Ortsbeirat Gensungen: Bahnhofsvorplatz  für Herwig?

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Der renovierte Bahnhof in Gensungen: der Vorplatz zwischen dem Gebäude und der Ederbrücke sollte nach dem Widerstandskämpfer Egbert Hayessen benannt werden. Das schlägt Dieter Vaupel vor. 

Gensungen – Der Bahnhofsvorplatz in Gensungen sollte nach dem früheren Bürgermeister Adolf Herwig benannt werden.

Diese Empfehlung an den Magistrat der Stadt Felsberg hat der Ortsbeirat Gensungen einstimmig beschlossen. Das hat Ortsvorsteherin Heidi Folwerk (SPD) gegenüber der HNA mitgeteilt.

Im Juli 2019 hatte der SPD-Ortsverein Gensungen den Magistrat gebeten, diesen Beschluss zu fassen: „In Erinnerung an die langjährigen und herausragenden Leistungen für das Gemeinwohl der Felsberger benennen wir das alte Bahnhofsgebäude im Stadtteil Gensungen nach dem Alt-Bürgermeister in Adolf-Herwig-Haus – Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung.”

Ab 1960 war Herwig Bürgermeister von Gensungen. Nach der Bildung der neuen Stadt Felsberg im Zuge der Gebietsreform war Herwig ab 1974 Erster Stadtrat und von 1978 bis März 1984 Bürgermeister von Felsberg.

Vom Magistrat habe man keine Antwort bekommen, sagten Ortsvorsteherin Folwerk und SPD-Vorsitzender Dr. Kai-Uve Hanitsch. Deshalb habe man nun im Ortsbeirat die Empfehlung beschlossen, den Bahnhofsvorplatz nach Herwig zu benennen.

Mit dem Weg und dem Gedenkstein am Mittelhof sei das Gedenken an Egbert Hayessen an seinem früheren Wirkungsort gewürdigt, was für Adolf Herwig fehle.

 Der Buchautor und Heimathistoriker Dieter Vaupel hat in einem Gespräch mit unserer Zeitung wiederum vorgeschlagen, den Vorplatz nach dem Widerstandskämpfer Egbert Hayessen zu benennen. Hayessen war Major im Generalstab und am Attentat auf Adolf Hitler beteiligt. Er wurde am 15. August 1944 in Berlin-Plötzensee von den Nazis hingerichtet. Eine Straße oder einen Platz nach Hayessen zu benennen – darüber wird in der Drei-Burgen-Stadt Felsberg nun schon seit Jahren diskutiert. Dabei ist allerdings bisher nichts Konkretes herausgekommen.

Vaupel – ehemaliger Leiter der Drei-Burgen-Schule – nennt drei Gedanken zur Umbenennung des Bahnhofsplatzes in Egbert-Hayessen-Platz.

Historischer Ort: Der Gensunger Bahnhof war der Ort des Abschiedes Ende Juni/ Anfang Juli 1944. Aus der Familie Hayessen wird erzählt, dass es offensichtlich eine schwere Trennung für Egbert von seiner Frau Margarete und den Kindern war.

Erinnerungskultur: Der Gensunger Bahnhof ist ein „Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung“ und damit – so Vaupel – ein idealer Platz, den Namen Egbert Hayessen in das Bewusstsein zu rücken.

Formales: Der Platz hat bisher keinen Namen, was die Benennung unkompliziert macht, argumentiert Vaupel. Es gebe keine Adressen, die geändert werden müssen.

„Insgesamt finde ich, dass dieser Platz ganz hervorragend geeignet wäre, da es ein Platz ist, der Bedeutung hat und nicht irgendein Feldweg ist, den nur Insider kennen”, betont Vaupel.

„Ich finde den Vorschlag gut,” erklärte Bürgermeister Volker Steinmetz. Der Name des Widerstandskämpfers habe in der Region eine hohe Bedeutung, und die Benennung des Platzes nach Hayessen „bringt unsere Heimatgeschichte nah an die Menschen heran”. Der Bahnhofsvorplatz stelle im Zusammenhang mit Hayessen emotionale Verbindungen her, sagt Steinmetz zu dem Vaupel-Vorschlag.

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