1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Felsberg (Hessen)

Tierheim Beuern hat mit vielen Pflegefällen zu kämpfen

Erstellt:

Von: William-Samir Abu El-Qumssan

Kommentare

Tierheimleiterin Isabelle Glüse mit Malteser Snoopy
Auch dank Tierheimleiterin Isabelle Glüse ist der Malteser Snoopy wieder auf dem Weg der Besserung. © William Abu El-Qumssan

Das Tierheim Beuern ist am Limit: Mehr als 30 Katzen und 20 Hunde wurden in den vergangenen vier Wochen abgegeben. Und viele Tiere sind krank oder verletzt.

Beuern – „Die Tiere sind in sehr schlechtem Zustand“, sagt Ralf Pomplun, Vorsitzender des Tierheims Beuern. Die Zahlen an Neuankömmlingen im einzigen Tierheim im Landkreis liegen weit über dem Durchschnitt: Normal seien zwei Katzen und ein bis zwei Hunde pro Woche. Mehr als 30 Katzen und 20 Hunde waren es aber nun in den vergangenen vier Wochen

Auffällig ist laut Pomplun, dass bei einem Großteil der jüngsten Abgaben die Ernährung und Haltung der Tiere mangelhaft war. Bei vielen Tieren seien außerdem dringend nötige Tierarztbesuche ausgelassen worden. „Das hat vor allem finanzielle Gründe“, sagt der Tierheim-Vorsitzende.

Dass die Flut an Pflegefällen das Tierheim gerade jetzt ereilt, ist für Pomplun kein Zufall. Die Verunsicherung vor dem kommenden Winter sieht er als Hauptgrund. „Heizkosten, Stromkosten und Lebensmittel werden teurer. Aus Angst vor den ganzen steigenden Kosten wird leider auch am Haustier gespart“, vermutet Pomplun.

Tierheim Beuern am Limit: Keine Ende in Sicht

Ein Abreißen der Abgaben und den steigenden Sicherstellungen aus Haushalten sieht Pomplun nicht. Denn ab 22. November werden die Tierarztkosten erhöht – die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) tritt in Kraft und Grundleistungen wie eine Impfung für Hunde und Katzen werden teurer. Mit der neuen GOT werde sichergestellt, dass Tierarztpraxen wirtschaftlich geführt werden können, heißt es in einer Mitteilung der Landesärztekammer Hessen. Trotz weiterer drohender Pflegefälle befürworten die Mitarbeiter des Tierheims die Preiserhöhungen: „Bei der Verantwortung, die Tierärzte tragen, sind die neuen Gebühren absolut angemessen“, sagt Pomplun.

Tierarztbesuche werden teurer

Am 22. November tritt die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft. Laut der Landestierärztekammer Hessen kostet dann eine Impfung für Hunde und Katzen 11,50 Euro, statt bislang 5,77 Euro. Eine Allgemeinuntersuchung kostet dann sowohl für Hunde als auch Katzen 23,62 Euro. Für Katzen sind noch bis 21. November 8,98 Euro fällig, für Hunde 13,47 Euro. Die Kosten können sich erhöhen, wenn die Behandlung besonders schwierig ist oder länger dauert.

Die Tierhalter sparen aber nicht nur an den Tierarztbesuchen, sondern auch an der Unterstützung des Tierheims: „Rund 60 000 Euro Spenden fehlen im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Pomplun. Auch die Austritte von Mitgliedern häuften sich, weil die Menschen mehr sparen wollen. Und gerade jetzt sei das Geld nötig, denn die Versorgung und Behandlung der vernachlässigten Tiere ist teuer.

Eines der Tiere, dass in den vergangenen Wochen ins Tierheim kam, ist der zehnjährige Malteser Snoopy. „Der Hund kam hier komplett verfilzt an und konnte kaum laufen“, berichtet Cornelia Weiß, die im Tierheim als Tiermedizinische Fachangestellte arbeitet.

Tiere kommen stark vernachlässigt in Beuern an

Warum das Tier nicht mehr richtig laufen konnte, ist nichts für schwache Nerven: Das Fell ist dem Hund laut Reiß über die Pfoten gewachsen. „Dadurch hat sich Kot in dem zotteligen Fell verfangen und sich wie Ballen unter den Pfoten gesammelt.“

Zusätzlich seien die Krallen krumm um die Pfoten herum in den Pfotenballen gewachsen. Fortbewegung sei für den Hund eine Qual gewesen. Hinzu kommen laut Ralf Pomplun, Vorsitzender des Tierheim-Vereins, dass der Hund unter starkem Zahnstein leidet. „Das wird leider zu einem kompletten Zahnverlust führen.“ Tiere einschläfern zu lassen sei aber keine Option. „Der Hund hat noch drei bis fünf gute Jahre vor sich und wir tun alles, damit er die auch hat“, sagt Pomplun.

Die Leiden der Tiere rühren neben der Vernachlässigung durch die Halter vor allem von fehlenden Tierarztbesuchen her. Ein besorgniserregender Trend für die Mitarbeiter des Tierheims. „Manche Halter sind nicht bereit oder haben das Geld nicht, um mit den Tieren zum Arzt zu gehen“, sagt Pomplun.

Verfilzt und kaum fähig zu laufen: So wurde der Malteser Snoopy Anfang Oktober im Tierheim abgegeben.
Verfilzt und kaum fähig zu laufen: So wurde der Malteser Snoopy Anfang Oktober im Tierheim abgegeben. © Ein Heim Für Tiere/NH

Und Snoopy ist kein Einzelfall. Viele der Tiere haben Verletzungen und Gebrechen, die viel Zeit in der Therapierung brauchen und schlichtweg viel Geld kosten. Bei einer Katze wurden nach mehrfachen Untersuchungen zwei gebrochene Oberschenkel festgestellt. Ein Bein musste abgenommen werden, bei dem anderen konnte ein komplizierter Eingriff das Bein retten. „Rund 2000 Euro haben uns die zwei OPs bei einer Katze gekostet.“

Eine Französische Bulldogge kam mit einem Bandscheibenvorfall ins Tierheim. Der Rüde benötigt eine spezielle Tragevorrichtung für die Hinterläufe. „Täglich bekommt er eine etwa 15-minütige Einheit Physiotherapie“, sagt Reiß, die auch Tierphysiotherapeutin ist. Hinzu kommen Kosten für die Tierklinik. Ein MRT koste rund 1000 Euro.

Kein Aufnahme-Stopp im Tierheim Beuern

Pomplun sagt, er könne noch viele weitere solcher Beispiele nennen. Das eine sei die Menge an Tieren, die aktuell ins Heim kommen. Doch die zum Teil „katastrophalen Zustände“, in denen sich die Tiere befinden, kämen laut Pomplun nun noch erschwerend hinzu. Mehr Arbeitszeit pro Tier und höhere Tierarztkosten. Um diese Kosten stämmen zu können, ist das Tierheim auf Spenden und die Mitgliedsbeiträge angewiesen. Doch diese brechen wegen der ungewissen Energiesituation vorm Winter und den generell steigenden Kosten nach und nach weg.

„Einen Aufnahme-topp wird es aber nicht geben“, sagt Pomplun. „Eher kürzen wir Gehälter der Mitarbeiter, um den Tieren weiter helfen zu können.“ Ein großer Lichtblick in dieser schwierigen Zeit sei der neue Hundeplatz in Gensungen, der laut den Tierheim Mitarbeitern sehr gut angenommen wird. „Es kommen viele von weiter her, um den Platz zu nutzen.“ Es habe durch den Platz auch neue Mitgliedsanträge gegeben. (William Abu El-Qumssan)

Mehr Infos unter tierheim-beuern.com

Auch interessant

Kommentare