Über 400 Jahre alter Abendmahls-Kelch kehrt nach Beuern zurück

Große Freude: Heinz Wicke, Mitte, Vorsitzender des Kirchenvorstandes seit 1995, fasst den Kelch mit Handschuhen an. Von links Pfarrer Bernd Hochschorner, Dr. Götz J. Pfeiffer, Kunstreferent der Landeskirche, Kunstgoldschmied Alexander Schulgin und Beuerns Ortsvorsteherin Erika Carstensen-Bretheuer. Fotos: Schaake

Beuern. Große Freude im kleinen Beuern: Die evangelischen Christen in dem Felsberger Stadtteil können das Abendmahl bald mit einem Kelch feiern, der lange verschollen war.

Der Kelch war zwischen 1603 und 1609 in Nürnberg als Pokal hergestellt worden. George Fokorot hatte den Kelch 1636 an die Kirche in Beuern - damals Bieren - gestiftet. Bis 1911 befand er sich in ihrem Besitz. Dann verschwand er zunächst spurlos. Im Nachlass einer Kasseler Familie ist er nun wieder aufgetaucht. Die Kirchengemeinde Beuern hat ihn für 1000 Euro zurückgekauft.

Jetzt wurde der zurückgekehrte Kelch in der Kirche in Beuern vorgestellt. Es war 1690 geweiht worden. Der Kelch ist also älter als das jetzige Gotteshaus.

1640 war die alte Kirche in Beuern durch kaiserliche Truppen zerstört worden. Man vermutet, dass die Abendmahlskelche im 30-jährigen Krieg geraubt wurden und George Fokorot der Kirche diesen silbernen, früher vergoldeten und mit reichen Ornamenten verzierten Kelch als Ersatz geschenkt hat.

Ein Juwel: Der Abendmahlskelch aus Silber mit der Inschrift „George Fokorot Anno 1636 vereret diessen Becher in di Kirche zu Bieren.“

Pfarrer Bernd Hochschorner sprach von einer spannenden und sonderbaren Geschichte zugleich. In der Chronik von Pfarrer Heussner wird dieser Kelch 1911 letztmals schriftlich erwähnt. „In einer nächsten Bestandsaufnahme der Landeskirche Anfang der vierziger Jahre ist er nicht mehr dabei. Erst im Spätsommer 2014 wird er in einem Nachlass in Kassel entdeckt”, berichtet Hochschorner.

Wie und warum der Kelch von 1636 aus Beuern verschwand - niemand weiß es. Kirchenvorsteher Heinz Wicke und Dorli Göbel erzählten, frühere Kirchenvorsteher und -älteste hätten berichtet, der Kelch sei nach Gensungen gekommen. In Gensungen aber sei gesagt worden, „bei uns ist der Kelch nicht mehr“. Seit über 50 Jahren werde über das Verschwinden diskutiert, sagt Wicke.

Dieser Kelch, sagt der Pfarrer, ist wegen seiner Einmaligkeit von besonderer Bedeutung. Und er sei ein bedeutendes Sakralgefäß des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft über Jahrhunderte hinweg.

In der Werkstatt von Kunstgoldschmied Alexander Schulgin in Bad Arolsen wird der Kelch restauriert. Der Fachmann hat das sehr stark oxydierte Gefäß gereinigt und Risse geschweißt. Für ihn ist es eine besondere Freude, dass er „dieses wunderschöne Stück” wieder zu neuem Leben erwecken darf: „Eine unglaublich schöne Arbeit.”

Von Manfred Schaake

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