Sondersitzung zum 80. Jahrestag

Stadtverordnete trafen sich zum Gedenken an Judenpogrom in Felsberg

Felsberg. Im Gedenken an den 80. Jahrestag des Judenpogroms in Felsberg sowie an den Felsberger Kaufmann Robert Weinstein fand in der Drei-Burgen-Schule eine Sondersitzung der Stadtverordneten statt.

Sie war sehr gut besucht. Alle Reden waren ein eindrucksvolles Bekenntnis zu unserem Rechtsstaat, eine deutliche Mahnung zum friedlichen Miteinander, zu Freiheit, Toleranz und Menschenwürde. Besonders beeindruckt waren alle von einem Beitrag von elf Schülerinnen des Gymnasialzweiges. 

Zu jedem Buchstaben Weinsteins hatten sie sich eigene Gedanken über dessen Leben gemacht. Der SPD-Mann und stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher war das erste Todesopfer des deutschlandweiten Pogroms.

Erinnerung an ausgegrenzte Juden

Daran erinnerte Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach. Am Ende mahnte er: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass so etwas wie vor 80 Jahren nie wieder passieren kann, lassen Sie uns für ein freies, gerechtes Deutschland eintreten.“

Umbach nannte zahlreiche Beispiele dafür, wie in Felsberg bisher an den Judenpogrom erinnert wurde. Es sei unvorstellbar, wie innerhalb weniger Jahre angesehene jüdische Mitbürger ausgegrenzt, gedemütigt, entrechtet, verfolgt und letztendlich vernichtet worden seien.

„Wir haben heute in Deutschland einen weitgehend intakten Rechtsstaat. Stärken wir ihn.“ Das betonte Professor Dr. Dietfrid Krause- Vilmar. Der Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Kassel – von 1975 bis 2005 – ist Initiator der Gedenkstätte Breitenau und bekannt durch seine Forschungen zur Zeitgeschichte Nordhessens. 

Schreckliche Ereignisse prägen 

Er erinnerte an die schrecklichen Ereignisse vor 80 Jahren: „Auch in Felsberg waren es örtliche Angehörige der Hitler-Jugend, SA-Leute, Ortsgruppenleiter und andere NS-Anhänger, die aus eigener Initiative bereits am Abend des 8. November die Synagoge gewaltsam aufbrachen und die heiligen Einrichtungen zertrümmerten und zerschlugen.“ 

Die Gerichtsverfahren belegen nach den Worten Krause-Vilmars, „wie unsäglich schwer es war, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und zu einer wirklichen Klärung zu gelangen“. 

Der Historiker: „Die Vorgänge in Felsberg im November 1938 und vor allem der Umgang mit diesem Terror nach 1945 sind – noch deutlicher als die Ereignisse in Kassel – ein überzeugendes, bitteres Beispiel für den Ausgangspunkt des Terrors im Ort selbst.“ Heute merke man mit Blick auf das vollkommen entgleiste Staatsgefüge von 1938, wie wertvoll unser gegenwärtiger Rechtsstaat sei.

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