Anwohner sorgen sich

Schweineschlachtung sorgt für Ärger: Betreiber von Biergarten wollen Tiere vor Ort töten

Dorfladen Neuenbrunslar
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Rechts neben dem Dorfladen in Neuenbrunslar sollen die Tiere angeliefert werden.

Statt Schweine zur Schlachtung kilometerweit zu transportieren, wollen Biergarten-Betreiber in Felsberg sie direkt vor Ort schlachten. Doch bei den Nachbarn kommt das nicht gut an.

Felsberg – Vor gut einem Jahr eröffneten Nico Stöcker und seine Partnerin Miriam Stock den Edder-Biergarten und Dorfladen in Neuenbrunslar. Jetzt wollen sie das Ganze erweitern. Statt die Schweine für Ahle Wurscht, Weckewerk und Co. zum Schlachten bis nach Martinhagen zu karren, sollen die Tiere direkt vor Ort in Neuenbrunslar getötet und verarbeitet werden. Doch das Vorhaben stößt bei einigen Neuenbrunslarern auf Gegenwind.

Beispielsweise bei Heike Gumbel. Ihr Haus steht neben dem Grundstück von Nico Stöcker. Vom Esszimmer hat sie den direkten Blick in den Garten ihrer Nachbarn. Die Vorstellung, dass direkt nebenan Schweine – bis zu 20 in der Woche – geschlachtet werden, löst bei ihr ein unwohles Gefühl aus. „Das bekommt man doch mit“, sagt Gumbel, die seit fast 30 Jahren dort wohnt. Nicht nur wegen möglichem Lärm ist die Nachbarin besorgt, sondern auch wegen möglicher Geruchsbelastung. Die Grundschule sei nur einen Steinwurf entfernt, auch der Kindergarten befindet sich ums Eck – kein guter Ort, um Schweine zu schlachten, findet Gumbel.

Schweineschlachtung im Schwalm-Eder-Kreis: Nachbarin sammelt Unterschriften

Stellvertretend für die Nachbarschaft hat sie Unterschriften gegen das Vorhaben von Nico Stöcker gesammelt, um sie an Bürgermeister Volker Steinmetz zu übergeben – rund 200 sind zusammengekommen. Viele hätten von den Planungen noch gar nichts gewusst. „Die sind aus allen Wolken gefallen, als sie gehört haben, dass hier ein Schlachthaus hin soll.“ Auch einige Kinder waren in der Nachbarschaft unterwegs, um Unterschriften zu sammeln.

Klar, irgendwo müssten die Tiere geschlachtet werden, sagt Gumbel, „aber hier ist defintiv der falsche Standort“. Die Bebauung sei dafür einfach zu dicht. Außerdem ist Gumbel wegen der Gebäudehöhe besorgt. Schließlich sollen auch ein bis zwei Kühe im Monat geschlachtet werden. Die Gebäude müssten ja dann eine entsprechende Höhe haben, um die Rinder aufzuhängen.

Edder-Biergarten in Neuenbrunslar: Betreiber will Weg für Schweine vermeiden

Nico Stöcker weiß um den Gegenwind aus der Nachbarschaft. Und ihn ärgert die Situation. „Da will man etwas für den Ort tun und bekommt ständig nur Steine in den Weg gelegt.“ Seit vergangenem Jahr betreibt er mit seiner Partnerin einen Biergarten und Dorfladen. Die Schlachtung direkt vor Ort solle das Konzept abrunden. Geplant seien zwei Schlachttage pro Woche, an denen maximal je zehn Schweine getötet werden. „Und dabei handelt es sich um das Maximum“, sagt Stöcker. Das bedeute aber nicht, dass diese Zahl auch tatsächlich immer ausgereizt werde. „Aber ich möchte einen Puffer haben für den Sommer, wenn der Imbisswagen besonders gut läuft. Nicht, dass wir die Leute wegschicken müssen, weil wir keine Bratwurst mehr haben.“ Das Geschäft laufe gut, durch die Lage direkt am Eder-Radweg hielten viele Radfahrer auf der Strecke am Edder-Biergarten an. „Es gibt hier ja auch sonst nichts mehr. Es ist ja alles zu“, sagt Stöcker.

Die Schweine für Wurst und Co. leben auf dem Bauernhof bei seinem Bruder, etwa einen halben Kilometer vom Biergarten entfernt. Um sie schlachten zu lassen, fährt Stöcker derzeit bis zum Schlachthof nach Martinhagen. „Es ist ein wahnsinniger Aufwand und für die Tiere nur unnötiger Transport.“ Deshalb sei es äußerst vorteilhaft, wenn Schlachtung und Verarbeitung auch direkt vor Ort abliefen, so Stöcker. Die Anlieferung der Tiere soll am Nachmittag vor der Schlachtung erfolgen – über die Weinbergstraße, die Hauptstraße gegenüber der Eder.

Schweineschlachtung in Neuenbrunslar: Kinder würden nichts mitbekommen

Über Nacht wären die Tiere in einer Ruhebucht zum Schlafen. Diese würde sich direkt neben dem Tötungsraum befinden, erklärt Miriam Stock. Geschlachtet würde morgens um 4 Uhr. 15 bis 20 Minuten später sei das Schwein bereits verarbeitungsbereit in zwei Hälften, sagt Stöcker. „Die Kinder würden auf ihrem Schulweg überhaupt nichts mitbekommen.“ Schlachtabfälle müssen gekühlt werden, sodass die Angst vor Geruchsbelastung völlig unbegründet sei, so das Paar. Da seien die ungekühlten Essensreste vom Biergarten in der Biotonne viel schlimmer. „Das soll hier auch kein Schlachthaus werden, wo Hinz und Kunz seine Schweine zum Schlachten vorbeibringen“, sagt Stöcker. Aber natürlich könne es sein, dass man auch mal ein Tier für jemanden mitschlachte.

Das eigentliche Schlachthaus soll auch gar nicht neu gebaut werden, sondern existiert bereits. Derzeit ist es ein Lagerraum. Neu bauen wollen die beiden eine Küche, denn die jetzige sei einfach zu klein. Außerdem muss ein Anbau für die Verarbeitung her. „Das ist hier alles gerade nur provisorisch“, sagt Stöcker. Unter solchen Bedingungen könne man nicht auf ewig arbeiten. (Carolin Hartung)

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