Widerstand gegen Höchstspannungsleitung

Protest gegen Südlink: In Felsberg soll Bürgerinitiative gegründet werden

Zwei Starkstomleitungen – 380 000 und 220 000 Volt – führen schon seit Jahrzehnten durch die Gemarkung Felsberg: Daegen gab es keine Proteste. Die Masten der geplanten Höchstspannungsleitung Südlink sollen 60 bis 100 Meter hoch werden. Foto: Schaake

Felsberg. Widerstand gegen die geplante Höchstspannungsleitung Südlink formiert sich jetzt auch in Felsberg: In der Drei-Burgen-Stadt soll eine Bürgerinitiative (BI) gegen die Starkstromleitung gegründet werden.

Das ist das Ergebnis einer Informationsveranstaltung, zu der die SPD-Stadtverordnetenfraktion für Dienstagabend ins Rathaus eingeladen hatte.

Die BI soll noch in diesem Monat gegründet werden, sagte auf HNA-Anfrage der Stadtverordnete und Kreisbeigeordnete Hilmar Löber, der die Diskussion leitete. Etwa 30 der rund 100 Besucher hinterließen für die Gründungsversammlung ihre Adressen.

„Die Bürgerinitiative ist auch in Felsberg wichtig, damit alle wach werden”, sagte Löber. Die Bürger sollten sich an der nächsten Demonstration am 14. November in Baunatal beteiligen.

Begrüßt wurde in der Versammlung, dass die Südlink-Gegner ihre Kräfte bündeln wollen. Darüber informierten Dr. Klaus Lambrecht von der Unteren Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises und Helmut Wettlaufer, Mitglied der BI „Lebenswertes Knüllwald”.

Beide kritisierten, dass mit dem Netzausbau-Beschleunigungsgesetz die Planungshoheit der Kommunen und Landkreise komplett aufgehoben worden sei. Dies dürfe man sich nicht gefallen lassen. Der Eingriff in die Natur stehe in keinem Verhältnis, sagte Wettlaufer. In den von der Leitung betroffenen Orten werde die Lebensqualität „gleich null” sein. Wettlaufer appellierte an die Bürger, bei der Bundesnetzagentur Widerspruch gegen die Leitung einzulegen: „Je mehr Widersprüche, desto besser ist die Chance, dass das Unglück verhindert wird.”

Bis heute, betonte Wettlaufer, sei nicht bewiesen, ob man den Windstrom aus dem Norden in Bayern und Baden-Württemberg überhaupt brauche. Bayern werde auch Strom aus tschechischen Atomkraftwerken einkaufen.

Als die Netzbetreiberfirma Tennet am 1. Oktober in Kassel Alternativ-Trassen vorgestellt habe, „sind wir aus allen Wolken gefallen”, sagte Klaus Lambrecht. Zu diesen Alternativen gehörten auch Trassenvarianten direkt durch Felsberg. „Muss ich mir das so vorstellen, dass ein Riesenmast auf die Felsburg kommt?”, fragte ein Bürger.

„Von Anfang an muss die Leitung in die Erde.” Das forderte Karl-Heinz Gräser aus Felsberg, und es gab im Verlauf der Diskussion viele solche Stimmen. Dr. Lambrecht erläuterte, es gebe keine gesetzliche Grundlage für Erdkabel. BI-Sprecher Wettlaufer wehrte sich dagegen, „dass wir das Versuchskaninchen sind - nirgendwo gibt es solche Leitungen”. Wettlaufer wünscht sich, dass beim künftigen Protest die Bürgerinitiativen, die Kommunen sowie die Kreise „mit geballter Macht” vorgehen: „Es muss nicht jede Kommune für sich den Klageweg beschreiten.

Auch Bürgermeister Volker Steinmetz rief dazu auf, Widerstand zu üben. Er hatte bereits den Entwurf einer Resolution in der Tasche, die das Stadtparlament am kommenden Donnerstag beschließen soll (siehe Hintergrund). „Ich sehe den exklusiven Bedarf für diese Leitung nicht.” Das sagte Bürgermeister Volker Steinmetz. „Wenn wir die Energiewende wollen, müssen alle ihr Verhalten ändern, aber nicht in Form solcher Leitungen.” Die Leitung heiße Südlink, „weil die Planung link ist”, formulierte der Bürgermeister. Wertvolles Land werde entwertet, „und ich möchte die Rodungsflächen nicht sehen”. Gemeinsam müsse man Bürger-Widerstand üben: „Wir wollen es nicht.” Er wünsche sich, dass die Resolution partei- und fraktionsübergreifend beschlossen werde.

Steinmetz kritisierte die Bundesregierung: „Sie bewegt sich auf völlig falschem Weg. Energiewende geht nur mit dem Bürger und nicht über die Köpfe der Bürger hinweg.” Der Bürgermeister kritisierte „das völlig falsche System, mit dem werden wir Schiffbruch erleiden”.

Die zu Beginn dieses Jahres vorgestellte Trassenplanung verläuft über Fritzlar, Borken und Homberg, ohne das Stadtgebiet von Felsberg zu tangieren. Am 1. Oktober wurden im Regierungspräsidium Kassel Alternativtrassen präsentiert, „wovon sechs den Bereich der Stadt Felsberg zum Teil massiv beeinträchtigen”. So ist es im Entwurf der Resolution formuliert, die am Donnerstag, 13. November, ab 19.30 Uhr im Stadtparlament beraten wird.

Laut Entwurf „ist nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die nun vorgelegten Planungsalternativen ausgewählt wurden”. Deshalb soll das Stadtparlament „das Netzausbauprojekt Südlink auf der Grundlage der bisherigen Planungsunterlagen” ablehnen. Das Parlament soll ausdrücklich die Umsetzung der Energiewende begrüßen, heißt es im Entwurf. Allerdings müsse das Ziel der dezentralen Energieerzeugung vorangebracht werden. Der Magistrat soll beauftragt werden, gemeinsam mit den anderen betroffenen Kommunen alle Mittel zu ergreifen, um eine Realisierung des Planungsvorhabens Südlink über das Gebiet des Schwalm-Eder-Kreises zu verhindern.

Von Manfred Schaake

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.