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Nur die Katze blieb zurück, berichten Geflüchtete im Altkreis Melsungen

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Von: Fabian Becker

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Wohnen derzeit in Neuenbrunslar: Die ukrainische Familie bestehend aus Timovej Hakalo (12, von links), Mutter Oksana Hakalo (39) und Oma Elena Davidov (70) hatte nur einen Rucksack und einen Koffer dabei.
Wohnen derzeit in Neuenbrunslar: Die ukrainische Familie bestehend aus Timovej Hakalo (12, von links), Mutter Oksana Hakalo (39) und Oma Elena Davidov (70) hatte nur einen Rucksack und einen Koffer dabei. © Fabian Becker

Die Hilfsbereitschaft für die geflüchteten Ukrainer ist ungebrochen. Viele spenden, Konvois werden organisiert. Derweil sind Flüchtlinge im Alkreis Melsungen angekommen.

Neuenbrunslar – Eine Familie aus Donezk wohnt derzeit bei Helena Becker aus Neuenbrunslar.

Oksana Hakalo (39) und ihr Sohn Timovej Hakalo (12) sowie ihre Mutter Elena Davidov (70) sind am vierten Tag nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine aus der ostukrainischen Stadt Donezk geflohen. „Wir haben immer wieder Schüsse und Bomben gehört“, sagt die 39-Jährige. „Das gibt es in Donezk aber schon seit 2014 regelmäßg.“ Damals gab es Bemühungen in den Oblasten (ähnlich wie Landkreise) Donezk von prorussischen Separatisten, die Oblasten zu einem eigenständigen Land zu machen. In der Folge kam es dort immer wieder zu Unruhen.

Doch diesmal war es anders. „In den Nachrichten sagte der Sprecher, dass es immer schlimmer werden wird“, erklärt Oksana Hakalo. Daher entschied sich die Familie, doch noch zu fliehen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ukrainerinnen, deren Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren nicht ausreisen durften, musste Oksana Hakalo keinen Partner im Kriegsgebiet zurücklassen. Sie sagt, ihr Exmann spiele schon länger keine Rolle mehr in ihrem Leben. Sie hat aber noch eine 22-Jährige Tochter, die in der Hafenstadt Odessa lebt und vorerst in der Ukraine bleiben wollte. „Sie hat angerufen und gesagt, es wird zwar schon geschossen, aber noch nicht so schlimm wie in Kiew, Charkiw und Donezk.“

„Zurücklassen musste die Familie aber ihre Katze, an der Timovej besonders hing. „Wir haben sie freigelassen“, sagt er. „Ich hoffe, dass sie jemand füttert.“ Per Videoanruf hat der 12-Jährige noch Kontakt zu Freunden, die in Donezk geblieben sind. „Sie sind nur noch in ihren Wohnungen, hören Sirenen, Schüsse und Bomben.“

Als die drei beschlossen, ihre Heimat zu verlassen, packten sie eilig ein paar Sachen in einen Rucksack und einen Koffer, vor allem warme Kleidung und Papiere. Mit einem Zug fuhren sie am 28. Februar um 11 Uhr in Richtung Lwiw ab. In Charkiw und Kiew stiegen weitere Flüchtlinge zu. „In dem Zug gab es Kabinen für vier Personen“, sagt die 39-Jährige, „doch in jeder Kabine waren zehn Menschen.“ In der Nacht wurde das Licht ausgemacht, die Gardinen zugezogen und der Zug fuhr nur langsam. „Wir haben gebetet, dass nichts passiert.“

Am nächsten Tag um 12 Uhr  erreichten sie die westukrainische Stadt Lwiw. In der Nacht um 0.40 Uhr stiegen sie in einen Zug Richtung Polen. „Am Bahnhof war eine große Schlange, aber Helfer haben das koordiniert“, sagt Oksana Hakalo. „Sie haben aufgepasst, dass Familien nicht auseinander gerissen werden.“ Im Zug habe es keine Toiletten gegeben. „Es war sehr heiß wegen der vielen Menschen, doch die Fenster ließen sich nicht öffnen.“ In Polen angekommen, gaben ihnen Helfer Essen, Süßigkeiten und Getränke. „Wir sind sehr dankbar für die Hilfe“, sagt die 39-Jährige, „damit haben wir nicht gerechnet.“

Auf der Flucht trafen die drei eine Bekannte von Helena Becker aus Neuenbrunslar. Becker hat kasachische Wurzeln und spricht deshalb russisch, genauso wie die ukrainische Familie. Die Bekannte stellte den Kontakt her. Ihr Mann Eduard Becker und sie entschieden, die Familie zunächst mit dem Auto zu sich zu holen. Nun suchen sie nach einer Wohnung, in der die drei für längere Zeit bleiben können.. (Von Fabian Becker)

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