Sie will Hindernisse abbauen

Beate Peter ist neue Behindertenbeauftragte in Felsberg

Beate Peter ist die neue Behindertenbeauftragte in Felsberg.
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Beate Peter ist die neue Behindertenbeauftragte in Felsberg.

Beate Peter will als neue Behindertenbeuaftragte in Felsberg Hindernisse abbauen. Ihren ersten Einsatz als neue Behindertenbeauftragte hatte sier schon, bevor sie das Ehrenamt ganz offiziell übernommen hatte. Und das ganz zufällig.

Felsberg - Die 63-Jährige ging in Felsberg spazieren und kam am Berliner Platz vorbei, wo gerade noch Bauarbeiten am neuen Kreisel der Ortsumgehung liefen. Peter stellte fest, dass die Ausgestaltung des Gehsteigs nicht behindertenfreundlich war – und sprach das Problem an. Die Planungen für den Kreisel wurden daraufhin verändert. Ein Mitarbeiter von Hessen Mobil habe sich danach bei ihr für den Hinweis bedankt mit den Worten: „Sie sehen das mit anderen Augen als wir“, erzählt Peter.

Die Gensungerin kennt die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap gut, denn ihre heute 44-jährige Tochter Nicole ist von Geburt an geistig und körperlich behindert. „Ich lebe seit 44 Jahren mit dem Gedanken an den Tod“, sagt Peter. Denn ihrer Tochter wurde von den Ärzten eine Lebenserwartung von maximal 20 Jahren prophezeit. Auch wusste niemand, ob Nicole jemals sitzen oder gar laufen können würde. „Sie hat erst vier Wochen nach der Geburt zum ersten Mal die Augen geöffnet“, erinnert sich die Mutter.

Doch Beate Peter setzte alle Hebel in Bewegung, um Nicole jede erdenkliche Behandlung zu ermöglichen. Auch dann, als ziemlich genau ein Jahr später Nicoles Schwester Nadine zur Welt kam. „Es war fast, als würde man Zwillinge aufziehen“, erinnert sich Peter. Und diese Aufgabe stemmte sie fast im Alleingang, denn als die Töchter drei und vier Jahre alt waren, nahm ihr Mann Friedhelm eine Arbeit an, für die er bis zu 300 Tage im Jahr im Ausland unterwegs sein musste. „Das hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin“, sagt Peter. Sie sei sehr selbstständig, weil sie fast alle Entscheidungen allein treffen musste.

Beate Peter musste in ihrem Leben oft Stärke beweisen: Zweimal erkrankte ihre Tochter Nicole so schwer, dass die Eltern um ihr Leben bangen mussten. Peters Vater ist vor 13 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Zuletzt traf es ihren Mann Friedhelm: 2014 wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Am 12. Februar 2015 starb er in den Armen seiner Frau. „Ich weiß, was es heißt, Abschied zu nehmen“, sagt Peter.

Trotz aller Schicksalsschläge engagiert sie sich schon seit Langem ehrenamtlich: Erst im Elternbeirat der Fritzlarer Schule Am Dom, die Nicole besuchte, dann im Angehörigenbeirat der Baunataler Diakonie Kassel (Bdks), wo Nicole später in den Werkstätten arbeitete. Den Vorsitz des Gesamtangehörigenbeirats hat Peter vor zwei Jahren abgegeben, aber Mitglied im Beirat ist sie nach wie vor. Eine Zeit lang organisierte sie in Wabern Kochkurse für Menschen mit Behinderung. „Man bekommt so viel Liebe und Dankbarkeit“, sagt sie über ihre ehrenamtliche Arbeit.

Als Beate Peter gefragt wurde, ob sie das Amt der Behindertenbeauftragten für Felsberg übernehmen wolle, nahm sie sich einen Tag Bedenkzeit und sagte dann zu. Woher sie die Kraft nimmt für ihr Engagement? „Meine Hauptenergiequelle ist es, raus in die Natur zu gehen.“ Ihr Lieblingsort ist der Heiligenberg, den sie auch von ihrer Wohnung aus sehen kann. Dort sitze sie manchmal eine Stunde lang und genieße den Ausblick.

Solche schönen Orte auch für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen, ist Beate Peter wichtig: „Ich gehe zum Beispiel gern im Sunderbachtal spazieren, aber da kann man mit dem Rollstuhl nicht entlang gehen.“ Überhaupt gebe es im Felsberger Stadtgebiet noch viele Wege, die nicht behindertengerecht seien, etwa, weil ein Rollstuhl auf dem holprigen Untergrund wegkippe. Auf dem Gensunger Friedhof etwa gebe es Grabstätten, die für Gehbehinderte nicht erreichbar seien. Es gibt also genug zu tun für Felsbergs neue Behindertenbeauftragte. Dabei will sie ihrem Motto gerecht werden: „Menschen mit Behinderung gehören in unsere Mitte.“ (Judith Féaux De Lacroix)

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