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Suche nach Geld für Robert-Weinstein-Haus in Felsberg

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Von: Manfred Schaake

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Soll renoviert werden: das alte Fachwerkhaus an der Obergasse, das nach dem am 8. November 1938 von den Nationalsozialisten in Felsberg ermordeten Juden Robert Weinstein benannt ist.
Soll renoviert werden: das alte Fachwerkhaus an der Obergasse, das nach dem am 8. November 1938 von den Nationalsozialisten in Felsberg ermordeten Juden Robert Weinstein benannt ist. © Manfred Schaake

Das nach dem 1938 von den Nazis ermordeten Juden Robert Weinstein benannte Haus in Felsberg soll renoviert werden. Jetzt kommt Bewegung in die Sache.

Felsberg – Der Vorschlag, im Zusammenhang mit der Synagoge in Felsberg ein deutsch-israelisches Jugend-Werk Hessen und eventuell ein Institut für Landjudentum in Hessen anzusiedeln, hat das Robert-Weinstein-Haus in ein neues Blickfeld gerückt.

Das nicht weit von der Synagoge entfernte Fachwerkhaus an der Obergasse könnte ein internationales Tagungs- und Begegnungszentrum werden. Das erläuterte der Vorsitzende des Vereins zur Rettung der Synagoge, Christopher Willing, als er kürzlich Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, das Konzept Jugend-Werk und Institut vorstellte. Das nach dem früheren stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Weinstein benannte Haus ist im Eigentum des Rettungsvereins. Es soll saniert werden. Dafür fehlt bisher das Geld.

Willing schätzt die Kosten vorsichtig auf rund 600 000 Euro. Er hoffe, dass im Jahr 2024 Zuschuss-Zusagen vorliegen und dann mit der Sanierung begonnen werden könne. „Das Konzept steht, aber ohne Fördergeld ist das nicht machbar“, hatte Willing kürzlich in der Hauptversammlung des Synagogen-Rettungsvereins erklärt. Im November 2019 war der Trialog-Kulturverein Robert Weinstein neu gegründet und Willing zum Vorsitzenden gewählt worden.

Renovierung erfüllt Zweck von Felsberger Verein

Zweck dieses Vereins ist laut Satzung: 1. die Förderung von Kunst und Kultur; 2. die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, 3. die Förderung internationaler Gesinnung und Begegnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens.

Der Satzungszweck werde verwirklicht – so heißt es weiter – „durch Renovierung eines Fachwerkhauses und Erhaltung, durch Kulturveranstaltungen, Seminare, Workshops und Reisen“. Willing hatte bereits bei der Vereinsgründung erklärt, im Weinstein-Haus solle ein Seminar- und Kulturort geschaffen werden.

Damals war angekündigt worden, das Weinstein-Haus solle saniert werden. Eine Bauplanung und eine Statik lagen vor. Inzwischen sei das nach dem 30-jährigen Krieg errichtete Fachwerkhaus statisch gesichert. Die Stützkonstruktion habe die Denkmalpflege bezahlt.

Mehrere Fördertöpfer nötig für Renovierung von Felsberger Gebäude

„Wir werden nichts unversucht lassen“, sagte Bürgermeister Volker Steinmetz auf HNA-Anfrage zum Thema Finanzierung. Die Idee zur Nutzung des Gebäudes sei gut, „die Förderpalette ist breit, wir müssen prüfen, was möglich ist.“ Er hoffe auf Zuschüsse zum Beispiel aus dem Titel Denkmalschutz, auch öffentliche und private Stiftungen könnten angesprochen werden. „Wahrscheinlich wird es ein Konglomerat von mehreren Fördertöpfen“, hatte Willing bereits in der Gründungsversammlung des neuen Trialog-Vereins erklärt.

„Die Sanierung des Robert-Weinstein-Hauses erachte ich im Zusammenspiel mit dem Konzept der Synagoge als einen weiteren wichtigen Baustein und ein wegweisendes Anschlussprojekt“, sagt Regionalmanagerin Marion Karmann auf Nachfrage. Das Vorhaben verspreche ein interessantes und innovatives sowie nachhaltiges Nutzungskonzept. Die Geschäftsführerin der Förderregion Mittleres Fuldatal sieht in der Sanierung und dem Erhalt eines der ältesten Fachwerkhäuser außer dem inhaltlichen Ansinnen auch ein Aushängeschild zur Innenstadtentwicklung. Das setze auch ein Zeichen in der Förderregion.

Erstes Opfer der Novemberpogrome

Der Sozialdemokrat Robert Weinstein (1883-1938) ist das erste Opfer der Novemberpogrome in Deutschland, erläutert Dr. Dieter Vaupel. Der aus Spangenberg stammende Buchautor ist Kenner der jüdischen Geschichte in Nordhessen. Am 8. November 2013 wurde ein Platz in der Felsberger Altstadt nach Robert Weinstein benannt – 75 Jahre nach seinem Tod.

Das Land Hessen wolle das „Bauen im ländlichen Raum“ und die sogenannte Innenentwicklung über das Leader-Programm besonders unterstützen. Deswegen sehe sie durchaus Fördermöglichkeiten über das am 1. Januar 2023 neu startende Programm. Auch eine Verknüpfung verschiedener Förderprogramme sollte angestrebt werden. Die Regionalmanagerin regt einen „runden Tisch“ aller Beteiligten an. Das Gemeinsam-Prinzip habe sich beim erfolgreich umgesetzten Synagogen-Projekt bewährt. (Manfred Schaake)

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