Gedenken an Holocaustopfer

Stolpersteine werden in Felsberg verlegt

Unterstützen die Aktion: von links Volker Steinmetz und Dieter Vaupel, der die Geschichte der acht Felsberger Juden in einem Buch festhielt. Foto: Christine Thiery

Felsberg – In Felsberg werden heute um elf Uhr Stolpersteine verlegt, im Gedenken an diejenigen, die den Holocaust nicht überlebt haben: Die Geschwister Erwin und Ruth Deutsch aus Felsberg wurden im Jahr 1941 mit ihrer Mutter Resi Deutsch nach Riga deportiert und starben dort. Weil sie Juden waren. Am Samstag werden für sie und fünf weitere Mitglieder ihrer Familie an der Untergasse 25 Stolpersteine verlegt.

Zehn Kilometer musste die damals 35-jährige Mutter mit ihren beiden sechs- und elfjährigen Kindern bei Temperaturen um Minus 40 Grad zu Fuß in Riga vom Bahnhof bis zum Lager zurücklegen. Dass sie bereits dabei ums Leben kamen, sei sehr wahrscheinlich, sagt Dr. Dieter Vaupel, der die Geschichte der jüdischen Familie Dannenberg/Deutsch recherchiert hat. Von den 1000 Juden, die nach Riga deportiert wurden, haben nur 137 den Holocaust überlebt. Nach der Deportation habe sich die Spur der drei Felsberger verloren.

Resi, Ruth und Erwin Deutsch waren die einzigen von acht noch lebenden Juden der Familie während dieser Zeit, die nicht flüchten konnten. Alle anderen entkamen den Nazis.

Unterstützen die Aktion: von links Volker Steinmetz und Dieter Vaupel, der die Geschichte der ach t Felsberger Juden in einem Buch festhielt. Foto: Christine Thiery

Die beiden Kinder lebten bis zum Pogrom in dem Haus an der Untergasse 25 in Felsberg, nahe des heutigen Robert-Weinstein-Platzes. Während der Pogromnacht waren alle 18 damals in Felsberg lebenden Juden in dem Haus untergebracht. Sie erlebten auch den Tod von Robert Weinstein mit, der während der Ausschreitungen gegen die Juden in dieser Nacht in Felsberg auf der Straße starb. „Der Leichnam wurde einfach zwischen die Juden geworfen, sie mussten dies aushalten“, sagt Vaupel. Nach dieser Nacht sei nichts mehr wie vorher gewesen für die Felsberger Juden und die Familie Dannenberg/Deutsch.

Die Kinder Erwin und Ruth Deutsch: Einstige Felsberger Juden, die nach Riga deportiert wurden und im Alter von sechs und elf Jahren starben. Repro: Dieter Vaupel

Die junge Mutter Resi Deutsch floh mit ihren Kindern und ihrer Mutter Ida Dannenberg nach Kassel. Ida Dannenberg hatte schwere psychische Schäden davon getragen. Sie zitterte ständig, weiß Vaupel aus seinen Recherchen. „Sie leidet an starker Schlaflosigkeit, schreckt nachts auf und ruft um Hilfe. Man kann sie bei Tag und Nacht nicht alleine lassen. Beruhigungsmittel haben keine Wirkung“, heißt es in den Aufzeichnungen eines Arztes.

Sie hatte noch eine Einreisegenehmigung mit der Unterstützung einer jüdischen Hilfsorganisation für sich erhalten und flüchtete 1940 nach Brasilien.

Ihrer Tochter und den beiden Enkeln konnte sie nicht mehr helfen. Alle Bemühungen, Resi Deutsch und die beiden Kinder nach Brasilien zu holen und zu retten, waren vergebens. 1941 wurde die kleine Familie in ein Judenhaus nach Kassel gebracht und später nach Riga deportiert. 

Acht Stolpersteine werden für Mitglieder der Familie Dannenberg/Deutsch gelegt. Dem Holocaust zum Opfer fielen Erwin und Ruth Deutsch, elf und sechs Jahre alt und ihre Mutter Resi. Geflüchtet waren die Oma Ida Danneberg, Onkel Bruno Dannenberg, die Tanten Elli und Ilse-Judith Dannenberg und ihr Vater Moritz Deutsch. In Brasilien waren Ida, Bruno und Elli, Ilse-Judith war in Israel. Moritz Deutsch war seit 1935 in England, dann in den USA. Die Verlegung der Steine mache bewusst, welche Schicksale die Juden erlitten hätten, sagte Bürgermeister Volker Steinmetz. „Viele Menschen sind vergessen. Wenn man ihre Geschichten wieder aufdeckt, schafft dies emotionale Betroffenheit. Die Menschen werden durch die Steine sichtbar“, sagt Vaupel. Deshalb hat er auch ein Buch zur Familie Dannenberg/Deutsch geschrieben (ISBN: 978-3748519069). An die Schicksale der acht Felsberger Juden sollen nun die acht Stolpersteine erinnern. Die öffentliche Veranstaltung wird von der Fuldatal-Schule Melsungen, der Drei-Burgen-Schule Felsberg und der Stadt unterstützt. Der Förderverein der Drei-Burgen-Schule und eine Spende der Sparkasse Hessen-Thüringen über 750 Euro sichern die Finanzierung.

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