Soziale Treffpunkte erhalten: Dorfmoderation  über Felsberger Dorfgemeinschaftshäuser  gestartet

Niedervorschütz – Für die künftige Nutzung und die Weiterentwicklung der zwölf Dorfgemeinschaftshäuser (DGH) der Stadt Felsberg wird es bis zum Herbst vier ergebnisoffene Zukunftswerkstätten mit Bürgerbeteiligung geben.

 Das kündigte der Dorfentwickler Hartmut Lüdeling in einer Auftaktveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Niedervorschütz an. Etwa 80 Menschen waren gekommen. Lüdeling ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Dorfentwicklung in Detmold, die im Auftrag der Stadt Felsberg ein Konzept für die DGH erarbeiten wird. Die Abschlussveranstaltung ist für den September geplant. Oberstes Ziel: Geld sparen. Der Treff in Niedervorschütz war der Auftakt des sogenannten Projektes Dorfmoderation in Felsberg.

Die aktuellen Fragen: Sind die DGH noch zukunftsfähig und zeitgemäß, sind sie noch bezahlbar, brauchen die Felsberger die DGH noch? Gegen eventuelle Schließungen hatte es bereits Proteste gegeben. Lüdeling warf zwei Perspektiven an die Leinwand, die er so formulierte:

.  Erhalt der sozialen Treffpunkte als Basis weiterer Überlegungen zur täglichen beziehungsweise wöchentlichen Bedarfsdeckung.

. Kooperationen mehrerer DGH für monatliche und jährlich wiederkehrende Veranstaltungen.

Wegen brandschutzrechtlicher Vorgaben, der Entwicklung der Kosten und der Barrierefreiheit „wird man an die Dorfgemeinschaftshäuser rangehen müssen”, formulierte Bürgermeister Volker Steinmetz. Die DGH seien in die Jahre gekommen. Lohre habe man aus Brandschutzgründen schon einmal schließen müssen, dann habe man eine Teil-Nutzung zugelassen. „In Lohre hat sich eine ganze Menge zum Positiven bewegt”, sagte Steinmetz. „Bleiben Sie kreativ”, rief er den Menschen im Zusammenhang mit der DGH-Diskussion zu, „Felsberg ist sehr vielgestaltig, und so soll es bleiben.” Dorfentwickler Lüdeling stellte einen „sehr spannenden und hoch effektiven Prozess” in Aussicht, „und am Ende werden Sie froh sein, dass was vorangekommen ist”. Alles müsse kritisch hinterfragt werden. Die Gemeinschaftshäuser hätten wichtige Sozialfunktionen, stärkten die Lebensverhältnisse und das Wir-Gefühl: „Aber das schönste DGH nützt nichts, wenn die Stadt als Finanzierer ausfällt.” So müsse man das Thema DGH vom Dorfcafé bis zum Reparaturcafé neu denken und nach anderen, neuen Lösungen suchen. Als ketzerisch bezeichnete Lüdeling die Frage: Kann das DGH eigenwirtschaftlich betrieben werden?

Zur Anregung des Dorfentwicklers, Photovoltaik zu installieren, sagte ein Besucher, das hätte man schon längst machen können. Ein anderer fragte, warum man nicht das Projekt Alter Bahnhof Gensungen gestoppt habe, um die DGH zu retten. Stephan Bürger, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtparlament, regte an, in den Dörfern konkret zu fragen, was die Bürger wollen.

Termine: Am Dienstag, 11. Februar, geht es ab 19 Uhr im Alten Bahnhof Gensungen um das Thema „Ortsdurchfahrt Felsberg lebenswerter gestalten“ und am Dienstag, 3. März, ab 19 Uhr im Bahnhof um die „umweltgerechte Pflege der Grünflächen“.

Gemeinschaftshäuser kosten jährlich zwischen 200 000 und 300 000 Euro

In der 10 619 Einwohner zählenden Stadt Felsberg gibt es zwölf Dorfgemeinschaftshäuser und einen Bürgersaal im Rathaus. Das DGH Altenburg ist jetzt Kindertagesstätte. Nach Abzug der Einnahmen kosten die Häuser im Jahr rund 200 000 Euro, erklärt Dorfentwickler Hartmut Lüdeling – mit Abschreibungen und den Leistungen des städtischen Bauhofes lägen die jährlichen Kosten bei 300 000 Euro. Je nach Betreibermodell machen die Kosten pro DGH pro Kopf der Bevölkerung zwischen 92 Cent und 53 Euro aus, erläuterte Lüdeling. Das 1954 eröffnete Karl-Angersbach-Haus in Neuenbrunslar ist das zweitälteste DGH Hessens. Zu Beginn der Informationsveranstaltung hatte Ortsvorsteher Kai Herrig von einem „starken Rückgang der Nutzung” des DGH Niedervorschütz gesprochen. 1966 eingeweiht, sei es vor sechs Jahren grundlegend saniert worden.

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