Felsberg

Stele für Widerstandskämpfer: Gedenken an Egbert Hayessen in Gensungen

Enthüllten die Egbert-Hayessen-Gedenkstele: von links Volker und Hans-Hayo Hayessen, Söhne des Widerstandskämpfers, Dr. Dieter Vaupel, Vorsitzender der Bürgerinitiative und der Künstler Stephan von Borstel.
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Enthüllten die Egbert-Hayessen-Gedenkstele: von links Volker und Hans-Hayo Hayessen, Söhne des Widerstandskämpfers, Dr. Dieter Vaupel, Vorsitzender der Bürgerinitiative und der Künstler Stephan von Borstel.

Auf dem Egbert-Hayessen-Platz in Gensungen erinnert jetzt eine Gedenkstele an den Widerstandskämpfer, der 1944 am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler beteiligt war.

Gensungen – Hayessen, 1913 geboren, wuchs auf der Staatsdomäne Mittelhof auf und hatte sich im Juli 1944 auf dem Bahnhof Gensungen von seiner Familie verabschiedet. Der Generalstabsoffizier wurde am 15.

August 1944 von den Nationalsozialisten in Plötzensee hingerichtet. Vor einem Jahr war der östliche Vorplatz des Bahnhofes Felsberg-Gensungen nach Hayessen benannt worden.

Auch die von dem Künstler Stephan von Borstel geschaffene Stele ist auf die Aktivitäten der Bürgerinitiative „Ein Platz für Egbert Hayessen“ zurückzuführen. Laut Inschrift ist Hayessen damals „aus freiem Selbst“ von Gensungen aus „aufgebrochen, die Tyrannei zu beenden“.

Sohn Volker Hayessen, der die Stele mit seinem Bruder Hans-Hayo enthüllte, findet das Kunstwerk aus Stahl und Beton „unheimlich gut gelungen, weil es viele Auslegungen zulässt“. Platz und Stele machten die Wertschätzung ihres Vaters deutlich: „Das berührt uns.“

Wichtig sei das Wachhalten der Erinnerung an den Widerstand, betonte Volker Hayessen. Vom 20. Juli 1944, dem Tag des Attentats, bis zum Kriegsende seien noch einmal so viele Menschen ums Leben gekommen wie in den Kriegsjahren davor.

Auch sein Vater habe sich für den Widerstand entschieden und damit den Eid gebrochen, um dem Gewissen zu folgen. Die Stele dokumentiere den Bruch und das aufrechte Gewissen.

Egbert Hayessen gehörte zu denen, die die Operation Walküre planten, er habe besonderen Mut bewiesen, sagte Dr. Dieter Vaupel, der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Bei der Gestaltung des Kunstwerks seien auch junge Menschen einbezogen worden.

Die Skulptur werde zum Nachdenken anregen und Raum für eigene Interpretationen lassen. Gerade heute sei es wichtig, Menschen wie Hayessen als positive Vorbilder zu würdigen.

NSU-Morde, Angriffe auf jüdische Einrichtungen, Migranten und Politiker zeigten, wohin Hass und Intoleranz auch in unserer Zeit noch führen könnten. Vaupel: „Für mich ist Hayessens Handeln ein Zeichen der Hoffnung in einer dunklen Zeit.“

Ein Erfolg der Widerstandskämpfer hätte unzählige Menschen vor dem Tod bewahrt, sagte Ortsvorsteherin Heidi Folwerk, „Millionen von Menschen wäre unsagbares Leid erspart geblieben.“

Menschen wie Hayessen hätten sich der Tyrannei widersetzt, „es war ein Aufstand des Gewissens“.

Der Hayessen-Platz sei eine Mahnung an alle, für eine demokratische Gesellschaft einzutreten, sagte der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Dr. Michael Schüte.

Bürgermeister Volker Steinmetz betonte, das Nazi-Regime habe Menschenrechte mit Füßen getreten. Er kündigte für den Hayessen-Platz noch eine Informationstafel an.

„Egbert Hayessen ist ein Vorbild gerade in der heutigen Zeit“, betonte der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Edgar Franke.

Mehr als nur einen Feldweg am Mittelhof nach Hayessen zu benennen – dafür hatte sich die ehemalige Schülerin der Drei-Burgen-Schule, Annika Vockeroth, schon vor Jahren eingesetzt. Ihr wurde bei der Enthüllung der Stele besonders gedankt.

Sie gehörte der damals von Dieter Vaupel gegründeten Hayessen-Projektgruppe an. Der Hayessen-Platz mache die Vergangenheit präsent, sei ein besonderer Ort der heimischen Geschichte, betonte Vockeroth. Volker Hayessen dankte ihr „für ihr mutiges Eintreten gegen das Vergessen“.

Dieter Vaupel freute sich über die aus Spenden finanzierte Gedenkstele, es habe auch wenige kritische Stimmen gegeben. Die Stele wurde auf Antrag der Stadt Felsberg zu 70 Prozent aus Fördergeld des Regionalmanagements Mittleres Fuldatal finanziert, zu 30 Prozent aus privaten Spenden. (Manfred Schaake)

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