10 Minuten

Retter dank neuer Technik im Schwalm-Eder-Kreis schneller am Ziel

+
Zum Einsatz gibt’s die Wegbeschreibung: Bernd Brede, rechts, und Asod Gele Duale in einem Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes in Melsungen. Das Fahrzeug ist mit der neuen Navigationstechnik ausgestattet.

Die Hilfsfrist bei Rettungseinsätzen von zehn Minuten kann im Schwalm-Eder-Kreis nur in 86 Prozent der Fälle eingehalten werden.

90 Prozent fordert der Gesetzgeber eigentlich. Ein Röhrenfurther vermutet jetzt, dass dies mit unzureichender Ortskenntnis zusammenhängen könnte.

Um das Ziel möglichst schnell zu erreichen, ist die Ortskenntnis der Fahrer von immenser Bedeutung beziehungsweise die genaue Kenntnis von Sperrungen, Umleitungen und möglichen Nadelöhren.

Wegen eines solchen beschwerte sich jetzt der Röhrenfurther. Der Mann richtete dem Leitstellen-Mitarbeiter aus, der Rettungswagenfahrer möge Röhrenfurth über die Vierbuchenhalle anfahren, da ansonsten die Wahrscheinlichkeit bestehe, dass der Rettungswagen (RTW) an der Schranke im Ort unnötig viel Zeit verliere. So kam es dann auch. „Der Rettungswagen stand dort mehrere Minuten. Wie kann das sein“, echauffiert sich der Mann. Bei diesem Notfall sei zwar alles gut gegangen, aber das Verhalten sei inakzeptabel.

Der Fahrer hat aus Sicht des Landkreises alles richtig gemacht. Eine neue Technologie leitet die Fahrer der Rettungswagen optimal ans Ziel. Denn die richtige Strecke wird aufgrund aller vorhandenen Verkehrsmeldungen von einem Computer berechnet. Dieser spielt die Strecke direkt ins Navigationsgerät des richtigen RTW. Das best geeignete Rettungsfahrzeug kann alarmiert werden, da der Leitstellencomputer die GPS-Signale aller Rettungswagen auswertet und berechnet, welcher die kürzeste Anfahrt hat. Dabei berücksichtigt er auch die hinterlegten Baustellen.

Sämtliche Meldungen von Straßensperrungen, die bei der Leitstelle eingehen, werden zur Sicherheit auch noch an die Rettungswachen des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes weitergeleitet.

Die Besatzung der Rettungswagen hält sich daher an die vorgeschlagenen Strecken.

Gut sichtbar: Die Hinweise auf Rettungspunkte hängen im Wald. Die Nummer gut merken.

Die Rettungswagen im Schwalm-Eder-Kreis kommen schneller ans Ziel. Der Grund ist eine neue Technik, die in allen Rettungswagen vorhanden ist. Der Leitstellenrechner ermittelt die schnellste Route und spielt diese direkt auf das Navigationsgerät im RTW.

„Das bringt uns schon einiges, was die Einhaltung der Hilfsfristen angeht“, sagt Uwe Wunsch, Arbeitsgruppenleiter Rettungsdienst und Leitstelle beim Landkreis. Die neue Technik habe auch gezeigt, dass das alte System Schwächen hatte. Bis jetzt gab es für jede der 13 Rettungswachen im Landkreis ein definiertes Einsatzgebiet. In der Praxis könne es aber vorkommen, dass ein freier Rettungswagen aus Gudensberg viel schneller bei einem Notfall in Felsberg sein könnte, als der eigentlich zuständige. „Der RTW kann beispielsweise auf der Rückfahrt vom Melsunger Krankenhaus sein“, sagt Wunsch. Der neue Leitstellenrechner weiß das. Früher hätte der Leitstellendisponent so etwas nur vermuten können und hätte per Funk nachfragen müssen.

Dass trotz des neuen Systems Hilfsfristen in Einzelfällen nicht eingehalten werden, habe verschiedene Gründe, sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer Rettungsdienst beim Deutschen Roten Kreuz im Schwalm-Eder-Kreis. Die Umleitungsstrecken bei Straßensperrungen auf dem Land seien häufig deutlich länger als zum Beispiel in der Stadt. Häuser ohne Hausnummern, schwer zu erreichende oder abgelegen liegende Häuser und Gehöfte sind weitere Gründe.

Ein weiteres Ärgernis sind uneinsichtige oder unaufmerksame Autofahrer, ergänzt Michael Pollok, Rettungswachenleiter in Melsungen. Diese Autofahrer könnten eine RTW-Besatzung schon mal Minuten kosten.

Riskante Fahrmanöver gebe es aber dennoch nicht: „Ankommen ist das Entscheidende“, sagt Schneider.

Regelmäßige Fahrsicherheitstrainings für alle Fahrer müssen sein. „Ein Rettungswagen wiegt je nach Ausstattung bis zu vier Tonnen. Die Fahrer müssen das Fahrverhalten auch in Extremsituationen kennen.“ Trotz aller Technik, Ortskenntnis und Vorbereitungen gibt es Situationen, in denen die Fahrer besonders gefordert sind:

Verunglückte im Wald: 

Ziele im Wald sind laut Pollok immer eine besondere Herausforderung. Es besteht immer das Risiko, sich zu verfahren oder festzufahren. Überall im Wald gibt es daher Rettungs-

punkte. Diese grünen Schilder mit einem weißen Kreuz hängen gut sichtbar an den Punkten. Spaziergänger sollten sich die Beschriftung merken. Diese Rettungspunkte werden von den Sanitätern angefahren. Hilfreich ist auch die App „Hilfe im

Wald“ für Smartphones. Die App zeigt die eigene Position und nahegelegene Rettungspunkte an.

 

Die Bahnstrecken sind in der Regel schwer, oder gar nicht zu erreichen. Ähnlich wie im Wald gibt es Rettungspunkte, die den Sanitätern bekannt sind. So gelangen die Sanitäter auch an Bahnbrücken und Tunnelportale.

Autobahnunglücke

Ein großes Problem seien immer noch die unzureichenden Rettungsgassen. Das Problem habe sich gebessert, sagt Pollok, aber immer noch gebe es Schwierigkeiten, schnell an den Unglücksort zu kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.