieder-Annäherung an Russland wäre nicht der schlechteste Schritt.“ Deutschland sei gefordert, im gegenseitigen Einvernehmen aller Partner die Führung in der EU zu übernehmen. Ex-Minister Dieter Posch dazu: „Wir alle müssen dafür sorgen, dass Europa zusammensteht und die Streitereien zwischen den einzelnen Ländern beseitigt werden.“

PRÄSIDENT TRUMP

„Man muss mit dem Schlimmsten rechnen“, sagte Jaeger zum Thema Trump. FDP-Kreisvorsitzender Nils Weigand: „Nach der Wahlnacht bin ich depressiv ins Bett gegangen.“ Dass man in einem demokratischen Land die Gewaltenteilung nicht mehr akzeptiere, sei unfassbar.

GEGEN POPULISMUS

„Die FDP ist die Anti-Populismuspartei“, betonte Felsbergs FDP-Vorsitzender Michael Thomas Maaß. Und: „Wir haben durch die EU 70 Jahre Frieden in Europa. Wir alle sollten an der EU hängen.“ Kreisvorsitzender Nils Weigand: „Wir sind gegen jede Form des Populismus. Wir bekennen uns klar zu Europa – der größte friedenspolitische Faktor.“

Zur Person:

Der bekannte Nahost-Experte Dr. Kinan Jaeger wurde 1966 in Damaskus geboren. Jaegers Vater ist Syrer, seine Mutter Deutsche. Jaeger wuchs in Deutschland auf. Er studierte unter anderem Islamwissenschaft an den Universitäten in Bonn, Brisbane, Toronto und Kapstadt. Kritisch und nüchtern analysierte der Politik- und Islamwissenschaftler an der Universität Bonn die weltpolitische Lage. Regelmäßig tritt er in Rundfunk und Fernsehen als Experte auf. (m.s./cha)

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