Angeschaffte Haustiere werden zurückgebracht

Tierschützer bereiten sich auf Welle vor: Warum Tierheime nach Corona aus allen Nähten platzen werden

Katze im Kratzbaum
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Die Tierschutzvereine rechnen damit, dass nach der Pandemie viele Tiere in den Heimen landen, weil die Leute keine Zeit mehr für sie haben.

Tierschutzvereine im Schwalm-Eder-Kreis rechnen mit einer regelrechten Hunde- und Katzenschwemme mit Ende der Coronapandemie.

Melsungen - Der Grund: Viele haben sich in Zeiten von Homeoffice und fehlender Freizeitgestaltung ein Haustier angeschafft, wofür sie ohne Corona aber keine Zeit mehr haben. „Wir haben die Befürchtung, dass die angeschafften Haustiere vielen hinderlich werden, wenn die Leute wieder zurück an ihre Arbeitsplätze müssen und wieder ins Restaurant gehen und in den Urlaub fahren können“, sagt Ralf Pomplun, Vorsitzender des Vereins Ein Heim für Tiere vom Tierheim Beuern.

Auch Dieter Büchling von der Guxhagener Katzenhilfe rechnet damit, dass viele Tiere abgegeben werden, die während der Coronapandemie zum Zeitvertreib angeschafft wurden. „Leider sind sich immer noch viele der Verantwortung nicht bewusst, was es heißt, sich ein Tier anzuschaffen.“ Die Coronapandemie habe die Nachfrage nach Haustieren in Deutschland verdoppelt oder sogar verdreifacht, sagt Ralf Pomplun. Hundewelpen seien teils zu horrenden Preisen von bis zu 3000 Euro angeboten worden. „Den Leuten war der Preis egal, Hauptsache, sie haben einen Hund“, sagt Pomplun.

Doch die erhöhte Nachfrage vom einen auf den anderen Tag habe der deutsche Markt gar nicht decken können. Deshalb sei die illegale Einfuhr von Hundewelpen zum großen Problem geworden. „Das Problem gab es auch vor Corona schon, aber durch die Pandemie gab es noch mal einen richtigen Schub.“ Die Tiere würden teils auf Internetplattformen angeboten, aber auch in Zeitungsannoncen.

Sogar direkt aus dem Auto heraus auf Parkplätzen würden die Welpen, die meist viel zu früh von den Muttertieren getrennt werden, verkauft. Hinzu käme, dass sie weder geimpft, entwurmt oder entfloht seien, sagt Pomplun. „Wenn die Tierarztkosten zu hoch werden, geben viele Besitzer die Tiere wieder ab.“

Trotz erwarteter Schwemme appelliert Pomplun: Wer keine Zeit mehr für sein Tier hat, solle es bitte nicht vor sich hin vegetieren lassen, sondern es rechtzeitig ins Tierheim bringen.

Auch das Weiterschenken von Tieren sei ein Problem, das jetzt wohl mit weiteren Lockerungen zunehmend auftreten wird, sagt Ralf Pomplun vom Tierheim Beuern. „Diese Tiere bekommen oft den Status, dass sie nichts wert sind und man sich deshalb auch nicht sonderlich um sie kümmern muss.“ Das führe dazu, dass die Tiere wenig Zuspruch bekämen. Und: „Wer sich die Investition der Anschaffung nicht leisten kann, hat auch für die weitere Versorgung kein Geld.“ (Carolin Hartung)

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