Künftig multimediale Ausstellungen im Museum  

Topf aus dem neunten Jahrhundert wird in Gensungen ausgestellt 

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Freude über einen Topf aus dem neunten bis zehnten Jahrhundert: Von links Dr. Johann-Henrich Schotten, Rolf Fröhlich von der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte Gensungen, Lohrer Ortsvorsteher Rüdiger Strack, Rosemarie und Christine Knaust. 

Gensungen/Lohre/Fritzlar. Bei Bauarbeiten in den 60er-Jahren wurde ein Topf aus dem neunten Jahrhundert in Lohre gefunden, jetzt soll er ins Museum. 

Im Museum Gensungen der Arbeitsgemeinschaft (AG) für Vor- und Frühgeschichte wird nach der Neueröffnung im Mai 2019 eine weitere Attraktion zu sehen sein: Ein nahezu vollständiger Topf aus dem neunten bis zehnten Jahrhundert nach Christi Geburt. Der am 30. Mai 1963 in Lohre gefundene Topf wird in der Ausstellungsvitrine der Karolinger „ein schönes Plätzchen bekommen”. Das kündigte Rolf Fröhlich vom Vorstand der AG beim jüngsten Scherbenkongress an. 73 Hobby-Archäologen aus Nordhessen waren zu Gast in Gensungen.

Christine und Rosemarie Knaust freuen sich, dass der auf dem Grundstück ihrer Eltern im Unterdorf 3 gefundene Topf künftig im Museum präsentiert wird. Die Familie von Landwirt Walter Knaust hatte die karolingische und frühmittelalterliche Keramik ins Regionalmuseum Fritzlar gegeben. Das Gensunger Museum und die AG gab es damals noch nicht. Das Museum Fritzlar hat die vor- und frühgeschichtliche Ausstellung inzwischen ausgelagert. Die Stiftung Museum Fritzlar hat den Topf Gensungen nunmehr als Dauerleihgabe überlassen – ein Glücksfall für das Museum. Ortsvorsteher Rüdiger Strack: „Schön, dass dieses wertvolle Stück aus Lohre in Gensungen einem breiten Publikum gezeigt wird.“

Die Vorgeschichte: Landwirt Knaust musste die Fundamente seiner Scheune stabilisieren. Vorher wurde der Boden untersucht. Beim Aufgraben stieß Knaust auf eine zwei mal vier Meter große Grube, die bis zu zwei Meter tief war.

Unter einer bis zu 90 Zentimeter hohen Brandschicht entdeckte er den Topf aus rötlichem bis ockerfarbenem Ton, den er zunächst Lehrer Julius Volkwein übergab. „Dieser Topf ist sehr bedeutend“, sagte Dr. Johann-Henrich Schotten, der von 1992 bis 2012 wissenschaftlicher Leiter des Regionalmuseums Fritzlar war, „für die Geschichte Nordhessens ist dieser Topf ein Juwel.“ Denn er stehe an der Grenze zwischen Karolinger- und Ottonen-Zeit und damit am Beginn der Deutschen Geschichte.

Die Grube, in der der 20,7 Zentimeter hohe Krug mit 3,5 Liter Inhalt gefunden wurde, könnte laut Dr. Schotten ein Webkeller gewesen sein. Die Keramik könnte von einem Töpfer stammen, der Keramik aus dem Rheinland zum Vorbild hatte. „Der Topf wurde auf einer langsamen Scheibe gedreht und hat Merkwürdigkeiten”, erläutert der Fachmann. Der Boden sei kein ebener Standboden, sondern leicht gewölbt. Das wird Linsen- oder Wackelboden genannt. Flache Böden werden auf eine Herdplatte gestellt, Gefäße mit Linsenboden in die Glut – die Wärme kann sich besser verteilen.

Wie berichtet, wird das Museum nach museumspädagogischen Aspekten neu gestaltet, die Ausstellung wird künftig multimedial präsentiert.

Lohre wird in fünf Jahren 900 Jahre alt

Lohre wurde im Jahre 1123 erstmals urkundlich erwähnt – als Lare. 2023 kann Lohre also die 900-Jahr-Feier begehen. Der Fund des Topfes beweist, dass Lohre viel älter sein muss. Lohre gehörte nach Angaben des Regionalmuseums Fritzlar zu den Siedlungen am Rand der Mader Heide, zum Amt Niedermöllrich und später zum Amt Felsberg. Lohre zählt laut Chronik „700 Jahre Stadt Felsberg” zu einem der ältesten Orte der deutschen Siedlungsgeschichte und zu den Orten, die um 400 nach Christi Geburt gegründet wurden. 1971 schloss sich Lohre noch vor der vom Land Hessen verfügten Gebietsreform freiwillig der Stadt Felsberg an – wie auch Böddiger.

Von Manfred Schaake 

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